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Heiterkeit herrschte bei den Bar-Anekdoten von Heinz Kaiser, Melanie Castillo, Erich Wassicek und Andreas Obermeier.

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Premiere mit Top Spirit(s): Das war die »Nacht der Wiener Bar-Kultur«

Stilvoll feierten das mixologische »Who is who« der Hauptstadt in der »Eden Bar«. Was nach einem Ballabend der Shaker-Elite klang, wurde zur heiteren Geschichtsstunde zu den Wurzeln des heutigen Booms.

von Roland Graf
28. Januar 2025

Bis zuletzt war nicht ganz klar, was Wiens Barszene in der mittlerweile 114 Jahre alten »Eden« erwarten würde. Die stilvolle Einladung, Dresscode: Cocktail inklusive, hatte vier Gäste auf der Bühne, allerdings mit geschwärzten Fotos, versprochen. Schon beim Aperitif mit reichlich Schlumberger-Sekt wurde daher spekuliert, was Moritz Niederstrasser und Samuel Schwalb von »Top Spirit« für die erste Nacht der Wiener Barkultur ausbaldowert hatten. Erst in ihrer Ansprache wurde die Grundidee skizziert: Ihre Idee zu diesem Abend entstand angesichts der mehreren Generationen, die heute die unterschiedlichen Bars der Hauptstadt prägen. »Die junge Generation weiß aber fast kaum etwas über die Wurzeln«, wollte man das in einem gediegenen Rahmen nachholen.

Die beiden Außendienst-Profis schufen damit aus dem Stand ein Erfolgsformat: Über 100 Bartender folgten der Einladung »an einem Montagabend in der Ballsaison«, wie sich Schwalb freute. Ungewöhnlich wie die Location war auch das Format und der Moderator: Billy Vavken vertauschte den Rechenstab des Geschäftsführers der Festspiele Reichenau mit den Moderationskarten.

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Von den Wurzeln des Heute

Heiterkeit herrschte bei den Bar-Anekdoten von Heinz KaiserDino’s Apothecary«), Melanie CastilloBarfly’s«), Erich WassicekHalbestadt«) und dem mittlerweile emeritierten Andreas Obermeier. Ihn lobte Kaiser »als Lehrer von uns allen«. Tatsächlich hatte der »Lebenswerk«-Preisträger des FALSTAFF Barguide (2017) »auf einem Kreuzfahrtschiff in die US-Barkultur hineingeschnuppert«. In Wien musste er die Mischung aus »Atmosphäre, Publikum und Musik« erst suchen. »Als bei Mario Castillo dann Nat King Cole auf Spanisch zu hören war, hab‘ ich das wieder gefunden«. Viele der Geschichten, die Vavken dem Quartett entlockte, kreisten um Castillo als Vater des Wiener Barwunders der 1980er und 1990er Jahre. »Ich bin gleich da, bedeutete bei ihm zwei Stunden«, skizzierten die ehemaligen Mitstreiter einen Mann, »mit dem zu arbeiten lustig und immer leicht chaotisch war« (© Erich Wassicek).

Dass es in Wien auch an der Bar nie ohne Schmäh abgeht, zog sich durch die Erinnerungen in der »Eden«: Ein Anruf beim damaligen Betreiber der »Reiss Bar« nach den genauen Öffnungszeiten des Lokals war dabei schwer zu toppen: »Ab elf Uhr können’s wieder kommen«! – Antwort: »Ich will nicht kommen, ich würd‘ gern raus«! Aber auch versunkene Namen der Wiener Bar-Szene (etwa Farhat Elouzi mit dem »New York, New York« und dem »Blue Hawaii«) steckten einen historisch weiten Rahmen. Wie auf unterschiedlichen Wegen Barkultur nach Wien kam, klang in der Tat wie aus einer anderen Welt. »Caipirinha oder Mojito waren damals absolut ungewöhnliche Getränke«, rief Heinz Kaiser in Erinnerung. Und dass mancher »Whiskey Sour« mit Staubzucker serviert wurde (© Melanie Castillo) verschmerzte man, solange es ihn überhaupt gab.

Drinks, wie sie im Buche stehen

Denn auch so mancher Bartender der 1980er Jahre war im Blindflug unterwegs. »Es gab ein Buch, da hat man nachgeschaut und war auf der sicheren Seite«, so Erich Wassicek, das »Schumann’s Barbuch« war die Bibel. Denn es gab vor allem wenig Informationsquellen. »Wir hatten alles die gleichen Karten, mit den gleichen Fehlern drauf«, ließen sich die spärlichen Quellen auch am Angebot ablesen. Geändert habe sich das radikal mit dem Internet, so »Dino’s Apothecary«-Betreiber Kaiser. Damit wurde nicht nur mehr Information verfügbar, sondern auch die Spirituosen. Sie stellten ebenfalls eine Achilles-Ferse der mixologischen Frühzeit dar. »Über eine verstaubte Flasche Peychaud-Bitters, die ich aufgetrieben hatte, freute sich Mario gewaltig«, gab Melanie Castillo ein Beispiel.

Doch es wurde nicht nur eine Anekdotenreiche Rückschau, die auch Heinz Rüdiger Schimanko als Gast bereicherte: »Ich wurde quasi in der Eden geboren«, so der Hausherr, »nach der Taufe im Stephansdom war hier die Feier«. Als Spielplatz seiner ersten Lebensjahre schilderte er die legendäre Bar und die Maximen seines Vaters Heinz Werner. Der ließ schon dem Vierjährigen einen Zwei-Reiher anmessen.

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Mehr absichtslose Freundlichkeit!

Doch um Stil ging es dann auch bei der Gegenwartsaufnahme. »Absichtslose Freundlichkeit ist in der Gesellschaft selten geworden«, bietet die Bar genau das für Heinz Kaiser. Das Leuchten in den Gästeaugen sei vielfach die schönste Belohnung für eine erfolgreiche Drink-Empfehlung: »Du malst ein Bild im Kopf des Gastes«, wurde Erich Wassicek poetisch bei seinem Ideal. Es gäbe jeden Tag eine neue Vorstellung in der Manege namens »Barfly’s« hatte Melanie Castillo ihre eigene Analogie. Der Erfolg messe sich am besten an einer Situation: »Wenn Gäste um 19 Uhr auf einen schnellen Drink vorbeikommen. Und dann um 2 Uhr mit uns Sperrstunde machen«. Letztere erfolgte auch in der »Eden« spät an diesem Montag der Barkultur!

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