Eva Fricke © Anja Jahn

Eva Fricke © Anja Jahn

Weinanbau nachhaltig und neu gedacht: Eva Fricke präsentiert ihr Vitiforst-Projekt

Auf den historischen Weinbergsparzellen des legendären Weinguts »Schloss Eltz« will die hessische Winzerin neue Maßstäbe für die Zukunft des Weinanbaus setzen.

von Alexander Schöpf
17. Juni 2024

Eva Fricke hat sich einen Namen als engagierte Kämpferin für eine nachhaltige Landwirtschaft gemacht. Die deutsche Winzerin, bekannt für ihr 18 Hektar großes Weingut in Eltville am Rhein (Hessen) und ihre mehrfach prämierten Riesling-Weine – belässt es dabei aber nicht nur bei salbungsvollen Worten, sondern lässt auch gern Taten sprechen, wie ihr jüngstes Projekt zeigt. Auf den historischen Weinbergsparzellen des ehemals renommierten Weinguts »Schloss Eltz« verwirklicht Fricke ein zukunftsweisendes Konzept: der Vitiforst.

Die Vorteile des Vitiforst

Beim Vitiforst – eine Variante des Agroforst (Agrar- und Forstwirtschaft) – handelt es sich um die Integration von Bäumen in den traditionellen Weinbau. Unter wissenschaftlicher Anleitung und in Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim wurden 2024 erstmals Bäume in die Lücken der Rebzeilen gepflanzt, die durch ausgefallene Rebstöcke entstanden. Dieses langfristige Vorhaben wird schrittweise in den kommenden Jahren fortgesetzt, um die Monokultur des Weinbaus aufzubrechen und eine vielfältigere, widerstandsfähigere Agrarlandschaft zu schaffen.

Die Vorteile des Vitiforst werden wie folgt beschrieben: Die Beschattung der Böden durch höhere Laubkronen minimiert die direkte Sonneneinstrahlung und führt dadurch zu einer Temperaturabsenkung von fünf bis zehn Grad Celsius der oberen Bodenschichten. Des Weiteren schützen eine verbesserte Bodenbelebung und erhöhte Wasserspeicherkapazität so die Reben vor Stress durch Wassermangel. Zudem wird der Wasserverlust durch die eigene Verdunstung von der Blattoberfläche verringert. Die Bäume senken darüber hinaus die Umgebungslufttemperatur um zwei bis drei Grad Celsius. Die Beschattung der Bäume verbessert auch das Gedeihen von Kraut und Begrünungsstrukturen und trägt somit zur Regenerierung der Böden und Humusschichten bei.

Zusätzlich verhindern intakte Begrünungsstrukturen das Auswaschen von Nährstoffen und Stickstoff ins Grundwasser. In der Erntezeit in sehr nassen Jahren mit Regenmengen von bis zu 30 Litern pro Tag bieten andere Kulturen und Bäume die Möglichkeit, Wasser aufzusaugen. So wird Stauwasser in den Rebanlagen verringert. Nicht zuletzt steigert die Auflockerung der Monokultur die Arten- und Blütenvielfalt in der Gemarkung und bietet Schutz- und Lebensräume für Tiere und Insekten.

Weine mit legendärem Ruf

Bereits seit 2019 bewirtschaftet das »Weingut Eva Fricke« einen Teil der altehrwürdigen Eltzer Weinbergslagen und hat die ersten Parzellen auf biologischen Anbau samt Zertifizierung umgestellt. Seit 2024 ist eine weitere Parzelle der historischen Domäne, die heute im Besitz der Stadt Eltville ist, dazugekommen. Eva Fricke ist überzeugt, dass das innovative Vitiforst-Konzept, trotz der damit verbundenen Herausforderungen und zwischenzeitlichen Rückschläge, der Schlüssel zu einem nachhaltigeren und zukunftsfähigen Weinanbau ist. Es handelt sich dabei um einen großen Lernprozess und ein bedeutendes Investment, das nur schrittweise umsetzbar ist. Die langfristigen Vorteile für den Weinanbau und die Umwelt sind die Arbeit wert. Beide Eigentümer, die Stadt Eltville und die Familie Graf Eltz, sind Unterstützer des Vitiforst-Konzeptes und haben ihre Flächen dafür zur Verfügung gestellt.

Das Weingut des Grafen Eltz in Eltville wurde im Jahr 1976 aufgegeben, doch die Weine von dort, die den Namen »Schloss Eltz« tragen, haben noch immer einen legendären Ruf. Unter der Leitung von Johann Jakob Graf zu Eltz (1921 bis 2006) setzten die Weine zu ihrer Zeit Maßstäbe für höchste Qualität, sie erlangten weit über die Grenzen des Rheingaus und Deutschlands hinaus internationalem Ruhm. Das Weingut war seinerzeit eines der meistprämierten deutschen Weingüter. Hier setzt Eva Fricke nun mit ihrer Expertise und Innovationsgeist neue Maßstäbe für die Zukunft des Weinanbaus.

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