»AROMA Collective«: Hier wird Essen zur multisensorischen Kunst
Kann der Klang eines Tones den Geschmack verändern? Das »AROMA Collective« sagt: Ja! Hier wird jedes Dinner zu einer multisensorischen Inszenierung, bei der Genuss auf ein völlig neues Level gehoben wird.
Ob raue Steinteller, Klangkompositionen für den Geschmackssinn oder transparente Tischkulturen – beim Hamburger Food-Start-up »AROMA Collective« wird jede Mahlzeit zur Inszenierung. Zum Jubiläum von Caspar David Friedrich in der Hamburger Kunsthalle 2024 hat das Team beispielsweise dieses außergewöhnliche Erlebnis geschaffen: 400 Kilo Steine wurden zu Eisschollen arrangiert, Meeresgischt aus Butter geformt und das Dessert in einem essbaren Schokoladenrahmen serviert. Romantik durch und durch, die sich nicht nur auf den Tellern, sondern auch in der stilvoll abgestimmten Kleidung des Teams widerspiegelte.
Die Gründerinnen Antonie Hoffmann und Jasmin Baltres verstehen Essen als ganzheitliches Erlebnis. Kennengelernt haben sie sich in der Aperitivo-Bar »Standard« auf St. Pauli, wo Baltres, ausgebildete Kommunikationsdesignerin und Fotografin, als Küchenchefin arbeitete. Hoffmann, mit einem Hintergrund in Psychologie, brachte ebenfalls gastronomische Erfahrung und Gastgeberqualitäten mit. Vor rund drei Jahren entschieden sich die beiden Frauen Anfang und Mitte 30, ihre kreativen Talente beruflich zu bündeln.
Kunst, Kulinarik und Philosophie
Mit dem AROMA Collective verfolgen sie das Ziel, ein kreatives Netzwerk zu schaffen, das nicht nur auf ihren individuellen Fähigkeiten aufbaut, sondern auch externe talentierte Köch:innen und Künstler:innen einbindet. Während Baltres die Menüentwicklung und das Kochen übernimmt, liegt Hoffmanns Fokus auf der Gestaltung des Ambientes und der Gästebetreuung. Unterstützt wird das Duo dabei regelmäßig von weiteren Gastköch:innen.
Bei ihren Inszenierungen wird jeder Sinn angesprochen und der gesamte Raum zur Bühne. Ihre Arbeit verbindet dabei Kunst, Kulinarik und Philosophie. Das Konzept des AROMA Collective geht also weit über die klassische Gastronomie hinaus. Statt standardisierter Menüs und festgelegter Tischordnungen wird jeder Anlass individuell gestaltet. Jedes Event, jedes Dinner, jede kulinarische Inszenierung beginnt mit einer zentralen Frage: Welche Botschaft soll transportiert werden? Wie können Menschen durch Essen in einen bewussten Moment gebracht werden?
Veränderte Geschmackswahrnehmung
Dafür werden Räume nicht nur bespielt, sondern neu gedacht – visuell, haptisch, akustisch und geschmacklich. Es entstehen immersive Erlebnisse, die Gäste auf mehreren Ebenen berühren sollen. »Es geht nicht nur darum, was auf dem Teller liegt, sondern auch darum, wie sich das Besteck anfühlt, welche Geräusche den Raum füllen, wie sich die Oberfläche des Tisches anfühlt und welche Interaktionen zwischen den Gästen entstehen«, beschreibt Jasmin Baltres den Ansatz.
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bestimmte Frequenzen und Tonhöhen Aromen verstärken oder abschwächen können. Bitteres wird durch raue, tiefe Töne intensiviert, während süße Speisen von sanften, harmonischen Klängen begleitet werden. Das AROMA Collective lässt dieses Wissen in ihr kulinarisches Konzept einfließen. Sie arbeiten interdisziplinär mit Künstler:innen, Musiker:innen oder Designer:innen zusammen. So entstand kürzlich ein auditives Dinner, bei dem ein Soundkünstler spezielle Klänge komponierte, die die Geschmackswahrnehmung veränderten.
Multisensorisches Dinnererlebnis
Auch die Haptik spielt eine große Rolle: Ein grober Steinteller kann eine ganz andere emotionale Wirkung haben als eine samtig-glatte Oberfläche. Diese ganzheitliche Gestaltung von Erlebnissen macht die Arbeit von AROMA so einzigartig und tiefgründig. Neben der Inszenierung von Caspar-David-Friedrichs »Eismeer« gestaltete das AROMA Kollektiv kürzlich ein weiteres Projekt, das sich mit zeitgenössischer Kunst und Offenheit beschäftigte. Hier spielte das Team mit Plexiglas, auf dem sie das Essen platzieren, transparenten Strukturen und variierenden Tischgestaltungen, um den Gästen unterschiedliche Wahrnehmungsebenen zu ermöglichen: Mal mit großen, gemeinschaftlichen Tafeln, mal mit persönlichen, intimen Essinseln.
Neben der künstlerischen und sensorischen Dimension hat die Arbeit des AROMA Collective aber auch eine nachhaltige Komponente. Das Team greift fast ausschließlich zu pflanzlichen Produkten und bezieht Zutaten von regenerativen Landwirtschaftsbetrieben. Zusätzlich will das AROMA Collective in Zukunft einen noch stärkeren design- und konzeptorientierten Ansatz verfolgen. In erster Linie will es als eine Art Culinary Design Studio agieren, in dem das kreative Gesamterlebnis im Mittelpunkt steht – von multisensorischen Dinnererlebnissen über maßgeschneiderte Raumkonzepte bis hin zu eigens entwickelten Produkten wie Tableware. In einer Welt, in der vieles schnelllebig und standardisiert ist, erinnert uns das AROMA Collective daran, innezuhalten, zu schmecken, zu fühlen – und Essen als das zu begreifen, was es sein kann: eine universelle Sprache der Sinne und der Verbundenheit.
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