Bordeaux: Winzer reißen Reben aus und kassieren kräftig
Bis zu 67 Millionen Euro wollen Staat, Region und der Branchenverband für eine Restrukturierung des Weinanbaus springen lassen.
Zu viele Reben stehen derzeit im Bordeaux einer sinkenden Nachfrage nach Rotwein gegenüber, wie Falstaff berichtete. Mit konjunkturellen wie strukturellen Gründen erklärt Stéphane Héraud, Mitglied des Weinverbands von Bordeaux CIVB, die Lage. Konkret spricht er von coronabedingten Lockdowns, Restaurant-Schließungen, einer höheren Besteuerung französischer Weine in den USA, Ukraine-Krieg, Inflation und nicht zuletzt Klima-Themen.
Als erste Maßnahme in diesen Problemstellungen hat Frankreich beschlossen, 2,5 Millionen Hektoliter vor allem an Rotweinen zu Alkohol zu destillieren. Die EU und die Regierung wollen das Destillationsprogramm mit 160 Millionen Euro fördern.
Billigpreise und Verluste
1.320 Winzerbetriebe in der Gegend um Bordeaux befänden sich in Schwierigkeiten, gab die Landwirtschaftskammer für das Department Gironde bekannt. Winzer im 110.000 Hektar großen Anbaugebiet um die Stadt Bordeaux können ihren Wein nur mit Verlusten verkaufen und gehen sogar soweit, ihre guten Tropfen zu Billigpreisen in Supermärkten zu verschleudern. Ein Viertel sei bereit, den Weinbau gänzlich aufzugeben.Um auf die Problematik und ihre missliche Lage aufmerksam zu machen, sind die Winzer vor wenigen Wochen auf die Straßen gegangen (Falstaff berichtete hier). Landwirtschaftsminister Marc Fesneau hat mittlerweile den Hilferuf der Branche verstanden: 67 Millionen Euro werden Staat, Region und der Branchenverband für eine Restrukturierung des Weinanbaus rund um Bordeaux zahlen. Mit diesen Stilllegungsprämien soll Weinbau auf 9.500 Hektar Fläche beendet werden.