Der Siegeszug des Crémants
Die Schaumweine, die nach traditioneller Methode hergestellt werden, gewinnen immer mehr an Beliebtheit und erfreuen sich einer wachsenden Fangemeinde. Und das nicht nur in ihrer französischen Heimat, sondern weltweit.
»Was für ein Wachstum!« Olivier Sohler, Direktor des elsässischen Crémant-Verbands, ist die Begeisterung deutlich anzumerken. »Es scheint, dass auch im ersten Halbjahr 2024 kein Ende in Sicht ist.« Tatsächlich ist der Boom des französischen Crémant in den letzten beiden Jahren ungebrochen, und die Elsässer erleben derzeit einen regelrechten Rekordrausch.
Mit fast 40 Millionen verkauften Flaschen haben sie im Jahr 2023 eine beeindruckende Marke erreicht und behaupten sich weiterhin als führende Region in der Crémant-Produktion. Dies zeigt, dass das Elsass nicht nur für seine malerische Weinstraße und das hervorragende Tourismusangebot geschätzt wird, sondern auch für seine exquisiten Crémants. Die Anbaufläche der 1979 gegründeten Appellation beträgt mittlerweile rund 3700 Hektar. Das Spiel mit den verschiedenen zugelassenen Rebsorten wie Auxerrois, Chardonnay, Pinot Blanc, Pinot Gris, Pinot Noir und Riesling bietet den Konsumenten eine wunderbare Vielfalt.
Bei Verkostungen haben mehrere Weingüter hervorragend abgeschnitten. Dazu zählt das Weingut Dirler-Cadé aus Bergholtz, einem kleinen, idyllischen Ort zwischen Colmar und Mulhouse. Bereits seit 1988 setzt man hier auf biodynamischen Anbau. Die energetischen Crémants, wie der Riesling 2019 Brut Nature oder der Crémant Brut Nature aus Pinot Gris und Auxerrois, zeichnen sich durch ihren puristischen Stil und Geradlinigkeit mit viel Extrakt aus. »Unsere Crémants lassen wir vor der Flaschenabfüllung mindestens sieben Monate auf der Vollhefe liegen«, erklärt Jean Dirler. »Der Riesling wird im Stahltank ausgebaut, während der Crémant Brut Nature im großen Fuder reift.« Jean und seine Frau Ludivine, die gemeinsam das Weingut leiten, legen großen Wert auf Frische und Komplexität, die sich in ihren Cuvées widerspiegeln.
Auch die Domaine Ansen kann in diesem Jahr erneut überzeugen. Das Weingut liegt im nördlichen Elsass, in Westhofen, und bewirtschaftet neun Hektar. »Meine Lagen bieten ein breites Spektrum an Mikroklima und Böden«, sagt Daniel Ansen, Weinmacher und Eigentümer. »Für die Crémants nutze ich die Muschelkalk- und Keuperlagen, um ihnen einen besonderen mineralischen Ausdruck zu verleihen.« Die Crémants ohne zugesetzten Schwefel, wie der Brut Nature aus Auxerrois und Pinot Gris oder der Les Marnes Noires Brut 2017 aus Chardonnay und Pinot Blanc überzeugen durch ihren eigenwilligen, klaren Charakter.
Egal, ob ganz unkompliziert oder hochwertig: Crémant bietet für jeden Geschmack das Richtige. Und das zu guten Preisen.
Auch im zweitgrößten Anbaugebiet an der Loire herrscht Jubelstimmung. Entlang des längsten Flusses Frankreichs haben sich die Schaumweine der Region schon lange fest etabliert und sind aus der französischen Weinlandschaft nicht mehr wegzudenken. Historische Städte wie Orléans und Tours sowie zahlreiche Schlösser zeugen von der glanzvollen Geschichte des französischen Adels, der die lange Tradition der Weinkultur in dieser Region prägte. Die Crémants de Loire und die ebenfalls in traditioneller Methode ausgebauten »Fines Bulles de la Loire« aus den Appellationen Saumur, Anjou und Vouvray erzielten 2023 einen Rekordverkauf von fast 26 Millionen Flaschen. Mehr als 30 Prozent davon wurden nach Deutschland exportiert.
Eines der größten Häuser der Region ist Bouvet Ladubay. »Wir freuen uns, dass wir auf der Erfolgswelle des Crémant-Booms mitschwimmen können«, sagt Juliette Monmousseau, Mitinhaberin des Hauses Bouvet Ladubay. »Auch Anfang 2024 konnten wir mit unserem breit aufgestellten Portfolio weitere Zuwächse verzeichnen.« Das familiengeführte Unternehmen bietet Schaumweine für die gehobene Gastronomie ebenso wie für den unkomplizierten Trinkgenuss. Größter Abnehmer bleibt dabei Deutschland. In Verkostungen konnten unter anderem der »2020 Bouvet Zéro Saumur Brut Nature« und der »2022 Trésor Brut« überzeugen. Der gut integrierte Holzeinsatz verleiht beiden Cuvées eine besonders komplexe Note.
Geschmackvolle Vermählung
Auch andere Crémantproduzenten der Region, darunter größere Erzeuger wie Langlois und Gratien-Meyer, setzen bei der Assemblage auf traditionelle, regionale Rebsorten. Bei den weißen Sorten dominiert der Chenin Blanc, während Cabernet Franc bei den roten eine zentrale Rolle spielt. Oftmals erfolgt dann eine Vermählung traditioneller Sorten mit kleineren Anteilen von Chardonnay oder weiteren, wie Grolleau Gris, Grolleau Noir und Pinot Noir. Nicht nur die Rebsorten prägen die Vielfalt der »Perlen« der Loire, sondern auch das Klima, das von ozeanischen bis kontinentalen Einflüssen reicht, sowie die unterschiedlichen Böden. Vor allem Kalkstein und Tuffsteinklippen verleihen den Weinen ihren charakteristischen mineralischen Ausdruck.
Im Burgund, der Nummer drei unter den acht Crémant-Anbaugebieten, wurde die geschützte Herkunftsbezeichnung »Crémant« erstmals 1975 eingeführt. Auch hier legt man zunehmend Wert auf die Betonung der regionalen Herkunft, wobei die vorherrschenden Kalkböden und die drei Rebsorten Chardonnay, Pinot Noir und Aligoté eine große Rolle spielen.
Die 1926 gegründete Genossenschaft Cave de Lugny möchte mit ihrer Crémant-Marke »Sainchargny« nicht nur Schaumweine für den alltäglichen Genuss anbieten. »Mit der Einführung der Prestige-Linie wollen wir gezielt gehobene Ansprüche bedienen«, sagt Exportleiter Jean Marie Reynaud. Dies zeigt sich bei den beiden mineralischen Crémants, die durch lange Hefelager von mehr als 30 Monaten geprägt sind: der Les Cray Extra Brut 2018 aus Chardonnay und der Emerit 2018 aus Chardonnay und Pinot Noir.
Erfolgreiches Bordeaux
Die Crémants aus Bordeaux können nach wie vor auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte zurückblicken. Im Jahr 2023 erreichten sie mit einem Verkauf von 10 Millionen Flaschen den vierten Platz unter allen acht Crémant Appellationen. Zu den höher gelegenen Weinbauregionen gehört das kleine Anbaugebiet Limoux, wo mediterrane und ozeanische Klimaeinflüsse sowie die Rebsorten Chardonnay, Chenin, Mauzac und Pinot Noir eine bedeutende Rolle spielen. Die Marke »Aguila« der größten Winzergenossenschaft Sieur d‘Arques konnte bei Verkostungen erneut mit guten Ergebnissen punkten.
Die Crémants aus den beiden kleinen Weinregionen Jura und Savoie sind vor allem im Ausland gefragt. Leider müssen diese Regionen immer wieder hohe Ertragsverluste durch Witterungseinflüsse hinnehmen. Die kleinste Crémant-Appellation »Die« mit nur 33 Hektar Anbaufläche besticht oft durch die fruchtigen Noten ihrer Schaumweine, die aus der Rebsorte Clairette gewonnen werden.
Dank der guten Ernteerträge in den Jahren 2022 und 2023 sind viele Schaumweine aus traditioneller Flaschengärung auf dem Markt erhältlich. Die Vielfalt der acht Crémant-Regionen sowie anderer Schaumweine, die nach traditioneller Methode hergestellt werden, bietet ein breites Spektrum an Geschmack und Qualität. Ob man es lieber unkompliziert mag oder nach hochwertigen, lange auf der Hefe gereiften Produkten sucht – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und das Beste: Alles gibt es zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.
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