Erster Teegarten Österreichs wächst im Ennstal
Was mit einer Handvoll Pflanzen begann, könnte schon bald eine kleine Tee-Revolution im Alpenraum auslösen. Spitzenkoch Klemens Gold wagt in Großraming ein Pionierprojekt.
Inmitten des Alpenvorlands entsteht eine ungewöhnliche landwirtschaftliche Innovation: In Großraming in Oberösterreich wird Österreichs erster Teegarten gepflanzt. Spitzenkoch Klemens Gold vom Restaurant »Rau« wagt das Experiment – mit einer Pflanze, die man eher in Asien als in den Alpen vermutet: Camellia sinensis, die Teepflanze.
Tee aus den Kalkalpen
Die Idee, in Österreich Tee anzubauen, mag auf den ersten Blick exotisch erscheinen, doch klimatisch bringt das Ennstal durchaus gute Voraussetzungen mit. »Die Kalkalpen speichern Wasser wie ein Schwamm, und Nebel, den Tee zum Gedeihen braucht, haben wir hier oft genug«, erklärt Gold. Die einzige Herausforderung bleibt der Frost – doch auch diese Hürde wurde bereits in Deutschland genommen. In Odenthal bei Köln kultiviert Wolfgang Bucher seit fast 30 Jahren frostharte Teepflanzen.
Gold ist mit seinem Projekt kein Einzelkämpfer: Teeanbau in Europa boomt, und mittlerweile gibt es sogar einen eigenen Tee-Verband, die »Tea Grown in Europe Association«. Sie vereint Teebauern aus 14 Ländern und Inseln, darunter prominente Mitglieder wie der portugiesische Star-Winzer Dirk Niepoort, der sich ebenfalls dem Tee verschrieben hat.
Eine Tourismusattraktion?
Gold will jedoch nicht nur einen Teegarten für den Eigenbedarf anlegen – er denkt größer. Er sieht darin eine Chance für sanften Tourismus in der Region. »Es könnte eine Attraktion entstehen, die Besucher anzieht und unser nachhaltiges Konzept weiterführt«, sagt der Gastronom. Bereits jetzt hat er erste Partner unter den lokalen Landwirten gefunden, die mit ihm den Teeanbau ausweiten wollen.
Gepflanzt wird auf zwei Parzellen: Die eine liegt hinter dem Musikerheim von Pechgraben, die andere auf einer steilen Lage, die Gold passenderweise »Hinter der Küch« getauft hat. Hier soll eine Vielfalt an Teesorten wachsen, darunter der edle Gyokuro, Matcha und Oolong.
Tee-Verkostung als Start
Zum Start des Projekts lud Gold zu einer besonderen Feier: Neben einer chinesischen Teezeremonie konnten Gäste wild wachsende Tees verkosten und erlebten musikalische Einlagen, die fernöstliche Klänge mit traditioneller Blasmusik kombinierten. Auch die kreative Weiterverarbeitung von Tee wurde demonstriert – unter anderem in Cocktails, bei denen Tee-Sirup, Apfelsaft und heimischer Wodka zum Einsatz kamen.
Langfristig plant Gold sogar ein Tee-Archiv, in dem die Aromen verschiedener Jahrgänge erforscht werden. Damit könnte der erste Teegarten Österreichs nicht nur eine Bereicherung für die Gastronomie, sondern auch eine neue kulturelle Institution werden.