Falstaff Brautag im Ottakringer Brauwerk
Die Wiener Brauerei öffnet sich und lässt regelmäßig in die Braukessel blicken. Falstaff hat es ausprobiert und mit dem »Maltstaff« sein eigenes Bier eingebraut.
»Bier hält die Welt zusammen – neben Gaffa Tape und Kabelbindern.« Mike Neureiter, Leiter des Ottakringer Brauwerks und des Ottakringer Shops, macht mit nur einem Satz klar, wie sehr er und alle Mitarbeiter der Brauerei im 16. Wiener Gemeindebezirk für Bier brennen.
Und bei Ottakringer, genauer gesagt beim Craft-Beer-Ableger Brauwerk, fungiert Bier fraglos als zwischenmenschlicher Klebstoff. Die Brauerei bietet seit über zwei Jahren den Brautag an – und führt in nur wenigen Stunden Interessierte in die Kunst des Bierbrauens ein. Von der gemeinsamen Planung über das Einmaischen bis zum Abfüllen ins Fass geleitet ein Braumeister die Teilnehmer Schritt für Schritt durch den Prozess. Das Ergebnis: Ein eigenes Bier, in Teamwork entstanden. Das schweißt zusammen, weiß Neureiter. Er hat in den vergangenen Jahren schon einige Kurse begleitet. Vier Wochen nach dem Brautag wird das Ergebnis verkostet – und nicht selten kommt die ganze Truppe, die in der Regel bunt zusammengewürfelt ist, wieder zusammen, oft auf Eigeninitiative.
Riesling im Bier?
Auch Falstaff hat im Rahmen eines Brautages einen Blick in die Braukessel werfen dürfen. Erklärtes Ziel war, ein Amber Ale zu kreieren. Der Weg dorthin war ein kurzweiliger, Mario Zimmerl vermittelte die grundlegende Theorie unterhaltsam und gut verständlich, und machte klar, dass zumindest in der Craft Beer-Szene der Kreativität beim Brauen kaum Grenzen gesetzt sind. Biersommelière Anna Horngacher (Kolarik & Leeb) streute zwischendurch einiges zur Firmengeschichte und -struktur ein. Michael Kolarik-Leingartner, Brand Ambassador Budweiser und Biersommelier Staatsmeister 2018, überwachte gemeinsam mit Zimmerl den Brauprozess und während der unmittelbar damit verwobenen Wartezeiten zeigte Mike Neureiter, wie man Bier richtig verkostet. Darunter das Big Easy, ein Session IPA, das bei manchem Weinkenner Assoziationen zu einem Riesling hervorrief.
Während im Maischekessel von Speidel das geschrotete Malz eingemaischt wurde, wies Zimmerl darauf hin, dass das Gemisch die Temperaturmarke von 80 Grad nicht überschreiten darf, da sonst wertvolle Inhaltsstoffe zerstört würden. Nach dem Läutern, also nachdem die Getreiderückstände – in der Fachsprache Treber genannt – aus dem Braukessel gefiltert werden, wird es jedoch heiß im Braukessel. Die Temperaturen können nun die 100 Grad-Marke getrost überschreiten. So wird das künftige Bier steril und haltbar.
Der Hopfen macht das »Maltstaff«
Nach einer kurzen Mittagspause mit liebevoll und schmackhaft belegten Häppchen von der »Einmacherin«, die für ihr selbstgebackenes Brot zum Teil auch Treber verarbeitet, konnten die Hobbybrauer entscheiden, welche geschmackliche Richtung ihr Bier einschlagen soll. Das Falstaff-Team hat sich für einen fruchtigen Geschmack entschieden, was zu der Auswahl der drei Hopfensorten Hallertauer Tradition, Aurora und Amarillo führte.
Nach etwa einer Stunde Kochzeit wartete ein »Wellnessprogramm« auf das entstehende Bier. Mittels des sogenannten Whirlpools wurde das Gemisch heruntergekühlt. Anschließend folgte die Vermählung mit der Hefe, die schon im Fass auf das Gebräu wartet. Dunkel und kühl gelagert entsteht dort in einem vierwöchigen Gärprozess das Bier – das bereits auf den Namen »Maltstaff« hört.