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© Davidoff

Falstaff-Talk Davidoff-CEO Beat Hauenstein: «Zigarren sind ein Genussmittel, kein Suchtmittel»

Interview
Zigarre

Oettinger Davidoff schloss das Jubiläumsjahr 2025 mit 545,3 Millionen Franken Umsatz und 2,5 Prozent realem Wachstum ab. Im Gespräch erklärt CEO Beat Hauenstein, weshalb Innovation wichtig bleibt, warum die Davidoff Puro Dominicano eine Rarität ist – und weshalb der Gewinn von Marktanteilen ausschlaggebend ist.

Falstaff: Mit der Davidoff Puro Dominicano haben Sie eine Zigarre geschaffen, die vollständig aus dominikanischem Tabak besteht. Was macht ihren besonderen Reiz aus?

Beat Hauenstein: Mit der Puro Dominicano richten wir uns an Aficionados, die Zigarren der Davidoff Black Band Collection (Davidoff Nicaragua, Davidoff Escurio, Davidoff Yamasá)  lieben – also intensive, innovative Blends aus bekannten Tabakregionen der Welt. Die Puro Dominicano ist anders. Sie ist die vierte Linie mit der schwarzen Banderole und wie der Name bereits verrät, besteht sie ausschliesslich aus sorgfältig gereiften Tabaken aus der Dominikanischen Republik. Das ist eine echte Rarität. Normalerweise kombinieren wir Tabake unterschiedlicher Herkunft miteinander, um komplexe Aromen zu erzeugen. Die Zigarre aus einem einzigen Ursprungsland zu komponieren, und trotzdem einen ausbalancierten Blend mit vielfältigen und klar erkennbaren Aromen zu kreieren, ist anspruchsvoll. Wir sind nicht die Ersten, die das versuchen – aber ich glaube, die Ersten, die das auf diesem Qualitätsniveau hinbekommen haben. Die Resonanz zeigt: Das trifft den Nerv.

Davidoff Puro Dominicano
© Davidoff
Davidoff Puro Dominicano

Zino Honduras führt die Linie nach Zino Nicaragua in eine neue Herkunft. Was war der Auslöser?

Wir wollten eine Linie, die sich klar von Zino Nicaragua unterscheidet – mit einem ausgeprägt zentralamerikanischen Geschmacksprofil. Dafür haben wir Tabake aus zwei Anbaugebieten in Honduras vereint: die kräftigen Tabake aus dem Jamastrán-Tal mit den süssen, holzigen Noten des Copán-Tals. Beide Zino-Linien werden in unserer Manufaktur in Danlí, Honduras, gefertigt. Die Zigarre hat klar die Zino-DNA – es ist eigentlich eine zu gute Zigarre für den Preis…

Eure Marke Zino wächst stark, zuletzt um 16,1 Prozent. Davidoff um +2.4%. Was treibt diese Innovationsdynamik?

Der handgefertigte Premium-Zigarren-Markt ist ein Nischenmarkt. Wir müssen mit der Qualität und Konsistenz unserer Produkte überzeugen und weiter Innovationsführer bleiben. Wir müssen verstehen, was der Konsument geschmacklich sucht, und dies dann so in eine Zigarre übersetzen, dass es am Ende auch wirklich so schmeckt, wie man es sich vorgestellt hat. Dafür müssen wir in stetigem und engem Austausch mit der Kundschaft sein. Nur so können unsere erfahrenen Teams in der Dominikanischen Republik und in Honduras, die entsprechenden Blends kreieren.

Wachstum im Premiumsegment entsteht oft über Marktanteile. Wo sehen Sie aktuell Verschiebungen?

Ein verlässliches «Thermometer» gibt es nicht, es fehlen echte Statistiken. Aber wir sehen es am eigenen Wachstum: Wir verkaufen substanziell mehr Davidoff-Zigarren als noch 2019. Ich glaube, dass wir viele Dinge richtig machen: Wir liefern höchste und konstante Qualität, innovative Blends, kommunizieren transparent und das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt. Dies sieht auch die Kundschaft und so können wir auch Aficionados von Mitbewerbern für unsere Produkte gewinnen und so unsere Marktanteile erhöhen. Das ist kein Zufall, sondern das Resultat vieler kleiner richtiger Entscheidungen.

Der regulatorische Druck auf Genussprodukte nimmt zu. Wie halten Sie dennoch eine positive Erzählung aufrecht?

2017, als ich das Unternehmen übernommen habe, habe ich gesagt, wir müssen die Regulierung «lieben lernen» – damals hat man mich komisch angeschaut. Heute gibt uns der Erfolg recht: Wir sind Marktführer und adaptieren kontinuierlich. Zigarren sprechen ausschliesslich Erwachsene an und sind ein Genussmittel, kein Suchtmittel – hier sollte man klar differenzieren, statt uns mit anderen Tabakprodukten in denselben Topf zu werfen. Ich vergleiche das gern mit der Prohibition in den USA in den 1920er- und 30er-Jahren: Die Leute haben nicht aufgehört zu trinken, sie haben nur aufgehört, es legal zu tun.

Sie haben die Kapazitäten in der Dominikanischen Republik und in Honduras ausgebaut. Was steht strategisch im Vordergrund?

Der Kapazitätsausbau war zunächst eine direkte Reaktion auf die weltweit gestiegene Nachfrage nach unseren Premium-Zigarren. Strategisch geht es jedoch um weit mehr als Wachstum. Unser Ziel ist es, unsere Führungsposition im handgefertigten Premium-Zigarren-Geschäft langfristig weiter auszubauen. Dazu stärken wir unsere Präsenz in bestehenden Märkten, erschliessen neue und entwickeln das Markenerlebnis mit zusätzlichen Flagship Stores kontinuierlich weiter. Gleichzeitig müssen wir die Einhaltung unseres Kundenversprechens garantieren: höchste und konstante Qualität, innovative Blends, exzellente Accessoires sowie die zuverlässige Verfügbarkeit unserer Produkte in mehr als 130 Ländern. Dieses Versprechen weltweit Tag für Tag einzulösen, ist äusserst anspruchsvoll – und gleichzeitig einer der wichtigsten Gründe für unseren nachhaltigen Erfolg. 

Was nehmen Sie aus dem 150-jährigen Jubiläum persönlich mit?

Das Jubiläum mit der Eigentümerfamilie des Unternehmens und den Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz zu feiern, war für mich ein echtes Highlight – aber es ging um mehr als eine grosse Feier. Es war die Gelegenheit, kurz innezuhalten, stolz zurückzuschauen und gleichzeitig mit frischem Mut und klarer Vision nach vorne zu blicken. Beim Erarbeiten des History Walk ist mir bewusst geworden, was seit 1875 alles passiert ist: zwei Weltkriege, Rezessionen, Krisen aller Art. Und trotzdem geht es uns heute besser, wir sind profitabler und grösser denn je. Gerade deshalb empfinde ich grosse Demut. Man leitet ein Unternehmen nie nur für den Moment. Man trägt Verantwortung für das, was Generationen aufgebaut haben – und dafür, was man selbst der nächsten Generation hinterlässt.

oettingerdavidoff.com


Benjamin Herzog
Benjamin Herzog
Chefredaktion Schweiz
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