Food Trends entschlüsselt: So entsteht die Ernährung der Zukunft
Food Trends entstehen aus gesellschaftlichen, technologischen und kulturellen Veränderungen. Doch nicht jeder Hype hält langfristig an. Harry Gatterer, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts, erklärt im Interview, wie Food Trends entstehen, welche Faktoren sie beeinflussen und wie sich unsere Essgewohnheiten in den nächsten Jahrzehnten verändern könnten.
Zu Jahresbeginn überschlugen sich wieder einmal die Prognosen zu den Food Trends 2025. Doch wie entstehen diese Trends eigentlich? Und wie können Wissenschaft, Industrie und Verbraucher:innen sie frühzeitig erkennen?
«Trends sind wahrnehmbare und beschreibbare Veränderungsphänomene», erklärt Harry Gatterer, CEO vom Zukunftsinstitut. Es gibt nicht nur einen Weg, wie sie entstehen können. Vielmehr spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: technologische Entwicklungen, gesellschaftliche Haltungen und kulturelle Einflüsse. Sie prägen neue Ernährungstrends. Ein Beispiel ist der wachsende Gesundheitsfokus, der sich über Jahre hinweg etabliert hat.
Im Gespräch mit Falstaff beleuchtet Gatterer die entscheidenen Einflussfaktoren.
Die Transformation unserer Arbeitswelt – Homeoffice und flexible Arbeitszeiten – haben unsere Essgewohnheiten grundlegend verändert. «Die Art, wie wir arbeiten und mobil sind, wirkt sich direkt darauf aus, wann, wie und was wir essen», betont Gatterer.
Frühwarnsystem Spitzengastronomie
Wie lassen sich kommende Food Trends frühzeitig erkennen? «Die Spitzengastronomie ist hier ein wichtiger Indikator», sagt Gatterer. Als Beispiel nennt er das Team vom «Noma» in Kopenhagen, das sich intensiv mit lokalen und nachhalitgen Zutaten beschäftigte und so Trends setzte, die später in die breite Masse schwappten. Aber auch gesellschaftliche Entwicklungen wie der zunehmende Fokus auf Gesundheit oder die Veränderungen in der Arbeitswelt dienen als Frühwarnsystem.
Trend oder Hype?
Nicht jede kulinarische Innovation hat das Potenzial, langfristig zu bestehen. Hypes erkennt man laut Gatterer am steilen Anstieg und schnellen Abflachen – wie bei der kurzzeitigen Begeisterung für die Dubai-Schokolade. Echt Trends hingegen verankern sich nachhaltig im Alltagsleben, weil sie ein bestehendes Problem lösen oder ein gesellschaftliches Bedürfnis erfüllen. So reagieren Fleischersatzprodukte auf den Wunsch nach einer umwelfreundlicheren Ernährung, während zuckerreduzierte Produkte ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein bedienen.
Doch welche Indikatoren deuten auf langfristigen Erfolg hin?
- Problemlösung mit Relevanz: Ein Trend bleibt bestehen, wenn er eine gesellschaftliche oder individuelle Herausforderung adressiert – etwa den Bedarf nach mehr Convenience oder gesünderer Ernährung.
- Marktdurchdringung und Infrastruktur: Ein Trend benötigt Produktions- und Vetriebsstrukturen, die eine effiziente Herstellung und attraktive Preise ermöglichen. Bleibt ein Produkt zu teuer oder schwer verfügbar, bleibt es eine Nische.
- Alltagstauglich- und Anpassungsfähigkeit: Langfristige Trends sind anpassungsfähig. Die pflanzenbasierte Ernährung zeigt, wie kontinuierliche Innovatione, etwa neue Proteinquellen, den Trend lebendig halten.
Zuckerfreie Zukunft
Für die kommenden Jahre prognostiziert Gatterer eine deutliche Reduktion des Zuckerkonsums. «In der Welt des Klimas liegt der Fokus auf CO₂, in der Welt der Ernährung wird es der Zucker sein», ist er überzeugt. Dabei geht es nicht um völligen Verzicht, sondern um einen bewussteren Umgang mit Ernährung: «Die Menschen entwickeln ein höheres Bewusstsein darüber, was ihnen gut tut und was hinter ihren Lebensmitteln steckt.»
Gleichzeitig werden sich Ernährungsgewohnheiten weiter ausdifferenzieren. Statt pauschaler Konzepte wie vegetarisch oder vegan erwartet Gatterer einen präziseren, individuelleren Umgang mit Ernährung, der sowohl die eigene Gesundheit als auch die des Planeten berücksichtigt.
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