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Lucie-Pereyre de Nonancourt

Lucie-Pereyre de Nonancourt
© Leif Carlsson

Maximale Komplexität: Lucie Pereyre de Nonancourt

Champagner

Die junge Lucie Pereyre de Nonancourt ist eine von drei Frauen an der Spitze des Champagnerhauses Laurent-Perrier. Und steht zu den Traditionen des Hauses – etwa, die Prestige-Cuvée «Grand Siècle» aus drei Jahrgängen zu komponieren.

Das Champagnerhaus Laurent-Perrier ist weltweit für seinen von Klarheit, Frische und Eleganz geprägten Stil berühmt – und für seine individuelle Herangehensweise bei der stets vom Chardonnay dominierten Prestige-Cuvée, dem überaus komplexen und dichten Grand Siècle. Das besteht – anders als sonst in der Champagne üblich – nicht aus einem, sondern gleich aus drei Jahrgängen. Lucie Pereyre de Nonancourt, Nachfahrin der Gründerfamilie von Laurent-Perrier in seiner heutigen Form und Repräsentantin des Grand Siècle, erklärt im Gespräch mit dem Falstaff unter anderem, was diese Prestige-Cuvée so besonders macht und weshalb Geduld bei der Elaboration von Spitzen-Champagner so extrem wichtig ist.

Falstaff: Für Ihr Spitzen-Cuvée verwenden sie nicht nur einen Jahrgang, sondern gleich drei. Weshalb?

Lucie Pereyre de Nonancourt: Unser Ziel ist es, mit den drei verschiedenen Jahrgängen das perfekte Jahr abzubilden und maximale Komplexität zu erreichen. Jedes Jahr hat seine Besonderheiten, wir vermählen die jeweils besten Eigenschaften in einer Cuvée, dem Grand Siècle.

 Betonen Sie durch diese Herangehensweise mehr das Terroir und weniger die Eigenheiten eines einzelnen Jahrgangs?

Uns geht es vor allem immer darum, den Stil des Grand Siècle zu betonen! Das ist unser Ausgangspunkt. Unter dieser Maßgabe suchen wir die Jahrgänge und die Terroirs aus. Beim Grand Siècle geht es um Frische, Spannung, Lebendigkeit und Eleganz, gleichzeitig streben wir aromatische Tiefe und eine hohe Komplexität an.

Laurent-Perrier ist das einzige große Champagnerhaus, das auf diese Art arbeitet. War es schwierig, den Ansatz zu erklären?

Anfangs haben wir nicht viel erklärt, das war halt der Stil des Grand Siècle, der Champagner hat einfach für sich gesprochen. Als mein Großvater begonnen hat so zu arbeiten, waren wir ein kleines Haus, er wollte seine Ideale verwirklichen. Erst später sind wir mehr ins Detail gegangen, genau genommen haben wir erst 2019 damit begonnen, die Nummer der Itération (Red.: französisch für Wiederholung, die verschiedenen Varianten des Cuvée sind nach Nummern sortiert) auf dem Flaschenhals kenntlich zu machen und die Zusammensetzung nach Jahrgängen und Rebsorten zu nennen, wobei bei uns immer der Chardonnay dominiert, weil er diese besondere Frische liefert, die wir anstreben.

Wie schwierig ist es, drei Jahrgänge zu finden, die zueinander passen und dem Stil des Grand Siècle entsprechen?

Das braucht vor allem Zeit und Geduld. Aber in der Champagne und wir bei Laurent-Perrier sind sehr gut darin, geduldig zu sein.

Es gibt oft mehrjährige Phasen, in denen Sie keinen passenden Jahrgang finden, so entstand zwischen 2008 und 2012 eine Pause. Werden Sie manchmal unruhig?

Nein, eigentlich nicht, irgendwann kommt ja ein Jahrgang, der passt. Beim Grand Siècle geht es nur um die Qualität, man muss eben warten, um die guten Dinge zu bekommen.

Der Grand Siècle reift zehn Jahre lang auf der Hefe, bis er degorgiert wird, weshalb dieses lange Hefelager?

Beim Hefelager wird ein Prozess in Gang gesetzt, der sich Autolyse nennt und der unter anderem dazu führt, dass sich komplexe Aromen herausbilden und eine sehr feine Textur entsteht, die Perlage wird mit der Zeit ebenfalls feiner. Generell wirkt sich das lange Hefelager sehr positiv auf die Qualität der Weine aus. Beim Grand Siècle sind die zehn Jahre auch wichtig, damit die drei Jahrgänge genügend Zeit haben, sich perfekt zu vereinen. Übrigens: Den Magnum-Flaschen geben wir noch ein paar Jahre mehr Zeit, das Ergebnis gibt uns Recht.

 Was ist aktuell Ihre persönlich bevorzugte Itération des Grand Siècle?

Aktuell mag ich die Nummer 25 sehr gern mit ihrer ganzen Tiefe. Die Nummer 26 ist sehr charmant und extrem hoch bewertet, die 23 ist wunderbar aromatisch, die 24 ist eher geradeaus. Das ist alles ganz großartig, aber wenn ich mich entscheiden müsste, wählte ich die Nummer 25.

Wann trinken Sie diesen Champagner am liebsten?

Am liebsten beginne ich mit dem Apéritif und trinke ihn dann den ganzen Abend weiter.

 

© Franck Hamel

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Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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