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Saint-Émilion: Das Dorf mit seinen ockerfarbenen Kalksteingebäuden ist ein ganz besonderer Ort.

Saint-Émilion: Das Dorf mit seinen ockerfarbenen Kalksteingebäuden ist ein ganz besonderer Ort.
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»Rive Droite«: Merlot, Kalkstein & Châteaux-Tradition

Wein
Bordeaux
Frankreich

An der »Rive Droite« – dem Gebiet rechts der Flüsse Dordogne und Gironde – trifft jahrhundertealte Weinbautradition auf kalksteingeprägte Hänge und ein Terroir, das wie geschaffen ist für den Merlot. Zwischen den ehrwürdigen Klostermauern, den in den Fels gehauenen Kellern und den meist familiengeführten Châteaux entfaltet sich dort eine der abwechslungsreichsten Weinlandschaften Frankreichs.

Das kulturelle, gastronomische und auch önologische Zentrum am rechten Ufer der Weinregion Bordeaux bildet das Dorf Saint-Émilion. Es befindet sich etwa 40 Kilometer östlich von Bordeaux und thront auf einem Kalksteinfelsen rund 65 Meter über der Dordogne. Es ist ein besonderer Ort.

Die in dem ockerfarbenen Kalksteinfelsen gehauenen oder aus diesem erbauten Gebäude stehen eng beieinander, das Dorf leuchtet förmlich inmitten der sattgrünen Weinberge, die es umgeben. Besonders bemerkenswert ist die aus dem Kalksteinfelsen gehauene monolithische Felsenkirche aus dem 11. Jahrhundert, die als größte unterirdische Kirche Europas gilt und zusammen mit 200 Kilometern unterirdischer Stollen die einzigartige Architektur des Ortes prägt.

Luftaufnahme von Saint-Émilion
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Luftaufnahme von Saint-Émilion

Merlot-Paradies

Die Weinbaugebiete am rechten Ufer umfassen rund 5700 Hektar und erstrecken sich von den prestigeträchtigen Appellationen Saint-Émilion – mit seinen vier Satelliten-Appellationen – und Pomerol über Fronsac und Canon-Fronsac bis hin zu den nördlicher gelegenen Côtes-de-Bordeaux-Gebieten wie Blaye, Côtes de Bourg, Castillon und Francs, wobei allen gemeinsam ist, dass ihre ton- und kalkreichen Böden Merlot-­dominierte Weine hervorbringen.

Während die Prestige-Appellationen um Saint-Émilion für Weinliebhaber auf der ganzen Welt Traumziele sind, stehen die weniger bekannten Gebiete in deren Schatten. Entdeckungsfreudige Weinreisende kommen aber auch in diesen Zonen auf ihre Kosten, gerade auch was leistbare Alltagsweine betrifft, die schließlich einen Großteil der Weinregion Bordeaux ausmachen.

Doch zurück nach Saint-Émilion, in dessen Umgebung es an die 1000 Weingüter verschiedenster Größe und Ausrichtung gibt, wobei die Aufmerksamkeit hier ganz klar den Topshots gilt. Allen voran Châ­teau Cheval Blanc, Château Ausone, Château Angélus, Château Figeac und Château Pavie.

Sie sind es, die den Kalkfelsen und seine Umgebung unter Weinfreaks in aller Welt zur Legende gemacht haben. Wie bei Topweingütern weltweit üblich sind Besuche dieser lebenden Legenden meist nur auf Voranmeldung möglich – aber dann immer ein besonders prägendes Erlebnis.

Ein Besuch auf Château Figeac etwa, das fast schon exemplarisch für die Kultur eines traditionellen Bordeaux-Châteaux steht. Besitzerfamilie Manoncourt ist bis heute ins Geschäft involviert, und wer Glück hat, trifft sie bei einem Besuch sogar an. Man besucht die Rebberge, die erst vor wenigen Jahren komplett erneuerten Produktions­anlagen, verkostet die Weine und genießt das Anwesen mit dem pittoresken Château und den perfekt gepflegten Parkanlagen – ein Erlebnis, das sich einprägt, auch der herausragenden Weine wegen.

Die ton- und kalkreichen Böden bringen Merlot-dominierte Weine hervor.
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Die ton- und kalkreichen Böden bringen Merlot-dominierte Weine hervor.

Zu Gast im Château

Viele der Topgüter in der Region betreiben längst nicht mehr nur Weinbau, sondern haben für Besucher ganze Erlebniswelten geschaffen. So etwa Château Angélus, das seit 2013 auch das Gasthaus »Logis de la Cadène« in Saint-Émilion führt – wo Sternekoch Thibaut Gamba eine delikate und subtile Küche serviert, basierend auf saisonalem Gemüse und Fisch.

Das »Hôtel de Pavie«, ebenfalls im Ort, gehört, wie der Name schon sagt, zum Château de Pavie. Für die Küche dort zeichnet der französische Sternemillionär Yannick Alléno verantwortlich. Ein weiterer Topshot in diesem Zusammenhang ist das Restaurant »Les Belles Perdrix«, das zu Château Trop­long-Mondot gehört und sich außerhalb des Dorfs bei ebendiesem befindet – samt eigenem Bed & Breakfast.

Trotz aller Anziehungskraft von Saint-Émilion: Wer am rechten Ufer weilt, darf das benachbarte Pomerol nicht außen vor lassen – nicht nur, aber auch des wohl legendärsten Châteaus in der Gegend wegen: Pétrus. Pomerol befindet sich zwischen Saint-Émilion und der Kleinstadt Libourne, der die gesamte auch als Libournais bekannte Weinregion am rechten Ufer ihren Namen verdankt.

Wie in Saint-Émilion ist auch in Pomerol Merlot die Hauptsorte, jedoch unterscheidet sich das Terroir deutlich: Pomerol liegt auf einem ovalen Hochplateau von gerade mal drei mal vier Kilometern mit charakteristischen eisenhaltigen Böden. Die Franzosen nennen diese »Crasse de fer« (Eisenschlacke) – eisenoxidhaltige Sandböden, die den Weinen einen einzigartigen trüffelähnlichen Ton verleihen können.

Es dürfte nicht überraschen, dass man Château Pétrus – auch bekannt für den legendären Trüffelton in den Weinen – höchstens von der Straße aus betrachten kann. Besucher empfängt man hier nur in Ausnahmefällen. Wer in Pomerol einen Weingutsbesuch einplanen will, muss auf weniger legendäre Güter ausweichen.

Lohnenswert ist beispielsweise, sich auf Château de Sales anzumelden, das große Anwesen bietet nicht nur weintechnisch, sondern auch, was Landschaft und Architektur betrifft, alles, was das Herz eines Wein- und Genussreisenden höherschlagen lässt.

Das renommierte Weingut Château de Pavie betreibt auch das bei Feinschmeckern beliebte »Hôtel de Pavie«.
© Pierre-Olivier / Shutterstock.com
Das renommierte Weingut Château de Pavie betreibt auch das bei Feinschmeckern beliebte »Hôtel de Pavie«.

Die besten Adressen

Essen

Logis de la Cadène

Moderne französische Sterneküche von Chef Thibaut Gamba in historischem Gasthaus von 1848.
3 Place du Marché au Bois, 33330 Saint-Émilion, T: +33 557 247140
logisdelacadene.fr

Les Belles Perdrix

Sternerestaurant auf Château Troplong-Mondot mit eigenem Permakultur-Garten und Blick über die Weinberge.
33330 Saint-Émilion, T: +33 557 553828
troplong-mondot.com

L’Envers du Décor

Legendärer Winzertreff in der Altstadt; marktfrische Bistroküche, riesige Weinkarte und lauschiger Innenhof.
11 Rue du Clocher, 33330 Saint-Émilion, T: +33 557 247059
lenversdudecor.com

Schlafen

Hôtel de Pavie

Fünf-Sterne-Hotel in einem ehemaligen Kloster über den Dächern von Saint-Émilion; Gourmetrestaurant »La Table de Pavie« von Yannick Alléno.
5 Place du Clocher, 33330 Saint-Émilion, T: +33 557 550755
hoteldepavie.com

Château Grand Barrail

Märchenhaftes Schlosshotel von 1902 inmitten der Weinberge; Spa, Pool.
3343 Route de Libourne, 33330 Saint-Émilion, T: +33 557 553700
grand-barrail.com

Château Bellefont-Belcier

Luxuriöses Gästehaus auf einem Grand-Cru-Weingut; stilvolle Zimmer, Pool und Aussichtsterrasse.
33330 Saint‑Laurent‑des‑Combes, T: +33 557 247715
bellefont-belcier.com

Weingüter

Château Pavie

Legendäres Weingut mit spektakulären Ausblick. Auf Voranmeldung private Kellerführungen und Verkostungen.
2 Pimpinelle, 33330 Saint-Émilion, T: +33 557 554343
vignoblesperse.com

Château Cheval Blanc

Das legendäre Weingut befindet sich an der Grenze zu Pomerol. Hier hat man den Merlot-Cabernt-Franc-Code geknackt.
1352 route de Pomerol, 33330 Saint-Émilion, T: +33 557 555555
chateau-cheval-blanc.com

Château Angélus

Gehört zu den angesehensten Weingütern von Saint-Émilion. Das legendäre Glockenlogo bezieht sich auf den markanten Glockenturm im Ort Saint-Émilion.
1 Mazerat Ouest, 33330 Saint-Émilion, T: +33 557 247139
angelus.com

Château Figeac

Familie Manoncourts Schloss ist legendär – auch unter Besucherinnen und Besuchern, die hier stets willkommen sind.
Château Figeac, 33330 Saint-Émilion, T: +33 557 556455
chateau-figeac.com

Château Canon-La-Gaffelière

Biozertifiziertes Weingut vor den Toren von Saint-Émilion. Kann auf Voranmeldung besucht werden.
La Gaffelière-Canon, 33330 Saint-Émilion, T: +33 557 247265
neipperg.com


Erschienen in
Falstaff Magazin Österreich Nr. 7/2025

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Benjamin Herzog
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