Tag des Tees: Vom Opa-Aufguss zum Insta-Trend – Ein internationaler Vergleich
Am 21. Mai ist internationaler Tag des Tees – ein Anlass, dem traditionsreichen Getränk auch im deutschsprachigen Raum besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Denn: Tee ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz längst mehr als nur ein Heißgetränk. Ein Überblick.
Trotz kultureller Unterschiede verbindet Deutschland, Österreich und die Schweiz eine stetig wachsende Liebe zum Tee – wenn auch auf unterschiedliche Weise.
Deutschland bleibt mit 39.789 Tonnen Jahresverbrauch (2023) und einem Pro-Kopf-Verbrauch von 487 Gramm der größte Teetrinker im DACH-Raum, vor allem bei Kräuter- und Früchtetees. Dabei gibt es eine Region, die weltweit heraussticht: Ostfriesland. Mit einem jährlichen Verbrauch von über 300 Litern pro Kopf, in etwa 6 Kilogramm führt die ostfriesische Teekultur sogar vor Nationen wie Großbritannien oder China. Der kräftige Schwarztee, stilecht mit Kluntje und Sahne, wird dort traditionell bis zu fünfmal täglich zelebriert.
In Österreich hingegen ist Tee (noch) kein täglicher Begleiter: Rund 3.000 Tonnen wurden im Jahr 2022 konsumiert – das entspricht 322 Gramm pro Kopf.
Die Schweiz überrascht: Ohne ausgeprägte Teekultur, aber mit einem enormen Bewusstsein für Qualität, Nachhaltigkeit und bewussten Genuss trinken Schweizerinnen und Schweizer rund 800 Gramm Tee pro Kopf – deutlich mehr als ihre Nachbarn. Insgesamt wurden dort 2022 7.104 Tonnen Tee verbraucht, häufig begleitet von einem Stück Schokolade.
Zwischen Tradition und Trend: Schwarztee, Grüntee & funktionale Blends
Neben den pflanzlichen Mischungen behauptet sich Schwarztee als treuer Begleiter in der kalten Jahreszeit – ob als Darjeeling in Deutschland oder als aromatischer Earl Grey zur Nachspeise in der Schweiz. Gleichzeitig gewinnen Grüntees wie Sencha oder Matcha besonders bei jungen Konsumenten an Bedeutung. Sie stehen für einen bewussten Lebensstil, Wellness und Achtsamkeit. Immer stärker im Kommen sind auch funktionale Tees: Mischungen, die gezielt Schlaf, Verdauung oder Immunsystem unterstützen sollen. In Österreich setzt man hier häufig auf bewährte Hausmittel wie Fenchel, Schafgarbe oder Melisse, während in der Schweiz alpine Heilkräuter neue Wohlfühlrezepte prägen.
Nachhaltig, digital, lokal: Der moderne Teemarkt
Mit dem wachsenden Umweltbewusstsein steigt auch das Interesse an nachhaltig erzeugten Produkten. Zwar tragen bereits rund 30 Prozent der Kräutertees in Deutschland und Österreich ein Bio-Siegel, doch Umweltschutzorganisationen fordern mehr Transparenz und Engagement. Die Schweiz liegt mit etwa 45 Prozent zertifizierten Teeimporten vorn, doch globale Herausforderungen wie der Klimawandel, Monokulturen oder faire Arbeitsbedingungen in Anbauländern bleiben bestehen.
Auch das Einkaufsverhalten verändert sich spürbar: Immer mehr Menschen entdecken Tee über digitale Kanäle. In Deutschland wuchs der Onlinehandel 2023 um 12 Prozent, auch in Österreich und der Schweiz boomen Abo-Modelle, kleine Online-Shops und das Influencer-Marketing. Besonders gefragt sind Tees aus kleinen Manufakturen, nachhaltig verpackt und häufig regional produziert – und das alles eingebettet in einen bewussten Lifestyle.
Die größten Teeproduzenten der Welt
Tee ist dabei nicht nur geschmacklich bedeutsam. Er ist auch ein wichtiger Wirtschaftszweig. Ein Blick auf die jüngsten Produktionswerte zeigt, wer den Markt dominiert.
An der Spitze steht Pakistan mit einem Produktionswert von 707 Millionen US-Dollar (10,79 Prozent Marktanteil). Der hohe Inlandsverbrauch spiegelt sich in der beeindruckenden Erzeugungsmenge wider. Die USA folgen mit 578,6 Millionen US-Dollar (9,54 Prozent). Zwar ist der Pro-Kopf-Konsum moderat, doch Premiumtees und regionale Produktionen – etwa aus Hawaii – gewinnen an Bedeutung. Russland liegt mit 448 Millionen US-Dollar auf Platz drei (6,9 Prozent) – traditionell mit Fokus auf Eigenbedarf und veredelte Tees für den heimischen Markt.
Das Vereinigte Königreich belegt Rang vier (310,3 Mio. US-Dollar / 5,7 Prozent). Trotz begrenztem Anbau bleibt die britische Teeindustrie prägend – vor allem bei Marken und Mischungen. Knapp dahinter folgt Ägypten mit 310,1 Millionen US-Dollar und ebenfalls rund 5,7 Prozent Marktanteil. Schwarzer, stark gesüßter Tee ist dort tief im Alltag verwurzelt.
Der Tee bleibt heiß
Tee ist im DACH-Raum auf dem besten Weg, das Image des »verstaubten Kräutleins« abzulegen. Zwischen neuen Sorten, nachhaltigem Anspruch und digitalem Vertrieb entwickelt sich eine Teekultur, die Genuss und Haltung vereint. Wer heute Tee trinkt, weiß, was drin ist – und warum es wirkt. Zum Tag des Tees am 21. Mai lohnt sich daher nicht nur eine Tasse Tee – sondern auch ein bewusster Blick über den Tassenrand.