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Was muss ein Kochbuch heute leisten – außer Rezepte liefern?

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Braucht ein gutes Kochbuch heute ein gutes Gewissen? Zum Welttag des Kochbuchs am 23. April zeigt sich: Nachhaltigkeit entscheidet zunehmend mit, was in den Warenkorb kommt.

Zum Welttag des Kochbuchs zeigt sich, wie stark sich das Kochbuch als Medium verändert hat. Längst geht es nicht mehr nur um Inspiration am Herd, sondern auch um Haltung beim Einkauf. Eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Deutschen Kochbuchpreis gemeinsam mit dem Marine Stewardship Council (MSC) bestätigt diesen Wandel deutlich.

Für 31 Prozent der Befragten spielt Nachhaltigkeit beim Kauf von Zutaten eine große Rolle, weitere 53 Prozent stufen sie als »eher wichtig« ein. Besonders ausgeprägt ist das Bewusstsein beim Fisch: Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) achten hier gezielt auf Siegel wie das des MSC.

Orientierung statt nur Inspiration

Die Erwartungen an moderne Kochbücher verschieben sich damit klar in Richtung Orientierung. Insgesamt bewerten über 80 Prozent der Befragten Hinweise zu nachhaltigen Zutaten und Zubereitungsarten als hilfreich. Nur 18 Prozent messen dem Thema wenig Bedeutung bei.

Auch strukturell hat sich der Kochbuchmarkt verändert. Laut Angaben erscheinen in Deutschland jährlich rund 2000 neue Titel, im Jahr 2025 waren es sogar 2720. Kochbücher zählen damit zur drittstärksten Warengruppe im Segment der Ratgeberliteratur, mit einem Anteil von 11,7 Prozent am Gesamtumsatz des Buchmarkts. Innerhalb dieser Sparte machen Kochbücher rund ein Viertel aus.

Parallel dazu verändert sich auch die inhaltliche Ausrichtung: Vegetarische und vegane Titel haben stark an Bedeutung gewonnen, ebenso wie Konzepte rund um verantwortungsvolle Herkunft und ganzheitliche Verwertung – Stichwort Nose-to-Tail. Besonders bei Fisch und Fleisch gewinnen solche Perspektiven an Relevanz.

Kochbücher bleiben Leitmedium

Trotz digitaler Konkurrenz behauptet sich das klassische Kochbuch klar als Inspirationsquelle. 71 Prozent der Befragten nutzen es weiterhin, wenn es um neue Rezepte geht. Dahinter folgen Apps und Online-Portale mit 57 Prozent, Kochsendungen mit 48 Prozent sowie Food-Influencer mit 38 Prozent. Klassische Print- und digitale Hybridformate wie Podcasts oder Newsletter bleiben deutlich dahinter.

Auch beim Ernährungsverhalten zeigt sich der Wandel: 62 Prozent der Befragten bezeichnen sich als Allesesser, 32 Prozent als Flexitarier. 42 Prozent geben an, heute mehr pflanzliche Produkte zu konsumieren als früher, knapp 40 Prozent achten insgesamt stärker auf Nachhaltigkeit beim Lebensmitteleinkauf.

Nachhaltigkeit als neue Bewertungsebene

Damit verändert sich auch die Rezeptwelt in Kochbüchern: Neben pflanzenbasierter Küche gewinnen Fisch- und Meeresfrüchte-Rezepte wieder an Bedeutung – besonders in der asiatischen und mediterranen Küche sowie in der Sternegastronomie.

Der Wandel bleibt nicht ohne Konsequenzen für die Branche selbst. Beim Deutscher Kochbuchpreis soll Nachhaltigkeit ab 2026 erstmals gezielt in die Bewertung einfließen – insbesondere in den Kategorien »Fisch und Meeresfrüchte« sowie »Fleisch«.


Redaktion
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