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© Nils Hasenau

Alexander Herrmann: »Manchmal muss man seine Emotionen bei der Weinauswahl zulassen«

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Mit dem »Weinfilter 2.0« gibt Alexander Herrmann Tipps für die Weinauswahl: Mit Falstaff sprach er über Kategorien wie »Bitte nicht kaufen, wollen wir selber saufen«, warum man Weine eher nach Gefühl auswählen sollte und unter welchen Umständen er sich mit Eiswürfeln im Wein anfreunden kann.

Sternekoch Alexander Herrmann hat für seine Herrgott-Weine, einem Projekt, das er gemeinsam mit Guido Gottwald betreibt, einen neuen »Weinfilter 2.0« entwickelt, der die Weinauswahl durch verschiedene Emotions-Kategorien erleichtern soll. »Kuratiert nicht nach verkopftem Weinsprech, sondern ausgewählt und zusammengestellt um ins Herz zu treffen«, so Hermann.


Falstaff: Wie entstand die Idee zum  »Weinfilter 2.0«?

Alexander Herrmann: Die Idee hinter dem Weinfilter kann man sehr gut mit den täglichen Fragen des Lebens vergleichen: Wer will ich sein? Wie geht es mir heute? Was sind die äußeren Umstände? Darum geht es doch ständig im Leben. Du stehst morgens vor dem Schrank und überlegst, was ziehe ich an? Und dann geht es darum, was habe ich heute vor? Wie fühle ich mich? Wie ist das Wetter? Mit welchen Klamotten möchte ich mich zeigen? Und genauso ist es doch, wenn du vor dem Weinregal stehst. Wie geht es dir heute? Was ist für eine Temperatur? Wie willst du dich fühlen? Und das war der Grund für uns, den Weinfilter mal nicht nur mit Weiß, Rosé und Rotwein, sondern wirklich mit einer Gefühlslage aufzubauen.

Welche Emotionen stehen im Mittelpunkt des Filters?

Im Grunde sind es zwei große Emotionen. Zum einen ist das: Alles zum Essen. Also von Pizza über Pasta – das ist sicherlich ein Standard, aber immer wieder erwähnenswert. Es geht aber auch darum, welchen Wein ich mir am besten zur Currywurst aufmachen sollte. Brotzeit ist da für mich genauso wichtig, wie Schnitzel, Pommes oder der Weinkiller Nummer eins, Sushi. 

Die zweite Emotion, um die es geht, sind äußere Umstände: Ich möchte mich fühlen wie barfuß am Strand oder Sonne im Glas, Eisbärenfell und Lagerfeuer. Also emotionale Tagessituationen oder eben, wie ich mich fühlen möchte aber auch das Thema Geschenke oder Freakwein. Das ist eine meiner Lieblings-emotionalen Positionen: Also etwas, wo ich sage, ich möchte wirklich mal komplexer sein. Es gibt aber auch eine emotionale Rubrik, die da lautet, »Bitte nicht kaufen, wollen wir selber saufen«. Das sind mehr oder weniger unsere besten und liebsten Weine, die wir eigentlich gar nicht hergeben wollen, bei denen wir nur kleine Serien haben.

Durch seine emotionale Bedeutung erhält der Moment dann eine besondere Kraft.

Guido Gottwald und Alexander Herrmann
Foto beigestellt
Guido Gottwald und Alexander Herrmann

Welche Kategorie wird bei der Weinsuche am häufigsten gewählt?

Ich glaube es ist zu früh, um das jetzt schon zu sagen. Derzeit ist das natürlich vor allem Sommer oder eben dieses Strandfeeling, aber auch Geschenke und diverse Essensthemen sind vorrangig.

Warum sollte man Weine manchmal eher nach Gefühl als nach Rebsorte oder anderen Faktoren auswählen?

Wenn ich weiß, nach was mir ist, dann habe ich ja schon mehr oder weniger eine Auswahl getroffen. Manchmal muss man einfach seine Emotionen zulassen. Wenn ich mich beispielsweise heute mehr nach Sommer fühle, obwohl es draußen regnet oder ich vielleicht einen Partywein haben möchte, dann möchte ich nicht erst darüber nachdenken, welche Rebsorte passt denn nun zu meinem Partygefühl. Wenn das vorher schon jemand für mich gemacht hat, dann ist das mehr oder weniger wie ein Sommelier, der deine Seele bedient.

Welcher Wein passt zu einem perfekten Sommer-Feierabend?

Da mag es es vor vor allem kalt und spritzig. Ich kann es aber partout nicht leiden, wenn man in Wein oder Champagner Eiswürfel reinwirft – weil das für mich viel zerstört. Und ich erlebe es oft im Restaurant, dass sich manche Gäste bei Eiswürfeln im Champagner bedienen. Ein kaltes Getränk ist das eine. Aber wenn ich schon sage, »jetzt machen wir Sommer-Feierabend und jetzt dürfen auch mal Eiswürfel drin sein« – wähle ich am liebsten Frizzante. Der ist leicht perlig, hat leichte Süße und da kann man auch mal Eiswürfel reinwerfen, ohne dass es in die Hose geht. Ansonsten sind Eiswürfel im Wein für mich normalerweise ein absoluter Albtraum – aber da geht das.


 

Rafaela Mörzinger
Redaktions- und Portalmanagerin Falstaff
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