An Wein mangelt es nicht in dem neuen Churer Restaurant – aber das erfährt der Gast nicht sofort. Die Weinkarte wurde nämlich nur auf eine entsprechende Bitte gebracht, und das Angebot der offen servierten Sorten ist überschaubar. Aber die Flaschen! Alles andere als von schlechten Eltern! Pinot Gris von Giani Boner oder Chardonnay Ried Saffran von Erwin Sabathi, weisser Rioja von Sierra de Toloño oder 2012er Cos d’Estournel. Jede Menge trinkreifer Jahrgänge, insgesamt faire Preise. Was will man mehr? Vielleicht eine hier und da spannendere Küche. In dem Lokal, dessen Name Neues wie Altes suggerieren will (Bytes klingt ja fast wie Beiz), geht es kulinarisch dezent traditionell, aber auch modern zu. Onsen-Ei trifft Steak Béarnaise, während im Hintergrund gebackene Aubergine und Lostallo-Lachs auf ihre Chance lauern. Mit den Trinser Birnenravioli samt Käse und Schmelzzwiebeln waren wir sehr zufrieden, weil hier Würze und dezente Süsse ausgezeichnet zusammenfanden. Schweinebauch mit Chili-Mayo, Fenchelsalat und Rosmarinkartoffeln hätte dagegen ein wenig mehr Würze vertragen, war aber handwerklich einwandfrei zubereitet. Und der Riesling-Sylvaner von Fröhlich passte gar nicht schlecht. Über das Dessert breiten wir am liebsten den Mantel des Schweigens. Rhabarbermousse mit Rhabarberragout und caramelisierter weisser Schokolade und das zusätzlich bestellte hausgemachte Vanilleeis empfanden wir als misslungen: nicht locker, nicht vanillig, nicht balanciert. Es wurde umstandslos entfernt und von der Rechnung gestrichen. Nächstes Mal bestellen wir einfach eine Flasche 2013er Château d’Yquem. Die kostet hier nämlich nicht mehr als 389 Franken!