Neon-Raketen und Gitarren an der Decke, sehr bunte Bänke und gar prächtiger Marmorboden – fünf Jahre ist es her, dass der Immobilien-Entwickler Hermann Rauter das heruntergekommene Casino Zögernitz in Wien-Döbling neu entwickelte und dort auch ein Restaurant aufsperrte. »House of Strauss« nannte er das Ensemble als Gedenkort an die Strauss-Dynastie mit Ballsaal und Museum. Und weil zum Portfolio von Rauter auch der »Neusacherhof« am Kärntner Weissensee gehört, lag es nahe, den dortigen hochdekorierten Küchenchef Stefan Glantschnig auch mit der Entwicklung des Wiener Lokals zu betrauen. Seit Kurzem firmiert das unter »Simon«, weil als lokaler Koch Simon Steindl engagiert wurde – ein Mann mit vielfältiger Erfahrung in der Top-Gastronomie. Die kleine Karte ist im Stil der »Bistronomie« gehalten – Klassiker bekommen einen Twist. So ist das Beef Tatar dank geschmorter Paprikaemulsion ungewöhnlich cremig gehalten, das Nussbutter-Dotter thront obendrauf zum Selbermischen, gehobelter Parmesan umrundet das Fleisch. Ein optisch wie geschmacklich prächtiger Teller: gebeizte Gebirgsforelle mit eingelegter Ingwer-Birne in Vinaigrette vom Vogerlsalat und Schnittlauch. Dann ganz klassisch geschmorte Lammhaxe in rustikalem Kichererbsen-Paradeiserragout und Haselnüssen aus dem Piemont. Und für Freunde des kombinatorischen Experiments: ausgelöste, wirklich knusprige Freiland-Hendlkeule auf Spitzkraut, Fregola Sarda, Estragonöl und – Bouchotmuscheln. Einen viel weniger schrägen Gesamteindruck hinterlässt der wirklich schön »saftige« Orangenkuchen »by Simon« mit Vanille-Mascarpone und Orangengelee. Bei der noch eher kleinen Weinauswahl erfreut die trinkfreundliche Kalkulation.