Man braucht nur fünfzehn Autominuten von Salzburg mit seinen Touristenhorden und Mozartkugel-Diskontern ins absolute Idyll. Das ist in Gestalt des »Winding Guts« zwar schon seit 1392 oben am Bergheimer Voggenberg zu finden. Doch infolge rechtlicher Zwistigkeiten war der prächtige Ausflugsgasthof länger zu. Nun haben Christina und Fritz Rigele das Haus gepachtet. Die beiden betreiben im Winter das 4*Superior-Hotel »Rigele Royal« in Obertauern und frönen jetzt auch im Sommer der leidenschaftlichen Gastgeberei. Im Garten genießt man den Blick über den Flachgau gen Bayern. Das Innere trägt die Spuren mehrerer Umbauten, am besten biegt man gleich rechts in die historische Stube ab. Für Wanderer hält man »Knacker-Salat«, Jause »Vom Brett« mit hausgeräuchertem Speck oder Käsebrot bereit – mit gutem Bergkäse auf grandiosem Sauerteigbrot. Daneben sorgt Küchenchef Patrick Pass, der aus Obertauern hierher übersiedelt ist, für einfach gute Küche mit Niveau und kleinen Schlenkern ins feinere Fach. An der lauwarm marinierten Lachsforelle in nussbrauner Bio-Butter mit Ponzu, Chili-Mayo und Trüffelmiso könnte man nichts besser machen. Ganz schlicht und gut dagegen der frisch geräucherte Saibling mit Kräuterbutter und Kren. Oder die Bratwurst, um die Fritz Rigele kämpfen musste – ganz gegen die in Salzburg herrschende Religion dünner Würstel fand sich in Lochen am See dann doch ein Metzger, der sich erbarmte und dem Wirt eine schön dicke Wurst machte. Die Patisserie kanns auch: Tartelette mit Kirschen vom eigenen Baum muss sein. Angesichts der fein kuratierten und günstigen Weinkarte wäre ein Taxi ratsam. Und Bollinger unter 95 Euro kann man in Salzburg sonst eher lange suchen gehen.