Zuerst Metzgerei, dann Pop-up und jetzt fixes «Bistro und Saftladen»: Das «Lehmanns» serviert stetig wechselnde Marktküche, Naturweine und Cidres. Im Lokal, dessen weisse Kacheln an das frühere Dasein erinnern, geht es unkompliziert zu und her – Reservationen werden keine entgegengenommen, das Essen wird auf zusammengewürfeltem Geschirr aus dem Brockenhaus serviert. Küchenchef Florian Stalder bezieht Fleisch, Gemüse und Mehl von regionalen, biologischen Landwirtinnen und Metzgern. Wir starten an diesem Abend mit marinierten Oliven und hausgemachtem Brot mit Tsatsiki. Ein Blick in die Weinkarte mir knapp 100 Positionen enthüllt ein unkonventionelles Konzept: Die Tropfen sind nach Himmelsrichtung und Entfernung vom Restaurant geordnet. Ein Fokus liegt auf Weinen des Schweizer Winzerkollektivs Satellites of Love, weiter gibt es Cidres von Heftig Cidre und interessante alkoholfreie Alternativen wie eine herbe Cuvée Cassis oder ein zitroniges Hopfenwasser. Nebst Sardinen aus der Dose, Pickles, Charcuterie und Käse zum Apéro stehen rund zehn Gerichte zur Auswahl, die sich gut teilen lassen. Wir entscheiden uns für frittierte Quarkbällchen, die an einem fruchtigen Tomatenchutney serviert werden. Dazu eine Polenta mit reichlich Käse und gehackten Kräutern. Das Auberginen-Cordon-bleu, das am Nachbartisch serviert wird, sieht ebenfalls verlockend aus. Wir lassen aber noch etwas Platz fürs Dessert: eine Cremeschnitte, elegant aufgeschichtet aus Millefeuille, Beerenkonfitüre und Vanillefüllung, und ein ofenwarmes Clafoutis mit Mirabellen. Unser Fazit: Schlichte Gerichte, die schmecken und durch die Qualität ihrer Produkte überzeugen.