Der Gardasee ist der größte See Italiens.

Der Gardasee ist der größte See Italiens.
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Travelguide Gardasee

Wasser strahlt eine Magie aus, der wir uns kaum entziehen können. Wir geben Gourmet-Tipps für den Gardasee.

Der Gardasee ist ein See mit vielen Gesichtern. Während sich die Landschaft am trentinischen Nordufer fjordartig präsentiert und Surfer und Mountainbiker anlockt, fühlt man sich an der Südküste mit den flachen Sandstränden wie am Meer. Die Westseite ist geprägt von steilen Felswänden, an die sich Zitronengärten schmiegen. Entlang der Uferstraße auf der Ostseite liegen pittoreske Dörfer aufgereiht wie an einer Perlenkette. Abwechslungsreich wie die Landschaft ist auch die Kulinarik rund um den See und das Hinterland. Diese kulinarische Vielfalt ergibt sich durch die unterschiedlichen Küchen der Anrainerregionen: Trentino, Venetien und Lombardei.

Kulinarische Erinnerungen an die k. u. k. Monarchie

Nicht nur das Ambiente einiger Trattorien erinnert am trentinischen Ufer an österreichische Wirtshäuser, sondern auch so manches Gericht. Bis 1919 gehörte das Trentino zur k. u. k. Monarchie, und »canederli« (Knödel) oder »strudel di mele« (Apfelstrudel) sind kulinarische Erinnerungen. Eine italienische Knödelvariante sind die Spinat-Weißbrot-Gnocchi »strangolapreti« (Priesterwürger), die man sich keinesfalls entgehen lassen darf, ebenso wie »carne salada«, ein eingelegtes Rindfleisch, das roh wie Carpaccio oder geschmort serviert wird.
Besonders fein schmecken diese Spezialitäten im »Ristorante Acetaia del Balsamico«, mit einem atemberaubenden Blick auf Riva und den Nordzipfel des Gardasees. Der Name steht für das, was hier auch hergestellt wird, nämlich feinwürziger, jahrelang gereifter Aceto Balsamico, aber auch Käse, Würste, Wein und feinstes Olivenöl sind hausgemacht. Der Norden ist ein Eldorado für sportive Urlauber, und daher sind Gourmetrestaurants die Ausnahme, lediglich das »La Terrazza« in Torbole bietet eine moderne Fischküche, die auf traditionellen Rezepten basiert.

Leichte mediterrane Genüsse

Vom malerischen Malcesine über Peschiera bis nach Verona erstreckt sich der veronesische Teil des Sees. Fische aus dem Gardasee, Risotti mit Gemüse oder Fisch und die zarten Tortellini di Valeggio sind die kulinarischen Highlights. Unbedingt einplanen sollte man einen Ausflug nach Valeggio sul Mincio, nicht nur wegen des romantischen Mühlendorfs Borghetto, sondern um im Traditionsrestaurant »Alla Borsa« die berühmten Tortellini zu genießen. Täglich werden diese winzig-kleinen Kunstwerke von flinken Händen frisch zubereitet.
Ein Stadtbummel durch Verona gehört zu einem Gardasee-Urlaub wie das Bad im See. Feinschmecker zieht es ins Zwei-Sterne-Restaurants »Casa Perbellini«. Giancarlo Perbellini zaubert in seinem aparten Ristorante vor den Augen seiner Gäste raffinierte Gerichte, die niemals zu abgehoben sind. Sein Klassiker: knusprige Sesamwaffel mit Wolfsbarschtatar, Schnittlauch und einem Hauch Lakritze-Sirup.
Für Weinliebhaber ist eine Fahrt ins zauberhafte Weinbaugebiet Valpolicella, die Heimat des Amarone, ein Muss. In der »Trattoria alla Ruota« in Mazzano di Negrar verwöhnt Signora Lorenza mit heimischer Küche, der sie einen modernen Touch verleiht. Ehemann Stefano serviert den passenden Wein dazu.
Den größten Anteil am Seeufer hat die Lombardei, aber es ist nicht alleine die ­Größe, die für die kulinarische Vielfalt steht, vielmehr sind es die über Jahrhunderte wechselnden Besatzungen des Gebiets. So stehen im südlichen Teil, dort, wo Ende des 19. Jahrhunderts die großen Schlachten stattfanden, Pferdefleisch, unterschiedlich zubereitet, auf den Speisekarte.

Historisch geprägte Kulinarik und moderne Interpretationen

Heimische Gerichte, modern interpretiert, werden in der »Casa Leali« in Puegnago serviert. Erst seit einem Jahr verwöhnt der 23 Jahre junge Autodidakt Andrea Leali seine Gäste mit einer beachtenswerten Küche. Köstlich seine Version der traditionellen Ravioli auf Brescianer Art. Sie werden mit Brot gefüllt und auf saftigem Perlhuhn-Ragout angerichtet. Sein Bruder Marco kümmert sich mit viel Einfühlungsvermögen um die Weinberatung. Wenn man schon in Puegnago ist, sollte man einen Besuch beim Olivenölproduzenten Gianfranco Cominciolli einplanen.
Die bezaubernde Westküste ist seit Ende des 19. Jahrhunderts mondänes Urlaubsziel für Künstler und Wohlhabende. Bis heute gibt es hier die meisten Nobel­hotels und Sternerestaurants. Am längsten mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet (seit 1980) ist das Traditionsrestaurant »La Tortuga« in Gargnano, wo es Familie Filippini gelungen ist, heimische und internationale Küche perfekt zu vereinen.

Erschienen in
Falstaff Nr. 05/2018

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Monika Kellermann
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