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Softdrinks, Chips, Kekse: Studie vergleicht hochverarbeitete Lebensmittel mit Tabak

Wissenschaft
Fast Food

Softdrinks, Snacks und Fertigprodukte könnten gezielt zum Überkonsum verleiten. Eine Studie zieht Parallelen zur Tabakindustrie und plädiert für mehr Regulierung.

Softdrinks, Chips und Kekse gehören für viele Menschen ganz selbstverständlich zum Alltag. Doch was, wenn diese Produkte weniger mit normalem Essen gemeinsam haben, als wir denken? Eine neue Studie aus den USA zieht einen überraschenden Vergleich: Hochverarbeitete Lebensmittel sollen in ihrer Wirkung und Herstellung mehr Ähnlichkeit mit Zigaretten haben als mit frischem Obst oder Gemüse. Die Forschenden warnen vor gezielt entwickelten Konsumreizen – und fordern Konsequenzen für Politik und Regulierung.

Die Untersuchung wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Harvard University, der University of Michigan und der Duke University durchgeführt und Anfang Februar im Fachjournal Milbank Quarterly veröffentlicht. Demnach nutzen Hersteller hochverarbeiteter Lebensmittel – sogenannter Ultra-Processed Foods (UPFs) – gezielte »Engineering-Strategien«, die ursprünglich aus der Tabakindustrie bekannt sind. Ziel sei es, zwanghaften Konsum zu begünstigen.

Zu den UPFs zählen unter anderem Softdrinks, Tiefkühlpizzen, Müsli und anderes industriell hergestelltes Essen. Laut Studie werden diese Produkte so zusammengesetzt, dass sie optimale »Dosen« von Zucker, Fett, Salz und Zusatzstoffen enthalten, die gezielt Belohnungsmechanismen im Gehirn ansprechen. Die Autorinnen und Autoren beschreiben UPFs daher nicht als bloße Nahrungsmittel, sondern als »absichtlich entwickelte, hochgradig manipulierte und hedonisch optimierte Produkte« (im Original: »UPFs are not just nutrients but intentionally designed, highly engineered and manipulated, hedonically optimized products«).

Forderung nach strengerer Regulierung

Angesichts der gesundheitlichen Risiken empfehlen die Forschenden, hochverarbeitete Lebensmittel ähnlich zu regulieren wie Tabak. Vorgeschlagen werden unter anderem deutlichere Kennzeichnungen, höhere Steuern, Einschränkungen des Verkaufs in Schulen und Krankenhäusern sowie strengere Regeln für an Kinder gerichtete Werbung.

Ein zentraler Unterschied zu Tabak sei jedoch, dass Nahrung lebensnotwendig ist. Gerade deshalb, so die Studie, sei Regulierung besonders wichtig, da es für Verbraucherinnen und Verbraucher kaum möglich sei, sich vollständig dem modernen Lebensmittelangebot zu entziehen.

Hoher Konsum bereits im Kindesalter

Die Veröffentlichung folgt auf eine UNICEF-Studie, die im Dezember in The Lancet erschienen ist. Diese zeigte, dass in elf untersuchten Ländern bereits zwischen 10 und 35 Prozent der Kinder unter fünf Jahren regelmäßig gesüßte Softdrinks konsumieren. Rund 60 Prozent der Jugendlichen gaben an, am Vortag mindestens ein hochverarbeitetes Produkt gegessen zu haben. In wohlhabenden Ländern stammen laut der Studie mittlerweile mehr als 50 Prozent der täglichen Kalorienaufnahme aus UPFs. Gleichzeitig steigt der Konsum auch in ärmeren Ländern deutlich an.

Ob hochverarbeitete Lebensmittel tatsächlich mit Tabak gleichzusetzen sind, bleibt wissenschaftlich umstritten. Fest steht jedoch, dass ihr wachsender Anteil an der täglichen Ernährung – besonders bei Kindern und Jugendlichen – Fragen aufwirft, die über individuelles Essverhalten hinausgehen. Die Studie versteht sich daher vor allem als Aufforderung, die Rolle der Lebensmittelindustrie und politische Rahmenbedingungen neu zu bewerten.


Redaktion
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