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Warum Siegfried Wolf sein Traumweingut in der Südsteiermark verwirklichte, erzählt er im Gespräch mit Wein-Chefredakteur Peter Moser.

Warum Siegfried Wolf sein Traumweingut in der Südsteiermark verwirklichte, erzählt er im Gespräch mit Wein-Chefredakteur Peter Moser.
© Stefan Gergely | Assistenz: Roland Ferrigato

Steirischer Wein(t)raum: Siegfried Wolf im Falstaff-Talk

Domaine 1196
Weingut
Südsteiermark
Steiermark

Mit der Domaine 1196 eröffnete im Juni 2025 ein Weingutsprojekt, das in Österreich seinesgleichen sucht. Unweit von Gamlitz in der Südsteiermark hat Unternehmer Siegfried Wolf eine Weinkellerei errichtet, die – salopp gesagt – alle Stücke spielt. Mit Unterstützung führender Experten entstand ein State-of-the-Art-Weingut, das nur einem Ziel verpflichtet ist: Weine zu erzeugen, die ihre Herkunft und größtmögliche Trinkfreude perfekt vermitteln können.

Wer die neue Weinkellerei besucht, die auf der Ried Hoch Sernau bei Steinbach entstanden ist, wird beeindruckt sein. Es ist die Lage mit ihrem Rundumblick auf die wunderschöne südsteirische Weinlandschaft, die begeistert. Die Gebäude selbst sind behutsam und harmonisch in die Szenerie integriert, sie wirken dabei weder auffällig noch pompös. Die für die Bereitung bester Weine notwendigen Bereiche erstrecken sich über mehrere Etagen im Weinberg und bieten großzügigen Raum. Den Önologen steht hier alles zur Verfügung, was moderne Technik ermöglicht, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Auch in den bestens gepflegten Weingärten, wo die Basis für alle künftigen Weine gelegt wird, ist mit freiem Auge zu erkennen, dass Exzellenz an erster Stelle steht.

Der Unternehmer Sigi Wolf ist mit der Technik als Materie vertraut, denn sie begleitet ihn durch sein gesamtes, erfolgreiches Berufsleben. Überall spürt man gelebte Präzision – eine Qualität, die sich auch in den hier entstehenden Weinen widerspiegelt. Falstaff-Wein-Chefredakteur Peter Moser hat die Domaine 1196 anlässlich ihrer Fertigstellung besucht und die Gelegenheit genutzt, den vielbeschäftigen Unternehmer zum Gespräch zu bitten.


Falstaff: Herr Wolf, wenn man sich theoretisch jeden Spitzenwein der Welt leisten könnte, was bringt jemanden auf die Idee, ein eigenes Weingut zu erwerben? Es hat zwar eine gewisse Tradition, dass sich vermögende Weinliebhaber irgendwann einen Weinbaubetrieb leisten, aber die blicken meist in die Toskana, die Provence oder nach Bordeaux. Sie hingegen haben sich für die Steiermark entschieden. Warum das?

Siegfried Wolf (lächelt): Ich bin in Wilhelmsdorf in der Nähe von Bad Gleichenberg im Steirischen Vulkanland geboren, wo meine Eltern eine gemischte Landwirtschaft betrieben haben. Mein Vater hat in der Erntezeit als Lohndrescher in der Region gearbeitet und pflegte als Ausgleich einen kleinen Weingarten, nicht mehr als ein Joch groß. Ich hatte immer das Gefühl, dass ihm gerade diese Arbeit besonders am Herzen lag – ganz unabhängig davon, wie das Ergebnis ausfiel. Vielleicht ist so der innere Wunsch gereift, dass ich mir auch irgendwann einen Weingarten kaufe, wenn die Zeit und die richtige Gelegenheit dafür gekommen ist.

Wie kam es, dass Sie sich nun für dieses Projekt in Steinbach in der Südsteiermark entschieden haben?

Der Standort Steiermark war für mich keine Frage, das war immer schon mein Plan und als dieses ehemalige Weingut zum Verkauf stand, hat mich auch die grandiose Lage angesprochen. Von hier sehe ich an klaren Tagen bis ins oststeirische Vulkanland, wo mein Elternhaus steht. Und wer bitte, hat im flachen Bordeaux einen derart atemberaubenden 360°-Rundumausblick? In Sachen Rotwein, den ich persönlich auch sehr schätze, habe ich mir verschiedene Herkünfte angesehen. Als sich dann rund um Deutschkreutz die Gelegenheit ergab, allerbeste Rieden zu kaufen, konnte ich mir das nicht entgehen lassen. Und dass wir dann auch mit Albert Gesellmann einen wahren Könner für unser Rotweinprojekt gewinnen konnten, war natürlich ein echter Glücksfall.

Nun haben Sie hier ja nicht einfach ein herkömmliches Weingut gebaut, damit Sie hier Ihren privaten Konsum abdecken können. Entstanden ist in Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten ein ungewöhnlich vielschichtiges Unternehmen, das auch darauf ausgerichtet ist, ein bedeutendes Weinvolumen unter Idealbedingungen entstehen zu lassen.

Die Domaine 1196 ist in ihrer Gesamtkonzeption ein in die Zukunft ausgerichtetes Projekt. Wir glauben fest daran, dass der steirische Weißwein, allen voran der Sauvignon Blanc und die weißen Burgundersorten, ein großes Potenzial haben, so wie es auch der Blaufränkisch aus den Toplagen im Mittelburgenland hat. Diese neue Weinkellerei wurde so dimensioniert, dass sie nicht nur den Anforderungen der nächsten Jahre, sondern auch jenen der kommenden Jahrzehnte gerecht wird. Nicht nur die neueste Kellertechnologie und das Fassungsvolumen sind darauf ausgerichtet, auch dem Aspekt der Nachhaltigkeit wurde größte Bedeutung beigemessen. Dank verschiedener Systeme sind wir hier weitgehend energieautark, von Photovoltaik bis hin zu eigenen Kleinkraftwerken auf Basis erneuerbarer Brennstoffe werden künftig pro Jahr die Emissionen von rund 10.000 Pkws eingespart.

Wohin gehen Ihre Überlegungen, wie man – über die reine Weinqualität hinaus – der Steiermark, mit der Sie ja sehr verbunden sind, aber auch dem österreichischen Weinbau insgesamt zusätzliche Impulse verleihen kann?

Damit man sich in Zukunft auch international ein optimales Bild von der Südsteiermark und ihren tollen Weinen machen kann, werden wir unsere Domaine 1196 zu einem Ort der Begegnung ausbauen und für alle Interessenten öffnen. Hier wird nicht nur eine Infrastruktur in Form von Verkaufs- und Verkostungsmöglichkeiten sowie Gastronomie entstehen, wir werden auch Wohnungen für Praktikanten aus aller Welt anbieten, um umgekehrt Jungwinzer im Gegenzug in die weite Welt entsenden zu können. Wir denken auch an die Einrichtung einer Schule für Sommeliers aus aller Welt, die wir als Botschafter der steirischen Weinqualität gewinnen möchten.

Zum Abschluss möchte ich Sie fragen, wo ihre Präferenzen liegen, wenn einmal kein Wein aus den eigenen Rieden zur Verfügung steht. Schließlich sind Sie bekanntlich viel auf Reisen, was bestellen Sie dann bevorzugt?

Mir persönlich gefallen elegante Weine, wie der stoffige, aber nie zu laute Sauvignon Blanc Life from Stone vom südafrikanischen Weingut Springfield Estate oder der samtige rote Rubicon von Meerlust. Auch komplexe Rotweine aus Spanien begleiten mich schon lange. – Schmunzelt Wolf, dem ein Faible für Vega Sicilia aus Ribera del Duero nachgesagt wird.

Zur Person


Sigi Wolf
Siegfried Wolf hat als prominenter Unternehmer eine atemberaubende Karriere hingelegt. Der gebürtige Feldbacher startete mit einer Ausbildung zum Werkzeugmacher bei Philips in Wien, studierte berufsbegleitend am TGM Maschinenbau, kam über die Vereinigten Metallwerke Wien zur Hirtenberger AG, wo er als Werksdirektor und Gesamtprokurist schon in jungen Jahren große Verantwortung trug. Von 1995 bis 2010 war er für Frank Stronachs Magna-Konzern in verschiedenen Spitzenpositionen tätig, zuletzt als CEO von Magna International. Dazu kamen Aufsichtsratsmandate in zahlreichen in- und ausländischen Großunternehmen. Sigi Wolf baute sich als hervorragender Netzwerker sein eigenes Unternehmen auf, ist seit 2021 Alleineigentümer von Steyr Automotive, das knapp 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Oldtimer-Fan ist auch im Immobiliensektor erfolgreich aktiv, auch der Golfclub Fontana in Oberwaltersdorf gehört dazu. In Weikersdorf am Steinfelde in Niederösterreich betreibt Sigi Wolf eine Biolandwirtschaft und seit einigen Jahren hat auch sein Interesse am Weinbau deutlich an Fahrt aufgenommen. Seit 2020 ist die Domaine Wolf im Firmenbuch eingetragen. Im Juni 2025 wurde die Domaine 1196 offiziell eröffnet.

 

 

»Natur ist unser Taktgeber, Wissen unser Werkzeug.« Unter diesem Leitspruch ist bei der Domaine 1196 alles im Wandel: der Boden, die Reben, der Mensch – nichts bleibt, wie es...
Steinbach 35
8462 Gamlitz
Österreich
Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
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