Von Botticelli bis Bieber: So wurde der Pfirsich zur Pop-Ikone
Ende August hat der Pfirsich Hochsaison. Hochsaison in der Popkultur hat er schon lange. Wir haben uns angeschaut, warum der Pfirsich in der Kunst ein so beliebtes Stilmittel ist.
Der Pfirsich ist süß, saftig und zart – und irgendwie immer suggestiv. Von Renaissance-Gemälden bis hin zu Emojis reift seine Symbolik immer wieder neu und er ist der geheime Liebling der Popkultur.
Am 27. August wird in den USA der »National Peach Day« gefeiert. Gerade in den Staaten ist der Pfirsich die Hauptzutat vieler Desserts, wie etwa dem Peach Cobbler. Am bekanntesten ist der »Georgia Peach« aus dem gleichnamigen Südstaat – auch bekannt als der »Peach State«. Auch der Sänger Justin Bieber besingt in seinem Hit »Peaches« die Süße der Georgia Peaches.
Der Pfirsich als Muse
In der Kunstgeschichte galt er bereits früh als Symbol für Fruchtbarkeit und erotisches Begehren. Schon in der chinesischen Kultur stand der Pfirsich für Unsterblichkeit und Leben. Bei einem Besuch im Kunstmuseum wird man unweigerlich Pfirsiche auf Gemälden entdecken: In der europäischen Malerei taucht er in mehreren Stillleben und auch bei Botticelli auf, wo das weiche Fleisch und die samtige Haut an den menschlichen Körper erinnern.
Die Renaissance-Maler waren nicht die Letzten, die diese Parallele herstellten. Denn das Steinobst steht seit einiger Zeit auch für einen Körperteil, den es gar nicht selbst hat: nämlich den Po. Als Apple das Pfirsich-Emoji veröffentlichte, bemerkten iPhone-Nutzer:innen schnell die Ähnlichkeit zu einem Hinterteil. Dementsprechend groß war der Aufschrei, als das Emoji 2016 eine neue Form bekam – dieser Aufschrei war so laut, dass man zur Ursprungsform zurückkehrte.
Auch in Filmen und Serien erlebt der Pfirsich immer wieder seine Glanzmomente. Zuletzt in der Jugendromanverfilmung »The Summer I turned pretty «. Darin verzehrt Protagonistin Belly genüsslich einige Pfirsiche. In dieser Szene wird ihrem Begleiter Conrad klar, wie ernst seine Gefühle für Belly sind – sie ist nämlich eigentlich die Verlobte seines Bruders. Die treuen Fans der Serie haben unzählige Theorien zu dieser Szene, verkörpert sie doch auch den bittersüßen Übergang ins Erwachsenenleben. Und in Luca Guadagninos Film »Call Me by Your Name« geht die Intimität mit einem Pfirsich noch weiter: Die Szene, in der Elio das Obst zweckentfremdet, hat sich in das kollektive Popkulturgedächtnis eingebrannt.
Der Bellini, Lieblingsdrink der Stars
In der Barwelt kennt man den Pfirsich wiederum als Bellini: ein Mix aus weißem Pfirsichpüree und Prosecco. Um diesen Drink ranken sich einige Geschichten. Entstanden ist er in der »Harry’s Bar« in Venedig, wo er von Giuseppe Cipriani, erstmals gemixt wurde. Den Namen erhielt das Getränk, weil der leichte rosa-Ton Cipriani an Bellinis Gemälde erinnerte. Der Bellini errang schnell Kultstatus, da Persönlichkeiten wie Ernest Hemingway, Truman Capote und Orson Welles ihn gerne bestellten. Wer lieber keinen Alkohol mag: Pfirsich-Eistee ist in vielen Ländern die Geschmackssorte Nummer eins.
Pantone hat den Trend ebenfalls erkannt: »Peach Fuzz« wurde zur Farbe des Jahres 2024 gekürt. Der pastellfarbene Ton, soll Wärme und Weichheit ausstrahlen.
Und dann wäre da noch die Welt der Spiele. In Nintendos »Super Mario«-Universum ist Prinzessin Peach seit den 1980er-Jahren fester Bestandteil. Ihre rosafarbenen Gewänder und der Name greifen unbewusst auf die gleiche Süße, dieselbe Mischung aus Verletzlichkeit und Stärke zurück, die dem Pfirsich zugeschrieben wird.
Es ist diese Doppeldeutigkeit, die den Pfirsich so attraktiv macht: weich und doch symbolisch aufgeladen, süß und zugleich erotisch. Er findet in jeder Epoche neue Formen. Mal als Renaissance-Symbol, mal als Pop-Song, mal als Emoji.