»Bricks Collective«: Das gallische Dorf im norwegischen Monopolmarkt
Im staatlich geführten und monopolisierten Weinhandel Norwegens haben kleine Weingüter oftmals Schwierigkeiten, auf dem Markt Fuß zu fassen. »Bricks Collective« hat sich zum Ziel gesetzt, eine Gemeinschaft zu schaffen, die Produzent:innen und Weinliebhaber:innen sowie Wein und Kultur zusammenbringt.
Norwegen ist kein einfaches Pflaster für Wein. Alkoholwerbung ist verboten, der Verkauf an Privatkund:innen liegt in den Händen des staatlichen Vinmonopolet. Für kleine Weingüter gleicht der Markteintritt oft einem Hindernislauf aus Vorschriften, Logistik und Mengenvorgaben. Genau hier will »Bricks Collective« ansetzen – mit einer Idee, die Wein, Kultur, Unternehmertum und Gemeinschaft zu einem neuen Modell verbindet.
Neue Chancen für kleine Weingüter
Für Gründer William Paus ist Wein weit mehr als ein Getränk, das zudem Alkohol enthält, der reguliert gehört. Wein ist Ausdruck von Kultur und einer gemeinsamen Sprache, die Menschen verbindet. Die ursprüngliche Idee war aber nicht, einen weiteren Weinclub zu gründen. »Wir wollten Menschen mit einer echten Leidenschaft für Wein und Unternehmergeist zusammenbringen«, sagt Paus. Die Frage lautete: Wie lässt sich aus einer Gemeinschaft von Weinbegeisterten ein Modell schaffen, das wirtschaftlich funktioniert und gleichzeitig kleinen Produzent:innen neue Chancen eröffnet?
Die Antwort heißt »Bricks Collective«. Das Konzept verbindet Community, Unternehmertum und Weinhandel. Mitglieder werden nicht nur Teil eines Netzwerks, sondern Anteilseigner des Unternehmens. Sie erhalten Zugang zu ausgewählten Produzent:innen, Veranstaltungen, Reisen und Weinseminaren. Gleichzeitig sollen die Interessen der Community und des Unternehmens möglichst eng miteinander verknüpft werden.
»Der Aufbau einer Community ist für uns der entscheidende Faktor«, sagt Paus. Die Mitglieder sollen nicht nur konsumieren, sondern Empfehlungen aussprechen, Freunde zu Verkostungen mitbringen und gezielt nach den Weinen in Restaurants fragen. Aus dieser Dynamik soll Nachfrage entstehen – nicht durch Werbung, die hier ohnehin verboten ist, sondern durch Begeisterung. »So funktioniert unser Markt. Es muss ein Sog entstehen, der von den Konsument:innen ausgeht“, erklärt Paus. Wenn Gäste immer wieder nach denselben Weinen fragen, werden diese sichtbar.
Qualität & besondere Erlebnisse im Fokus
Tatsächlich könnte genau darin eine interessante Marktlücke liegen. Die Möglichkeiten klassischer Vermarktung sind in Norwegen stark eingeschränkt. Gleichzeitig wächst eine Generation von Konsument:innen heran, die reisefreudig, gut informiert und bereit ist, für Qualität und besondere Erlebnisse mehr Geld auszugeben. Sie möchte nicht einfach konsumieren, was verfügbar ist, sondern sucht das Besondere.
Langfristig will »Bricks Collective« weit über den Weinhandel hinausgehen. Denkbar sind Weinseminare, Keller- und Lagerlösungen, Reisen, kulturelle Veranstaltungen rund um Musik und Kunst sowie Kooperationen mit Gastronomie und Hotellerie. »Im Mittelpunkt steht das Interesse an Wein. Dazu kommen Kunst, Musik und Kultur. Wir wollen daraus Erlebnisse schaffen, die man nicht kaufen kann und die Menschen verbinden«, beschreibt Paus seine Vision.
Ob das Modell im großen Maßstab funktioniert, bleibt abzuwarten. Bemerkenswert ist die Idee allemal: In einem Markt, der von Regulierung, Standardisierung und großen Strukturen geprägt ist, entsteht hier gerade ein kleines gallisches Dorf, das sich dem entgegen stellt.