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Das «Hotel Coquillade Provence»

Das «Hotel Coquillade Provence»
Foto beigestellt

«Coquillade»: Luxus-Resort und Weingut im Herzen der Provence

Provence
Frankreich
Weingut
Hotel

Mitten im französischen Luberon erhebt sich das «Hotel Coquillade Provence» wie ein Dorf im Dorf: 69 Zimmer und Suiten, drei Restaurants, ein preisgekröntes Spa – und ein Weingut, das für die Region neue Massstäbe setzt.

Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, als Andy Rihs den verwunschenen Weiler im Südosten Frankreichs entdeckte, der heute das «Hotel Coquillade Provence» beheimatet. Ein idyllisches Anwesen im Herzen des Naturparks Luberon, unweit der Ortschaft Gargas, das auf einem Hügel mit Blick über die Rebberge, Wälder und Lavendelfelder der Region thront. Rihs, bekannt als Hörgeräte-Pionier, Radsportmäzen und Besitzer der Velomarke BMC, erwarb den Komplex im Jahr 2006, liess ihn umfassend restaurieren und zu einem Luxus-Resort transformieren. 2008 eröffnete das Resort, 2011 folgte der fünfte Stern, 2015 das 1500 Quadratmeter grosse Spa mit umfangreichem Wellness-Angebot – heute das Herzstück des Komplexes. Ein weiteres Highlight ist das hauseigene BMC Cycling Center, in dem Radsportbegeisterte Rennräder, Mountainbikes und E-Bikes ausleihen können – der legendäre Tour-de-France-Berg Mont Ventoux ist nur knapp 25 Kilometer entfernt.

Nach Rihs Tod im Jahr 2018 übernahmen seine beiden Söhne Tobias und Oliver die Leitung des 69 Zimmer und Suiten umfassenden Resorts und verliehen ihm eine neue Handschrift. Unter ihrer Regie wurde es internationaler, weltoffener und künstlerischer. Auch kulinarisch hat das Coquillade einiges zu bieten: drei mediterrane Restaurants, mehrere Bars und sogar ein eigenes Weingut, die Domaine de la Coquillade.

Domaine de la Coquillade

Für Frank John ist die Domaine de la Coquillade, deren Rebberge sich zur Hälfte direkt um das Resort befinden, ein lebendiges Labor. Der deutsche Önologe aus der Pfalz berät das Weingut seit einigen Jahren und begleitet die Umstellung auf biodynamischen Anbau. «Sobald man höher geht, beginnt die Magie, dort findet man die roten, eisenhaltigen Böden, die so typisch für die Region sind», berichtet er beim Spaziergang durch die Rebzeilen. Eisenreiche Böden intensivieren seiner Erfahrung nach den Eindruck der Säure im Wein, der dadurch frischer schmeckt.

Bei den Rebsorten ist das Weingut mit Syrah, Grenache und ein wenig Mourvèdre im roten sowie dem klassischen Rhône-Satz im weissen Bereich eher klassisch aufgestellt. Doch John und das Coquillade-Team um Kellermeisterin Aurélie Julien brechen diese Linie auf und blicken in die Zukunft. «Wir sind die ersten hier, die mit Piwis arbeiten», berichtet John. Also mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, die mit minimalem Pflanzenschutz auskommen. «Für ein Hotel ist das entscheidend. Wer möchte als Gast schon morgens beim Frühstück den Traktor im Weinberg erleben? Mit Piwis reichen zwei bis drei Behandlungen pro Jahr – das ist eine Win-Win-Situation für Natur, Gäste und Winzer.»

Nachhaltigkeit und Zukunft

Der Klimawandel ist eine grosse Herausforderung in der Region. «Mit nur 430 Litern Jahresniederschlag ist das Gebiet für Weinbau eigentlich zu trocken», berichtet John. Die Antwort liegt in einem durchdachten Ökosystem: «Wir arbeiten mit Luzerne und Esparsette, die runter auf 2,50 Meter gehen. Aber auch mit gezielten Mykorrhiza-Impfungen, um Letztere zu etablieren.» Die Pilz-Wurzel-Partnerschaften sind überlebenswichtig: «Die Pilze sind quasi an den Wurzeln angedockt und stellen eine Art Verlängerung der Rebwurzel dar.» Hierdurch können die Reben an Wasser aus Bodenbereichen gelangen, das die Pflanzenwurzeln alleine nicht erreichen könnten und die Trockenheitsresistenz wird gesteigert.

Biodiversität ist überhaupt ein zentrales Stichwort auf der Domaine de la Coquillade. Im Winter ziehen Schafe durch die Rebberge, liefern wertvollen Dünger, und oberhalb der Rebparzellen stehen Bienenstöcke. «Insekten sind essentiell für unsere Spontangärung», so John. «Die Hefen, die wir brauchen, überwintern im Gedärm von Wildbienen. Sie kommen nur, wenn die Begrünung blüht. Ohne Blüten keine natürliche Gärung.»

Weine mit Charakter

Auch im Keller weht frischer Wind: Neben Stahl und Holz kommen Beton und sogar tonnenschwere Keramik-Eier zum Einsatz. Die bereits erwähnte Spontanvergärung ist Standard, genauso wie der Respekt vor den natürlichen Rhythmen. «Eine gute Spontangärung drückt den Jahrgang aus – und genau das wollen wir», sagt John. Produziert werden auf der Domaine drei klar definierte Qualitäten. Die einfachste namens Aphélie bleibt in der Region, Elyo und Coquillade hingegen gehen in den Export. Besonders auffällig ist die den Weinen eigene Frische. Sie basiert weniger auf Säure, als auf einem salzigen Eindruck, der den Weinen zusätzliche Länge verleiht. Die Frische braucht es auch in einer Region, die so stark von Trockenheit und Hitze geprägt ist.

Coquillade ist mehr als ein Hotel mit Weingut – es ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Tradition und Innovation, Nachhaltigkeit und Luxus eine harmonische Symbiose eingehen können. Wer hier zu Gast ist, erlebt nicht nur die Provence in ihrer schönsten Form, sondern wird Teil einer Vision, die weit über gewöhnliche Gastlichkeit hinausgeht.

ZUM TASTING


 

Dominik Vombach
Dominik Vombach
Chefredaktion Schweiz
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