Last Minute Now: Reiseziele für Kurzentschlossene
Wenn sich der Sommer dem Ende zuneigt, beginnt in vielen Reisezielen erst die schönste Zeit – von der rauen Atlantikschönheit der Azoren bis hin zu den sattgrünen Vulkanlandschaften der Kapverden oder den windumtosten Kykladen. Zehn Last-Minute-Ziele für einen unvergesslichen Urlaub.
Slowenien
Slowenien ist ein Geheimtipp, der keiner mehr sein sollte. Während anderswo die Sommersaison ausklingt, zeigt sich das kleine Land zwischen Alpen und Adria von seiner feinsten Seite: Das Licht wird weicher, die Wälder beginnen zu leuchten und auf den Märkten türmen sich Pflaumen, Steinpilze und Kürbisse. Die Temperaturen bleiben angenehm – ideal zum Wandern in den Julischen Alpen, für Radtouren durchs Soča-Tal oder zum Schwimmen im smaragdgrünen Bleder See.
Ljubljana, die charmante Hauptstadt, pulsiert im Spätsommer noch voller Leben und entlang der Weinrouten von Goriška Brda bis Štajerska beginnt die Lesezeit – perfekt für kulinarisch Reisende.
Wer tiefer eintauchen will, sollte den Nordosten besuchen: Prekmurje, das sanft-hügelige slowenische Grenzland zu Ungarn, verführt mit warmen Thermalquellen, kunstvollen Töpferdörfern und einer Küche, die geprägt ist von Mohn, Buchweizen und Gans. Direktflüge nach Ljubljana gibt es unter anderem von Wien, Zürich, München und Frankfurt.
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober
Sizilien
Zwischen August und Oktober entfaltet Sizilien eine betörende Magie, die den Spätsommer verlängert und den Herbst wie ein Versprechen wirken lässt. Die Hitze des Hochsommers weicht sanften Temperaturen, das Meer bleibt badewarm, aber die Touristenmassen dünnen sich aus. Weinernte, Feigen, Mandeln, Oliven – der Süden Italiens wird zur sinnlichen Bühne für Genießer. Barocke Städte wie Noto oder Ragusa glänzen im warmen Licht, Palermo pulsiert im eigenen Takt, während Ätna und Madonie Wanderer locken. Sizilien vereint Wildheit und Raffinesse, Kultur und Natur, Mythos und Gegenwart.
Für Reisende aus dem DACH-Raum gibt es zahlreiche Direktflüge – ab Zürich, Wien, München, Frankfurt, Berlin oder Düsseldorf – nach Palermo oder Catania. Besonders reizvoll: eine Route von West nach Ost oder umgekehrt – mit Mietwagen und Muße.
Wer einmal in einer sizilianischen Trattoria frischen Ricotta mit Honig probiert hat, während am Horizont die Sonne glutrot ins Meer sinkt, der weiß, dass Genuss auch eine Frage des Timings ist. Und zwischen August und Oktober ist die Zeit in Sizilien goldrichtig.
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober
Bulgarien
Zwischen Schwarzmeerküste, Rhodopen und Donautiefland präsentiert sich Bulgarien als Land voller Kontraste. Goldene Strände wie in Albena oder im Badeort Sonnenstrand erinnern an Kindheitsurlaube mit Sandburgen und Eiskugeln für 30 Cent. Doch heute ist alles etwas feiner geworden: Kleine Boutiquehotels ersetzen Plattenbauten, fangfrischer Fisch und Naturweine bereichern die Speisekarten, Yoga bei Sonnenaufgang ist ebenso möglich wie ein Glas Rakija bei Sonnenuntergang.
Auch abseits der Küste lockt Bulgarien: Die Hauptstadt Sofia begeistert mit entspanntem Flair, römischen Ruinen und einer kreativen Gastro-Szene; Wanderer zieht es ins Rila- oder Pirin-Gebirge mit ihren wilden Seen und uralten Klöstern.
Im Herbst beginnt im Thrakischen Tiefland die Weinlese – ideal für Genießer. Bulgarien ist nostalgisch und neu zugleich, oft unterschätzt, selten überlaufen – und ideal für alle, die das Gefühl von »wie früher« suchen, ohne auf Komfort zu verzichten.
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober
Kanaren
Wenn Mitteleuropa friert, blüht auf den Kanaren das Leben: Bei 20 bis 25 Grad, mit Sonne satt und frischer Atlantikluft sind die sieben spanischen Inseln vor der Küste Afrikas ein ideales Ziel zum Überwintern – nicht zu heiß, nicht zu kalt, einfach genau richtig. Geformt aus Magma erzählen sie vom vulkanischen Ursprung der Welt: Schwarze Lavastrände auf Lanzarote, bizarre Felsformationen im Nationalpark El Teide auf Teneriffa, dichte Lorbeerwälder auf La Gomera oder die wilden Schluchten von Gran Canaria – die Landschaften sind hier dramatisch, kraftvoll und doch beruhigend schön.
Wer bleibt, bleibt aktiv: Surfen, wandern, Rad fahren, Yoga oder einfach nur den Tag bei einem Glas Malvasía-Wein und frischem Fisch ausklingen lassen. Und selbst der Winterregen – wenn er denn fällt – dauert selten länger als einen Nachmittag.
Direktflüge gibt es ganzjährig von zahlreichen Städten im deutschsprachigen Raum – etwa nach Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura.
Beste Reisezeit: April bis Juni und Oktober bis November
Amalfiküste
Hier scheinen Dörfer über dem Meer zu schweben, Wege führen durch Bougainvillea-Tunnel und jeder Blick aus dem Fenster wirkt wie ein Gemälde. Wer im späten Frühjahr oder frühen Herbst kommt, erlebt die Amalfiküste in einem magischen Gleichgewicht: das Meer noch warm, die Sonne milde, die Besucherzahl überschaubar. Häuser wachsen aus Felsen, Zitronenhaine stürzen sich in Terrassen Richtung Meer, Kirchen thronen über Buchten, die so türkis sind, dass man kaum an Realität glaubt.
Kulturell gleicht sie einem Schmelztiegel der Jahrhunderte: byzantinische Mosaike, arabisch-normannische Architektur, venezianische Einflüsse. Amalfi war einst Seerepublik, heute ist es stiller Zeuge einer großen Vergangenheit.
In Ravello trifft man Musik, in Positano Eleganz, in Minori den Geschmack des Südens – handgemachte Pasta, gebackene Zitronenblätter, Wein aus steilen Lagen.
Direktflüge, etwa von München, Zürich, Wien, Frankfurt oder Berlin, bringen Reisende nach Neapel. Wer mit dem Auto anreist, folgt der Route über Südtirol – vorbei an Florenz oder Rom – und erreicht die Küste nach einer landschaftlich eindrucksvollen Fahrt durch Kampanien.
Beste Reisezeit: Mai bis Juni und September bis Oktober
Zypern
Olivenhaine und Orangenplantagen, orthodoxe Klöster und Minarette, türkische Teehäuser und griechische Tavernen – alles auf einer Insel, die zwischen Orient und Okzident pendelt. Obwohl das mehrheitlich griechisch geprägte Zypern zu den kleinsten Staaten der EU zählt, hat kaum ein anderes Land eine so bewegte Geschichte: von mykenischen Siedlern über römische Provinz, byzantinische Hochburg und Kreuzritterstützpunkt bis zur britischen Kolonie – und seit 1974 geteilt in einen griechischen Süden und einen von der Türkei besetzten Norden.
Mit ihrer Lage ist die Insel Schnittstelle zwischen Afrika, Asien und Europa. Bis heute lebt sie von diesen kulturellen Einflüssen, die sich in Architektur, Küche und Lebensgefühl spiegeln. Zyperns Strände reichen von wilden Buchten bei Akamas bis zu goldenen Sandabschnitten bei Ayia Napa – oft menschenleer im Herbst, mit kristallklarem Wasser bis in den November hinein.
Direktflüge aus dem DACH-Raum gehen nach Larnaka oder Paphos – von dort aus entfaltet sich ein Ort der Mythen, der Widersprüche und der stillen Schönheit.
Beste Reisezeit: März bis Mai und September bis Anfang November
Kapverden
Die Kapverdischen Inseln sind ein Archipel der Kontraste: vulkanisch, windumtost und archaisch. Wer im europäischen Herbst dorthin reist, betritt eine andere Welt – eine, die sich weder Afrika noch Europa eindeutig zuordnen lässt.
Nur sechs Flugstunden entfernt erwartet einen ein Archipel, in dem jede Insel ihren eigenen Charakter hat: Santo Antão mit steilen grünen Tälern und Zuckerrohrplantagen, Fogo mit seinem majestätischen Vulkan, Boa Vista mit ockerfarbenen Sanddünen, São Vicente mit kolonialer Melancholie und der weltoffenen Hafenstadt Mindelo. In den Bars erklingt Mornasängerin Cesária Évora bis heute – und wer mit Einheimischen tanzt, versteht: Hier ist das Leben ein Rhythmus. Wandern, surfen, Fisch essen, Märkte durchstöbern.
Von Frankfurt, Lissabon, Zürich oder München gibt es Direktflüge, meist nach Sal, Boa Vista oder Santiago. Zwischen Oktober und März ist das Klima ideal: trocken, warm, mit einer sanften Brise. Die Farben leuchten, das Meer bleibt badewarm. Wer ursprüngliche Kultur, starke Landschaften und das Gefühl von Freiheit sucht, wird sich hier verloren fühlen – im besten Sinne.
Beste Reisezeit: Oktober bis März
Azoren
Die Azoren sind kein klassisches Sonnenziel, sondern ein Archipel für Entdecker. Vulkane, Wasserfälle, Teeplantagen, schwarze Lavastrände und azurblaue Kraterseen wechseln sich ab. São Miguel fasziniert mit thermischen Quellen und smaragdgrünen Seen, Pico erhebt sich mit seinem 2.351 Meter hohen Vulkan aus dem Meer, Faial glänzt mit maritimer Geschichte und der berühmten Seglerkneipe »Peter Café Sport«.
Anders als das mediterrane Portugal wirken die Azoren fast nordisch – kühler, mystischer, mit einer Melancholie, die unter die Haut geht. Hier wachsen Hortensien an den Straßenrändern wie anderswo Unkraut und Kühe weiden vor dampfenden Kratern. Wer zwischen Mai und Oktober kommt, erlebt die neun Inseln in ihrer vollen Vielfalt – sattgrün, wolkendurchzogen und lebendig.
Direktflüge, etwa von Frankfurt, München oder Zürich, bringen Reisende nach Ponta Delgada auf São Miguel oder über Lissabon zu den anderen Inseln. Wer den Lärm der Welt für eine Weile hinter sich lassen will, ist hier am Ziel seiner Träume.
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober
Kroatien
Kroatien ist längst kein Geheimtipp mehr – aber dennoch voller Überraschungen. Wer zwischen Mai und Oktober reist, erlebt die Adriaküste von ihrer schönsten Seite: Das Wasser schimmert türkis und lädt mit idealen Badetemperaturen zum Eintauchen ein, Zypressen säumen die Hänge und in den Gassen duftet es nach Lavendel, gegrilltem Fisch und Meer.
Zwischen Istrien und Dubrovnik reiht sich eine Perlenkette aus über tausend Inseln – einige mondän wie Hvar, andere wild und still wie Vis oder Mljet. Im Hinterland öffnen sich Weinberge, Olivenhaine und Dörfer, in denen das Leben noch im Takt der Jahreszeiten spielt.
Kulturell spannt sich der Bogen von römischen Amphitheatern über venezianische geprägte Altstädte bis zu brutalistischen Bauwerken aus der Zeit Jugoslawiens.
Direktflüge aus dem DACH-Raum – etwa von Wien, München, Zürich, Frankfurt oder Berlin – führen nach Split, Dubrovnik, Zadar oder Pula. Wer mit dem Auto reist, nimmt die Alpenroute über Slowenien und erreicht die Küste nach wenigen Stunden.
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober
Kykladen
Die Kykladen sind eine Verheißung aus Licht, Wind und weiß getünchter Zeitlosigkeit. Wer zwischen September und Oktober dorthin reist, begegnet der Ägäis in ihrer schönsten Form: Die Hitze des Sommers ist gewichen, das Meer bleibt warm, die Inseln atmen auf. Santorin glüht im Abendlicht, Paros zeigt sich entspannt und windstill, auf Naxos duften die Berge nach Thymian und gebackenem Stein. Wer über alte Maultierpfade wandert, in einer Tavernenküche frisch gebackenes Brot mit Oregano kostet oder morgens in der Bucht von Koufonissi badet, der wünscht sich, die Zeit möge stillstehen – garantiert.
Jede Insel hat ihren eigenen Rhythmus. Mykonos mag glitzern, Amorgos schweigt. Und über allem liegt dieser Wind – mal flüsternd, mal fordernd.
Von Wien, München, Zürich oder Frankfurt gibt es Direktflüge nach Athen oder Santorin; von dort geht es per Fähre weiter durch das glitzernde Inselreich.
Wer klare Formen liebt, das Einfache schätzt und Schönheit sucht, die nicht laut sein muss, wird auf den Kykladen das Wesentliche finden.
Beste Reisezeit: Mai bis September