Mit 26 Jahren Hoteldirektor: Ferry Wey führt drei Luzerner Häuser
Mit 26 Jahren übernimmt Ferry Wey die operative Verantwortung für drei Luzerner Boutique-Hotels: das «Hotel Beau Séjour», die «Villa Maria» und das «Hotel Schlüssel». Begonnen hat er in ersterem als Praktikant an der Rezeption. Heute steht sein Werdegang exemplarisch dafür, wie ein junger Hoteldirektor in seine Rolle hineinwächst – und wie eine neue Generation ihren Weg geht.
Als sich die Initianten Manuel Berger und Walter «Willy» Willimann 2024 aus dem operativen Alltag zurückziehen, vertrauen sie Ferry Wey ihre kleine Luzerner Hotelwelt an. Dazu gehören das «Hotel Beau Séjour», die «Villa Maria» und das «Hotel Schlüssel» samt Restaurant. Das «Beau Séjour» kennt Wey bereits aus seiner Zeit als Praktikant an der Rezeption. Als Hoteldirektor prägt Wey heute das Unternehmen mit einer Führungsart, die nah am Team bleibt, Gastfreundschaft im Alltag lebt und dort mit anpackt, wo es nötig ist.
Den Grundstein für diese kleine Hotelwelt legten Berger und Willimann 2018 mit der Übernahme des «Beau Séjour». Das grösste der drei Häuser lebt als «Le Petit Grand Hotel» von Belle‑Époque‑Charme, bunten Tapeten und knarzenden Treppen. 2022 kam mit der «Villa Maria» eine zweite Adresse hinzu: kleiner, reduzierter, mediterraner, mit Murano‑Glas und Vintage‑Leuchten, die an «La Grande Bellezza» erinnern. 2024 folgte mit dem «Hotel Schlüssel» ein weiteres Haus am Franziskanerplatz: eines der ältesten Häuser Luzerns, bewusst reduziert und als Ort gedacht, an dem man einkehrt, zur Ruhe kommt und die Geschichte des Hauses spürt.
Ein Weg aus der Praxis
Weys beruflicher Werdegang ist vielseitig geprägt. Nach seiner Kochausbildung arbeitete er in der Spitzengastronomie. Anschliessend wirkte er an der Neuausrichtung eines Eventlokals mit und absolvierte die Hotelfachschule Luzern. Seine letzte Station führte ihn schliesslich zu Coop, wo er spannende Einblicke in die Gastronomiebetriebe des Grosskonzerns gewann. Während seiner Ausbildung an der Hotelfachschule Luzern absolvierte er 2019 ein Praktikum an der Rezeption des «Beau Séjour» und blieb dem Haus seitdem eng verbunden. Als die Besitzer dann einige Jahre später eine operative Nachfolge suchten, sahen sie in Wey den passenden Kandidaten. Für Wey war damals sofort klar: «Das ist der Traum!». Doch der Einstieg in die neue Rolle begann nicht mit einer ruhigen Übergabe, sondern mit einem Start unter Hochdruck.
Der Sprung ins kalte Wasser
Als Wey Anfang April 2024 offiziell antritt, bleibt kaum Zeit zum Ankommen. Die Übernahme des «Hotel Schlüssel» zieht sich länger hin als erwartet, zugleich muss das Haus inklusive Restaurant und komplett neuem Team innert weniger Monate aufgebaut werden. Was folgt, ist Improvisation unter Hochdruck. «Es war wirklich wilder Westen von Tag eins», sagt Wey lachend. Im zweiten Jahr wurden die Abläufe greifbarer, das Team eingespielter und Missverständnisse wurden seltener. Wey erinnert sich: «Es hat schon ein Jahr gedauert, bis alle mich genau kannten und umgekehrt auch.»
«Ein Hoteldirektor lebt vor»
Genau aus dieser Anfangszeit heraus wird deutlich, was für ein Hoteldirektor Wey heute ist: keiner, der bloss Hände schüttelt oder sich über Distanz definiert, sondern einer, der durch die Flure läuft, auf Details achtet, mit anpackt und auch mal selbst einen Kaffee für die Gäste zubereitet. «Ein Hoteldirektor lebt vor», so beschreibt er seinen Führungsstil.
Besonders deutlich wird diese Haltung, wenn Wey über Boutique-Hotellerie spricht. Für ihn ist ein Boutique-Hotel mehr als nur ein schön eingerichteter Ort. Es braucht einen roten Faden, Eigenständigkeit und das Gefühl, dass sich jemand wirklich etwas dabei gedacht hat. Auch in den drei Luzerner Häusern zeigt sich dieser Anspruch, etwa in den eigens gestalteten Möbeln des Designers Daniel Hunziker oder in der zeitgenössischen Kunst von Nina Stähli, die jedes Hotel individuell kuratiert.
Ein Hotel ist ein Gefühl
Bei den Gästen beobachtet Wey, dass «instagrammable» durchaus eine Rolle spielt. Ein besonderer Raum oder ein Detail, das im Gedächtnis hängen bleibt und auf Fotos gut zur Geltung kommt, kann den ersten Eindruck prägen. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass ein gelungener Aufenthalt weit über die optische Wirkung eines Hotels hinausgeht. Für Wey ist entscheidend, ob ein Haus Haltung zeigt und ob Gäste spüren, dass Atmosphäre, Menschen und Details zusammenspielen.
Auch privat bleibt Wey diesem Blick treu. Kürzere Reisen plant er bewusst rund um Hotels und Restaurants. Sein persönlicher Hoteltipp ist der «Tuba Club» bei Marseille. Wey klickt sich durch Booking, Google Maps, Blogs und Instagram und liest zwischen den Bildern. Nicht schöne Fotos allein interessieren ihn, sondern Häuser, bei denen man spürt, dass sie mit Sorgfalt gestaltet sind. Denn Hotels sind für Wey vor allem eines: ein Gefühl. Vielleicht liegt genau darin auch sein Blick auf die Zukunft dieser Art von Hotellerie – weg vom Oberflächlichen, hin zu mehr Haltung, Nähe und Gespür für das, was einen Ort wirklich ausmacht.