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© World Living Soils Forum

Philippe Schaus: »Die Landwirtschaft kann zur Lösung von Umweltproblemen beitragen«

Moët Hennessy
Interview

Moët Hennessy-CEO Philippe Schaus über die Gründe, warum sein Unternehmen nun schon zum zweiten Mal den Kongress »World Living Soils Forum« veranstaltet hat.

Falstaff: Nach dem riesigen Erfolg des »World Living Soils Forum« vor zwei Jahren veranstaltet Moët Hennessy die Tagung nun zum zweiten Mal, und in Kooperation mit ChangeNOW. Seit der ersten Konferenz vor zwei Jahren scheint sich das politische Klima aber verändert zu haben. Zumindest in Deutschland erlebt man immer häufiger, dass der Klimawandel in Frage gestellt wird.

Philippe Schaus: Ist das so? Vielleicht nehmen manche Leute eine anti-Establishment-Haltung ein und stellen es darum in Frage. Aber wir sollten den Klimawandel auch nicht als etwas Lineares ansehen. Natürlich gibt es regnerische und kühle Phasen, und das Ausmaß der Wetterphänomene schwankt und kann je nach Ort sehr unterschiedlich sein. Aber das ändert nichts am allgemeinen Trend. Wir können beobachten, wie der Klimawandel voranschreitet.

Sie stellen mit dem Format dieser Konferenz den Boden und das Bodenleben ins Zentrum. Das kommt einem gar nicht als Erstes in den Sinn, wenn man an Probleme des Klimawandels denkt.

Weil es sich um eine stille Krise handelt. Sie wird auch in den Medien so gut wie nie erwähnt, wenn von global warming oder Nachhaltigkeit die Rede ist. Dabei sind Böden so zentral, sie speichern und filtern Wasser, nähren Flora und Fauna, sind die Grundlage der menschlichen Ernährung, sie binden CO2. Und doch stehen wir am Rand einer großen Krise: Die FAO (Food and Agriculture Organization, Anm.) schätzt, dass weltweit 40 Prozent aller Böden zu unterschiedlichen Graden negativ verändert sind: erodiert, verschmutzt, versalzt, oder sie leiden an einem Verlust ihrer Biodiversität.

Es scheint, als habe die Politik aber nicht mehr die Kraft, darauf zu reagieren.

Das ist genau der Grund, warum wir hier sind und dieses Forum organisiert haben. Wir, die wir in Landwirtschaft und Weinbau tätig sind, sind uns all dieser Probleme bewusst und reduzieren seit langem unseren ökologischen Fußabdruck in unseren Weinbergen. Darüber hinaus und als Teil der Lösung wenden wir regenerative Praktiken seit einigen Jahren an. Gerade wir Großen müssen vorangehen und Partnerschaften branchenübergreifend knüpfen, um Erfahrung auszutauschen, mit Forschern, Startups und Mitbewerbern. Meinungsumfragen zeigen, dass das Vertrauen der Menschen in Regierungen nachlässt, aber das Vertrauen der Menschen in die Industrie wächst. Es sind die Unternehmen, die etwas bewegen können. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir nicht nur die Risiken sehen, sondern auch die Chancen.

Was sind für Moët Hennessy die nächsten Schritte?

In unserem Modell gibt es eigene Weinberge und Traubenlieferanten. Die eigenen Weinberge bewirtschaften inzwischen 80 Prozent unserer Maisons herbizidfrei. Wir investieren auch kräftig in Agroforesterie – also in das Brechen der Monokulturen durch das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern. 50 Prozent unserer Weingüter haben regenerative Praktiken in ihre Arbeitsroutinen integriert. Wir sind noch weit davon entfernt, perfekt zu sein – aber wir erproben und lernen ständig neue Praktiken weltweit.

Und die Traubenlieferanten?

Viele Menschen denken, die kleinen Landwirte arbeiten mit natürlicheren Methoden als die Großen. Jedoch, als großes Unternehmen stehen wir unter Beobachtung, und wir haben die Mittel, um Umweltstandards zu implementieren und durchzusetzen. Und der nächste Schritt ist dann: Wir können wir die Berufsverbände mitnehmen? Wie davon überzeugen, unserem Vorbild zu folgen? Wenn wir gute Resultate haben mit Agroforesterie oder mit der Zwischenbegrünung in Weinbergen, dann werden die anderen das auch machen. Dann haben wir etwas erreicht für die ganze Region, sei es für die Champagne, Cognac, jedes andere Weinbaugebiet und darüber hinaus.


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Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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