Restaurant der Woche: »Votum«
Im niedersächsischen Landtag geht es nicht nur politisch zur Sache – ein Stockwerk unter dem Plenarsaal regiert Küchenchef Benjamin Gallein mit seiner prämierten Fine-Dining-Kunst im »Votum«. Zwei Sterne funkeln über seiner kreativen Hochküche, die mit mutigen Kombinationen und klarem Ausdruck überzeugt.
Man könnte meinen, die Niedersachsen nehmen die Sache mit dem Essen richtig ernst, denn im Landtag in Hannover darf sich das Volk ein Stockwerk unter dem Plenarsaal an wagemutiger Hochküche erfreuen. Zwei Sterne hat das Restaurant »Votum«, regiert von Küchenchef Benjamin Gallein, der seit Jahren in der Region die Karten der Fine-Dining-Szene mitgestaltet. Ermüdung scheint bei dem Koch nicht in Sicht, im Gegenteil: Mit jedem Jahr werden seine Kreationen klarer im Ausdruck, die Menüs sauberer in ihrer Gesamtkomposition.
Gallein lässt Karottencreme und Zwiebelchutney in süßer Einigkeit verschmelzen, bringt selbst Gegensätzliches wie Blutwurst und Rauchaal harmonisch zueinander, ohne dass ein Lebensmittel in seinem Wesen verbogen würde. Pure Tellerdiplomatie – das ist es, was hier passiert. Wie sonst könnte eine Crème brûlée von der ungestopften Gänseleber (abgeschmeckt mit Schweineblut, Espresso und Kakao) mit süß-würzigem Rhabarber-Shiso-Eis eine derartige Ausdrucksstärke bekommen, wenn nicht alle Zutaten im selben Ziel vereinigt würden: Genuss! Kunterbunt in puncto Textur und Aromen ist die mit hauchzartem, krossem Engelshaar umwickelte Spargelstange mit fruchtiger Sauce Maltaise und Hummer.
Gastgeber und Sommelier Jonas Gohlke vermittelt zwischen Essen und Wein, hat junge und gereifte Tropfen im Programm. Sogar eine Premium-Weinreise (von Egon Müller bis Chateau D’Yquem) gibt es. Und um das ganze Volk abzuholen, wird neuerdings ein Drei-Gänge‑Menü für 99 Euro geboten. Hier wird also gemacht, nicht geredet – und das im Landtag.
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