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© Roland Graf

Single Malt von 1948? Bourbon aus 1916? Im »Potstill-Tresor« lagern sie alle!

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Seit Jahrzehnten gilt das Wiener Fachgeschäft »Potstill« – auch mit Eigenimporten – als wichtige Adresse für alle Whisk(e)y-Freunde. Mit dem eigenen Raritäten-Kabinett alias »der Tresor« macht man Sammlern nun noch längere Zähne.

Mittlerweile kann man durchaus von Generationen von Whisk(e)y-Liebhabern sprechen, die ihre Sozialisation im »Potstill« erfahren haben. Und mittlerweile trägt das 1992 von Dr. Mario Prinz gegründete Mekka für Malt und Co. die dritte Adresse: Nach Strozzigasse und Laudongasse ist es nun die Währinger Straße, in der sich 1.200 Abfüllungen, darunter rund 1.000 schottische, versammeln. »Wir haben hier fünf Mal so viel Platz wie früher«, zeigt sich Geschäftsführer Roland Grain entsprechend stolz. Der eigene Kostraum und die Whisky-Academy im Kellergeschoss waren bisher die Highlights.

Dritte Adresse und größte Regal-Fläche

Mit der Eröffnung des »Wiener Whisky Tresors« stellt man diese Rückzugsräume im Zeichen des »Lebenswassers« locker in den Schatten. In einem eigenen Raum mit Chesterfield-Sesseln und Meter-hohen Regalen in Edelholz lagern die seltensten Flaschen von »Potstill«. Darunter befindet sich eine kleine Flasche, die vor 109 Jahren (!) produziert wurde. »Old Grand Dad« aus den USA ist aber nicht nur Brennjahrgang 1916, sondern erzählt auch Spirituosengeschichte. Denn mit dem Verkauf in der Prohibitionszeit trägt sie auch das einzige Etikett, das damals Alkoholverkauf ermöglichte: ein medizinisches Attest, das zum Führen des Whiskeys berechtigte.

Natürlich werden auch Scotch-Fans bei historischen Abfüllungen fündig. Ob 1948 oder 1972, viele Jahrgänge sind als – äußerst exklusive – Geburtstagsgeschenke verfügbar. »Wie in einem Museum«, so Shop-Mitarbeiterin Nadine treffen, reihen sich etwa Glen Avon (1953), Caol Ila (1966) oder Balblair (1973), um nur ein paar der gesichteten Single Malts zu nennen, hinter Kordeln und Glas auf. Teuerstes Angebot im Tresor ist aktuell eine Serie aus neun »Longrow«-Abfüllungen, in denen sich auch die gesuchte »First Distillation Last Cask« findet – der Erstling des getorften Campbeltown-Whiskys. »Da liegen wir bei 69.000 Euro«, so Roland Grain.

Ein Coup mit dem »House of Hazelwood«

Der »Potstill«-Chef hatte aber noch ein weiteres Highlight vorzustellen. Eine eigene Ecke im neuen Tresor widmet sich dem »House of Hazelwood«. Für diese exklusive Marke, von der auch Kenner oft noch nichts gehört haben, hat eine besondere Geschichte. Sie stellt die privaten Bestände, oft auch experimentelle Whiskys, dar, die von der Eigentümer-Familie von »William Grant« (Glenfiddich, Balvenie oder Kininvie) für den privaten Gebrauch zurückgelegt wurden. Benannt ist sie nach dem Wohnhaus von Janet Sheed Roberts, der Enkelin von Firmengründer William Grant. Sie starb als älteste Schottin 2012 mit über 110 Jahren.  Vor allem Charles Grant Gordon (1927-2013) trug zur Sammlung bei, deren Einzelfass-Abfüllungen zwischen 33 und 56 Jahren alt sind.

Andy Bell als Repräsentant des »House of Hazelwood« war nicht zufällig auch für eine Verkostung nach Wien gekommen. »Wir sind der erste nicht firmeninterne Importeur dieser Whiskys«, überraschte Roland Grain die Eröffnungsgäste im »Whisky Tresor«. Und er sprach gleich eine Einladung für Juni an alle Sammler aus: Dann eröffnet die Ardgowan Distillery in den Lowlands, an deren Eröffnung er maßgeblichen Anteil hatte. An Nachschub – auch für die Regale außerhalb des Raritäten-Tresors – mangelt es im »Potstill« also auch im vierten Jahrzehnt nicht.


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