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Le Montrachet

Le Montrachet
Foto beigestellt

Vignobles des Cabottes: eine Neugründung aus langer Traditionslinie

Weinhandel
Burgund
Frankreich

Der Händler Alpina importiert die ersten Weine des neuen Superpremium-Burgunderprojekts von François Pinault (Château Latour). Falstaff konnte bereits einen Teil des Sortiments verkosten.

Burgunderkennern ist das Haus Bouchard Père seit jeher vertraut: Die weißen Etiketten mit ihrem schlichten Schriftzug fand man in den vergangenen Jahrzehnten vor allem im Lebensmitteleinzelhandel. Und oft standen sie eher für die Malaise des Weinhandels in Burgund als für Tiefgang und Komplexität: Wer auf Traubenlieferanten angewiesen ist und von ihnen größere Mengen kaufen möchte, stößt gerade bei heiklen Rebsorten wie Pinot noir und Chardonnay schnell an qualitative Grenzen.

Dabei nennt Bouchard schon seit dem 19. Jahrhundert einen bedeutenden Weinbergsbesitz sein Eigen – zuletzt waren es etwa 100 Hektar, gespickt mit vielen Parzellen in Grands und Premiers Crus. Die Weine aus der Domäne, also aus diesen eigenen Weinbergen, die von eigenen Teams bewirtschaftet werden, überragten auch schon früher qualitativ das Handelssegment. Allerdings blieben sie trotz allem hinter den Kelterungen der besten Weingüter zurück. Seit 2023 wird das ganze Ensemble nun komplett neu aufgestellt.

Der Grund: ein Eigentümerwechsel. Bouchard wurde von François Pinault übernommen: ein Unternehmer, der als viertreichster Franzose gilt und nicht nur durch den von ihm beherrschten Luxusgüterkonzern Kering (unter anderem mit Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent) bekannt ist, sondern auch als Kunstsammler, als Inhaber des Auktionshauses Christie’s – und als Eigentümer von Château Latour in Pauillac. Gerade sein Wein-Engagement hat Pinault in den vergangenen zwei Jahrzehnten systematisch ausgebaut: An der nördlichen Rhône erwarb er den Solitär Château-Grillet und führte das namhafte, mit einer eigenen AOC ausgestattete Gut zu neuen Höhen. An der Côte de Nuits zögerte Pinault nicht zuzugreifen, als sich durch das frühe und unerwartete Ableben des Winzers Philipp Engel die Gelegenheit ergab, diese Domäne mit ihren Top-Weinbergen zu erwerben. Wenige Jahre später fügte er auch die Domaine Clos de Tart mit ihrer als Monopol bewirtschafteten Grand Cru-Lage hinzu.

Ähnlich wie Pinault seit dem Jahr 2005 die Domaine Engel zur »Domaine d’Eugenie« umformte, wird nun mit den besten Teilen Bouchards etwas Ähnliches passieren. Pinault stoppte nach der Übernahme von Bouchard in kürzester Zeit alle Handelsaktivitäten. Fortbestehen wird nur derjenige Teil der Produktion, der aus eigenen Weinbergen stammt. Und auch dieser wird geteilt: Die besten Einzellagen werden nun in eine neu gegründete, eigenständig operierende Domaine, die Domaine des Cabottes, überführt. Momentan werden zwar auch diese Weine noch am Stammsitz in Beaune vinifiziert, doch François Pinault hat inzwischen das Château de Puligny-Montrachet erworben und ist nur dabei, dort eine eigene Kellerwirtschaft für die Domaine des Cabottes errichten zu lassen. Der Plan ist, dass schon der Jahrgang 2027 dort vinifiziert werden soll.

Die Maßzahlen der neuen Domaine 

Benannt ist die Domaine des Cabottes nach den kleinen Weinbergshäuschen (»Cabottes«), die in vielen Burgunder-Weinbergen zu finden sind. Derzeit gehören diesem Weingut 34 Hektar an (die anderen 65 Hektar im Besitz werden auch in Zukunft ein Bouchard-Etikett tragen). Plan ist, die Domaine des Cabottes auf eine Größe von etwa 40 Hektar zu entwickeln, gerade konnte auch schon ein kleines Stückchen Bâtard-Montrachet erworben werden. Mit dem Erwerb von Bouchard ließ Francois Pinault auch eine Umstellung einleiten, die er bereits nach dem Kauf von Château Latour mit großem Erfolg implementiert hatte: nämlich die Konversion hin zu biologisch-dynamischer Bewirtschaftung. Der Jahrgang 2025 wird der erste sein, der als zertifiziert biodynamischer Jahrgang in den Verkauf gelangt.

Bei der Verkostung eines kleinen Ausschnitts aus dem Cabottes-Sortiment und aus dem ersten Jahrgang 2023 wird der Betriebsstil in Umrissen erkennbar: Gegenüber früheren Bouchard-Zeiten haben die Weine deutlich an Dichte und mineralischem Ausdruck hinzugewonnen. Wenn es auch hier und da noch am letzten Quäntchen Präzision fehlt (namentlich die Cortons beider Farben wirken nicht ganz auf der Höhe des Anspruchs), so ist doch der erste Jahrgang neuer Zeitrechnung als großer Erfolg zu werten. Mit dem 2023er Chevalier Montrachet ist dem Weingut ein großer Wurf aus einem durch die Klimabedingungen komplizierten Jahr gelungen. Der rote Premier Cru Vigne de l’Enfant Jésus (aus einer besonders flachgründigen, Kalk-geprägten Parzelle der Lage Grèves in Beaune) überragt die anderen Roten an mineralischem Tiefgang – und steht exemplarisch für das Potenzial, das in dieser Domäne schlummert. Der Weinberg befindet sich übrigens seit dem Jahr 1791 im Besitz von Bouchard. Diese lange währende und so bedeutende Tradition erlebt jetzt, so scheint es, eine sehr bedeutende Revitalisierung – und eine Fortführung unter neuem Namen.

ZUM TASTING DER DOMAINES DES CABOTTES


 

Uli Sauter
Autor
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