Zum Inhalt springen
© Shutterstock (Symbolbild)

Warum Geschenke zum Vatertag oft so schwierig sind

Vatertag
Geschenktipp

Socken, Bierglas oder Grillzange? Zum Vatertag landen viele Geschenke in denselben Kategorien. Ein Konsumpsychologe erklärt, warum das kein Zufall ist.

Der Vatertag ist ein Anlass, Väter, Grossväter, Partner oder andere Vaterfiguren mit einer persönlichen Aufmerksamkeit zu überraschen. In der Praxis fällt die Wahl jedoch nicht immer leicht. Laut einer Untersuchung von YourSurprise gemeinsam mit Konsumpsychologe Tom van Bommel liegt das nicht zwingend an mangelnder Kreativität der Schenkenden, sondern an der Art, wie Geschenkkategorien kulturell geprägt sind.

Van Bommel weist darauf hin, dass bestimmte Produktgruppen gesellschaftlich stärker mit Geschenken verbunden werden als andere. Bei Geschenken für Frauen gebe es mehr Kategorien, die automatisch als geeignet wahrgenommen würden – etwa Schmuck, Pflegeprodukte, Blumen, Duftkerzen, Accessoires, Wellness oder Einrichtungsgegenstände.

Kulturell geprägte Geschenk-Ideen

Bei Geschenken für Männer wird hingegen häufig auf eine kleinere Auswahl zurückgegriffen. Laut Van Bommel liegt das auch daran, dass bestimmte Kategorien über Jahre hinweg ein klares Image aufgebaut haben. Wenn Werbung für Parfüm, Mode oder Pflegeprodukte beispielsweise lange Zeit vor allem Frauen anspricht, prägt dies die öffentliche Wahrnehmung einer ganzen Produktgruppe. Auch wenn das Angebot für Männer wächst, werden sie beim Schenken oft weniger selbstverständlich mitgedacht.

Auch YourSurprise hat dieses Muster im Kundenverhalten erkannt. Laut Gerbrand Verton, Mitgründer von YourSurprise, greifen Kunden bei Präsenten für Männer häufiger auf eine überschaubarere Auswahl an Produkten zurück. Beliebte Optionen sind etwa personalisierte Schlüsselanhänger, Schokolade, Mauspads oder Bücher.

Die Untersuchung deutet somit nicht darauf hin, dass Männer grundsätzlich schwerer zu beschenken wären. Vielmehr zeigt sie, dass die im Alltag als naheliegend geltenden Auswahlmöglichkeiten ungleich verteilt sind. Entscheidend ist also weniger die Person, die beschenkt wird, sondern das kulturelle Umfeld, in dem Geschenkideen entstehen.

Hobbies mit hohem Fachwissen

Ein weiterer Faktor ist laut Van Bommel die Rolle von Interessen und Hobbys. Viele Freizeitbereiche, die bei Geschenken für Männer häufig eine Rolle spielen, seien technisch, sportlich oder spezialisierten Produktwelten zuzuordnen. Als Beispiele nennt er Radsport, Gaming, Audio, Kaffee, Fitness, Fotografie, Uhren oder Grillen.

In solchen Bereichen kennen sich Nutzer oft sehr gut aus. Sie wissen, welche Produkte zu ihren Ansprüchen passen, welche Marken sie bevorzugen oder welche Ausstattung sie bereits besitzen. Für Schenkende kann das die Auswahl erschweren, vor allem dann, wenn sie selbst keinen vertieften Zugang zu dem jeweiligen Hobby haben.

Van Bommel erklärt, dass diese Kategorien stark vom Fachwissen der nutzenden Person geprägt seien. Wer ein Geschenk kauft, ohne selbst mit dem Thema vertraut zu sein, habe daher schneller das Gefühl, eine falsche Wahl treffen zu können. Bei symbolischen, dekorativen oder sinnlichen Geschenken sei diese Schwelle geringer, weil dort weniger eindeutig zwischen «richtig» und «falsch» unterschieden werde.

Preis als weiterer Faktor

Hinzu kommt laut Van Bommel, dass viele technische oder sportliche Artikel vergleichsweise teuer sind. Dadurch bleibt innerhalb eines bestimmten Budgets weniger Spielraum zum Ausprobieren. Wer unsicher ist, ob ein Produkt wirklich den Vorlieben der beschenkten Person entspricht, entscheidet sich deshalb eher für vertraute oder allgemeinere Geschenkideen.

Die Untersuchung zeigt damit vor allem eines: Die Schwierigkeit beim Vatertagsgeschenk entsteht nicht allein aus individuellen Vorlieben, sondern aus gesellschaftlich gelernten Mustern, Produktimages und unterschiedlich stark etablierten Geschenkbereichen. Wer ein persönliches Geschenk sucht, muss deshalb oft nicht grösser denken, sondern genauer: Welche Interessen hat die konkrete Person? Welche Kategorien wurden bisher vielleicht übersehen? Und welche Aufmerksamkeit passt wirklich zu ihr – unabhängig davon, was traditionell als typisches Geschenk gilt?


Redaktion
Mehr zum Thema
1 / 12