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© Barberyn Ayurveda Resorts

Wie läuft eine Ayurveda-Kur in Sri Lanka wirklich ab?

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Ich wollte zum Jahresende einfach nur abschalten – und fand mich von Kopf bis Fuß in Öl getränkt in einem Ayurveda-Resort in Sri Lanka wieder. Wie es ihnen dort gelang, das schier Unmögliche zu schaffen und mein Gedankenkarussell auszuschalten: Ein Selbsttest.

An Tag drei bin ich mir fast sicher, dass sie mir heimlich Drogen verabreichen. Selbst wenn ich mich anstrenge, an zu Hause, die Arbeit und die kleinen oder größeren Probleme des Alltags zu denken – meine Gedanken können sich auf nichts anderes fokussieren als auf das Hier und Jetzt. In meinem Kopf herrscht eine angenehme Stille, wie ich sie noch nie erlebt habe. Und allein dafür war jede Minute der rund 20-stündigen Anreise wert. Gleich vorweg: Ich bin dafür weder in den Amazonas gereist noch habe ich mir Ayahuasca einflößen lassen.

Stattdessen habe ich eine einwöchige Ayurveda-Kur in Sri Lanka gemacht. Zugegeben: Mir ging es vor allem um ein bisschen Ruhe zum Jahresende, um Abschalten, ein paar Massagen. Auch wenn man sich schnell von der Vorstellung verabschieden sollte, dass es sich um einen klassischen Wellnessurlaub handelt. Dass die ganzen Tränke, Tees und natürlichen Medikamente eines der ältesten Gesundheitssysteme der Welt tatsächlich etwas bewirken könnten, habe ich ehrlich gesagt nicht wirklich geglaubt – und wurde eines Besseren belehrt.

Pionier des Ayurveda-Tourismus

Bei meiner Recherche vorab stieß ich immer wieder auf den Namen Barberyn, nicht zuletzt, weil die Resort-Gruppe kürzlich mit dem Präsidentenpreis für den besten Exporteur im Bereich Gesundheit und Wellness ausgezeichnet wurde – der höchsten nationalen Auszeichnung für Unternehmer, die zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beitragen. Barberyn ist außerdem eine familiengeführte Gruppe und gilt als Pionier des Ayurveda-Tourismus in Sri Lanka. 1984 eröffneten sie ihr erstes Resort, heute gibt es vier Häuser entlang der Südküste. Ich entscheide mich für eine Woche im jüngsten Hotel der Familie, dem »Barberyn Waves«, das sich die Anlage mit dem Schwesterresort »Beach« am Rand von Weligama teilt – rund drei Autostunden südlich des Flughafens.

Was ist Ayurveda?

Ayurveda bedeutet im Sanskrit »Wissenschaft vom Leben«. Das über 5.000 Jahre alte Medizinsystem stammt aus Südasien und versteht Gesundheit als Gleichgewicht von Körper, Geist und Umwelt. Statt Symptome isoliert zu behandeln, sucht Ayurveda nach deren Ursache – und setzt auf Ernährung, Lebensstil, Pflanzenmedizin, Massagen und Reinigung, um dieses Gleichgewicht wiederherzustellen.

Ayurveda ist keine Wellnesslehre, sondern ein traditionelles Medizinsystem, das bis heute praktiziert wird.

Mein erster Tag beginnt mit Sunrise Yoga. Ich stelle fest: 6 Uhr ist mir dafür schlicht zu früh – quälen soll man sich im Urlaub schließlich nicht. Auch wenn der Blick über die Anlage hinweg aufs Meer so beeindruckend ist, dass ich kaum wage, die Augen noch einmal zu schließen.

Danach wartet ein reichhaltiges sri-lankisches Frühstücksbuffet, das ich noch in vollen Zügen genießen darf, bevor mögliche »Verbote« greifen. Neben einer großen Obstauswahl gibt es Currys, Gemüse, Reis, verschiedenste Nüsse, aber auch hausgemachte Marmeladen, Chutneys, Crêpes, Toast und Quark – für all jene, die am frühen Morgen lieber auf Vertrautes »Kolonialisches« zurückgreifen. Kleine Schilder erklären zudem, wofür die einzelnen Zutaten laut Ayurveda-Lehre gut sein sollen.

Was manche hart treffen dürfte: Kaffee sucht man im gesamten Resort vergeblich. Er bringt die sogenannten Doshas aus dem Gleichgewicht, wie ich später erfahre. Dafür gibt es reichlich Tee mit angeblich ähnlicher wachmachender Wirkung. Auch meine geliebte Ananas fehlt – in Asien schmeckt sie schließlich besser als zu Hause. Ihr Bromelain gilt als reizend für den Körper, was dem Ziel der Kur entgegensteht.

Die Zungendiagnose

Vor meiner ersten Konsultation bleibt Zeit für einen Spaziergang durch die Anlage mit zwei Meerwasserpools – einer davon groß genug zum Bahnenziehen – und direktem Strandzugang. Auf dem Weg begegnen mir Pfauen, Affen und Stachelschweine, zu denen man besser Abstand hält. Am sogenannten Coconut Beach, einem echten Geheimtipp, treffe ich statt Touristen vor allem Einheimische, die auf ihren Stockkonstruktionen im Meer oder von Felsen aus fischen. Ein paar Meter weiter lassen sich verlässlich wildlebende Schildkröten beobachten, die Seegras fressen. Ich werde ihnen im Laufe der Woche stundenlang zusehen.

Bevor Dr. Kosala mich in ihr Sprechzimmer bittet, werde ich gewogen – die Chancen, hier ein paar Kilo zu verlieren, stehen auch ohne strikte Diät nicht schlecht. Während sie leise Sanskrit-Verse aufsagt, misst sie meinen Puls; den Blutdruck ganz klassisch mit Stethoskop. Bis dahin habe ich wenig Neues über mich erfahren. Wirklich überrascht bin ich erst, als sie meine Zunge begutachtet und daran das ein oder andere Problemchen erkennt. Die Zungendiagnose, Jihva Pariksha, gilt als zentraler Bestandteil jeder Ayurveda-Konsultation und gibt Hinweise auf Verdauung, Stoffwechsel und Krankheitsneigung. Meine erste Aufgabe: gründlicher reinigen, regelmäßig mit Salz gurgeln.

Eine ölige Angelegenheit

Es folgen Fragen zu Kindheit, körperlicher Entwicklung, Krankheiten, Psyche, Schlaf, Energie und Lebensstil, um meine Prakriti (Grundkonstitution) zu bestimmen und Vikriti (aktuelle Ungleichgewichte) zu erkennen. Ich bin ein Pitta-Kapha-Typ, diese beiden Doshas sind bei mir von Natur aus dominant – Vata und Pitta aktuell erhöht. Ziel der Kur ist es, alle drei Doshas ins Gleichgewicht zu bringen – damit Körper, Geist und Stoffwechsel harmonisch funktionieren. Das gelingt vor allem über Ernährung und Lebensstil. Daran werden wir in den kommenden Tagen arbeiten.

Die drei Doshas – Vata, Pitta, Kapha

Im Ayurveda bestimmen drei Lebensenergien, sogenannte Doshas, unsere körperliche und mentale Veranlagung:

  • Vata (Bewegung, Nervensystem)
  • Pitta (Stoffwechsel, Hitze, Verdauung)
  • Kapha (Stabilität, Struktur, Immunsystem)

Jeder Mensch trägt alle drei in sich, meist in individueller Gewichtung. Beschwerden entstehen laut Ayurveda dann, wenn dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht gerät – etwa durch Stress, falsche Ernährung oder Lebensgewohnheiten.

Für eine klassische Panchakarma-Kur mit Fastentagen und intensiven Ausleitungen fehlt mir die Zeit – unter zwei Wochen wird sie ohnehin nur selten angeboten. Stattdessen werden mir einzelne Elemente »verschrieben«. Dr. Kosala reicht mir ein großes blaues Tuch, in das ich eingewickelt eine halbe Stunde später wieder erscheinen soll. Darunter trage ich nur eine Unterhose, die am Ende der Woche im Müll landen kann, so ihr Rat. Rund zweieinhalb Stunden später weiß ich, warum.

Zwei Frauen stellen sich als meine Masseurinnen für die Woche vor. Es folgt eine einstündige Synchron-Abhyanga – eine Ganzkörper-Ölmassage mit vier Händen. Wegen meiner trockenen Augen bekomme ich zusätzlich Augentropfen, deren Farbe mir kurz Angst macht. Das angekündigte Brennen hält etwa zehn Sekunden an – wenn es hilft. Von Kopf bis Fuß eingeölt geht es weiter ins »Dampfbad«: ein Topf unter einer Massage-Liege, über dem ich zehn bis fünfzehn Minuten inhaliere.

Auf die nächste Station, den sogenannten Herbal Garden, habe ich zunächst wenig Lust. Dreißig Minuten still liegen, während warme Kräutertinkturen um meinen Körper gewickelt werden und mir eine undefinierbare Paste auf den Kopf geklatscht wird, stelle ich mir wenig entspannend vor. Das Ambiente hat mit »Garden« außerdem wenig zu tun, genauso wie die Geräuschkulisse. Und doch wird diese Station zu meiner liebsten. Als jemand, dem es schwerfällt, tagsüber zu schlafen, erscheinen mir 30 Minuten anfangs endlos. Auch meine Liegennachbarin beschwert sich. Spoiler: Weder sie noch ich bekommen eine kürzere Anwendung – und das ist auch gut so!

Bevor ich gebadet werde, ja, richtig gelesen, muss ich mich unter der Dusche selbst mit einem leichten Peeling von den Rückständen der letzten Stunden befreien. Am Körper einfach, bei meinen langen Haaren eine Geduldsprobe. Noch Tage später bürste ich Pflanzenfasern heraus. Das Öl gänzlich aus Kleidungsstücken zu entfernen ist schier unmöglich. Danach liege ich in einer warmen Wanne, werde immer wieder mit Wasser übergossen und fühle mich unweigerlich wieder wie ein kleines Kind im positivsten Sinne.

Hilfreiche Gedanken

Kurz vor 14 Uhr verlasse ich das Medical Center mit gemischten Gefühlen. Einerseits bin ich im Urlaub, andererseits soll ich die nächsten Stunden alles meiden, was mit Wasser oder Sonne zu tun hat, da mein Körper und meine Poren »offen« sind und besonders intensiv auf solch äußere Reize reagieren könnten. Und dann ist da noch der Gedanke, wie luxuriös all das ist in einem Land, in dem sich das kaum jemand leisten kann. Beim Lunch spreche ich darüber mit einer Mitreisenden. Sie ist 73 Jahre alt und zum vierten Mal hier. Ihr Rat: das Ganze wirklich als Kur betrachten. Auch in Deutschland kümmern sich dabei über Wochen hinweg Menschen darum, dass es einem wieder gut geht. Dieser Gedanke hilft.

Heilung und Prävention

Ayurveda verfolgt zwei zentrale Ziele:

  • Beschwerden und Krankheiten zu lindern
  • Gesundheit langfristig zu erhalten und das Immunsystem zu stärken

Behandelt werden unter anderem stressbedingte Erschöpfung, Schlafstörungen, Haut- und Verdauungsprobleme sowie chronische Beschwerden. Gleichzeitig hat Ayurveda einen stark präventiven Ansatz: Reinigung, Regeneration und Verjüngung sollen helfen, langfristig gesund zu bleiben. Schnelle Wunderheilungen sollten nicht erwartet werden.

Auf meinem Tisch liegt nun ein Kärtchen mit Speisen und Getränken die mir zu den einzelnen Mahlzeiten gereicht werden, zusätzlich darf ich mich morgens und mittags frei am Buffet bedienen. Eine Kanne Tee zu jeder Mahlzeit ist obligatorisch – insgesamt 2,5 bis 3 Liter Flüssigkeit, überwiegend warmes Wasser, das mir in Thermoskannen aufs Zimmer gebracht wird, soll ich täglich trinken. Mittags bekomme ich ein kleines Schälchen Cunuwila Curry, gekocht aus einem lokalen Heilkraut, das entzündungshemmend wirken und mein Pitta senken soll. Dazu gibt es Hibiskuswasser. Mehr erklärt mir die Ärztin, die bei jeder der Mahlzeiten als Ansprechpartnerin bereitsteht, nicht.

© Barberyn Ayurveda Resorts

Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt

Generell lautet die oberste Regel: Vertrauen. Das gilt besonders für die Tränke, Tabletten und Pulver, die alle aus natürlichen Zutaten im hauseigenen Institut für Ayurveda und Alternativmedizin hergestellt werden. Was genau darin steckt, kann man in Workshops erfahren. Nach dem Mittagessen hole ich meine Tagesration bei Dr. Kosala ab – inklusive Einnahmeplan.

Den Nachmittag verbringe ich aufgrund des (Sonnen-)Badeverbots lesend auf dem Balkon, bevor um 17 Uhr Sunset Yoga ansteht. Eine halbe Stunde vor dem Abendessen trinke ich erstmals ein undefinierbares Gebräu. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Gleiches gilt für das viergängige Abendessen: keine kulinarische Offenbarung, aber zufrieden ist man allemal.

Ernährung

Ernährung ist in laut Ayurveda kein Nebenschauplatz. Lebensmittel werden nach Geschmack, Wirkung auf die Doshas, Verdauungskraft und Jahreszeit beurteilt. Während einer Kur beraten Ärzte oder Ernährungsberater bei jeder Mahlzeit, welche Speisen unterstützen – und welche gemieden werden sollten. Ziel ist nicht Verzicht, sondern Ausgleich.

Um 20 Uhr folgt eine geführte Meditation, danach ein letztes Pulver, das meinen Schlaf verbessern soll.

Den Reset-Knopf gedrückt

Abgesehen davon, dass ich mich dazu entscheide, die Sonne zu genießen, wenn sie sich zeigt – Wartezeit hin oder her –, verlaufen meine Tage ähnlich. Während ich mir an Tag zwei noch unschlüssig bin, ob ich die Kur zwei Wochen lang durchhalten könnte, erlebe ich an Tag drei einen regelrechten Wendepunkt. Es fühlt sich an, als hätte jemand einen Reset-Knopf in meinem Kopf gedrückt.

Eine Bildschirmzeit unter 30 Minuten und viele Bücher gehören für mich zu jedem Urlaub, dafür muss ich nicht nach Sri Lanka fliegen. Aber diese Tiefe der Entspannung kenne ich nicht. Ich komme zu dem Schluss, dass es an der Kräuterpaste im Herbal Garden liegen muss. Denn, egal wie sehr ich mich bemühe, in dieser Zeit nicht einzuschlafen – ich falle jedes Mal nach nur wenigen Minuten in eine Art Trance. Und sie hält an.

Ich bin, wie man so schön sagt, tiefenentspannt. Ein Gefühl, von dem ich nicht gedacht hätte, dass es überhaupt existiert. Hätte mir das jemand vorher erzählt, ich hätte es für zu schön gehalten, um wahr zu sein. Allein dafür hat sich der Aufenthalt gelohnt.

Die oberste Regel: Vertrauen

Zusätzlich unterziehe ich mich einer kleinen Darmreinigung, einem medizinischen Öl-Einlauf (halb so wild), und einer klassischen Kopfbehandlung (Thalam). Am Ende der Woche fühle ich mich insgesamt besser – was letztlich genau das Ziel von Ayurveda ist.

Ob das zu Hause ohne tägliche Anwendungen auch funktioniert, kann jeder selbst herausfinden. Medikamente für einen Monat bekommt man kostenlos mit, ebenso Empfehlungen zur Ernährung. Ob es nun die Restentspannung ist oder tatsächlich die Mittel – dass mir das Abschalten zu Hause leichter fällt, stelle ich nicht weiter infrage. Ich folge einfach der obersten Regel: Vertrauen. Zu verlieren hat man nichts. Für mich war es jedenfalls nicht die letzte Ayurveda-Kur in Sri Lanka.

Warum Ayurveda in Sri Lanka?

Sri Lanka gilt als eines der wichtigsten Zentren für authentisches Ayurveda. Das tropische Klima, die große Vielfalt an Heilpflanzen und eine bis heute gelebte Ayurveda-Tradition machen das Land besonders geeignet für Kuren. Viele Resorts arbeiten medizinisch begleitet, mit eigenen Kräutergärten und Arzneimanufakturen – Ayurveda ist hier Teil des Alltags, nicht nur ein touristisches Angebot.


Anna Wender
Anna Wender
Senior Redakteurin
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