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Mit Gurkensud zum Australian Open Titel: Die Geheimwaffe des Carlos Alcaraz

Gurke
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Gesundheit

Wenn saures Gurkenwasser über ein Match entscheidet, steht fest: Tennis ist mehr als Technik. Carlos Alcaraz zeigt bei den Australian Open, dass manchmal die ungewöhnlichsten Mittel über Sieg oder Niederlage entscheiden können.

Melbourne, Hochsommer, Halbfinale. Carlos Alcaraz steht bei 4:4 im dritten Satz, das Tennisspiel gegen Alexander Zverev ist längst zu einem Schlagabtausch nahe der physischen Grenzen geworden. Plötzlich wird der Spanier langsamer. Das Laufen stockt, der Körper verweigert den Dienst. Krämpfe. Ein unsichtbarer Gegner, der sich einmischt und ihn dazu bringen könnte, das Spiel vorzeitig beenden zu müssen.

Stattdessen gibt es eine letzte Hoffnung: das Medical Timeout. Nach den Regeln der »ATP« (Association of Tennis Professionals) ist eine solche medizinische Auszeit nur erlaubt, wenn eine akute, nicht vorbestehende Verletzung vorliegt. Die maximale Behandlungszeit liegt allerdings nur bei drei Minuten. Während Alcaraz also seine Massage bekommt und Zverev aus Frust kocht, geschieht etwas, das den Lauf des Spiels verändern würde.

Gurkensud als Gamechanger

Alcaraz greift nicht zur üblichen Elektrolytmischung, sondern zu einer kleinen Ampulle Gurkenwasser. Ein medizinisches Wundermittel, das ausnahmsweise nicht aus dem Medizinkoffer stammt, sondern bei vielen Menschen schlichtweg im Kühlschrank steht. Eine Viertelstunde später läuft der Tennisprofi wieder, als habe jemand einen Schalter umgelegt. Zwei Stunden später gewinnt er den fünften Satz und zieht ins Finale ein, in dem er am Ende gegen Novak Djokovic den »Grand Slam«-Titel gewinnen wird.

Im Profisport ist das Trinken von Gurkenwasser längst kein Ausnahmefall mehr. Daniil Medvedev griff in der australischen Hitze bereits vor Jahren zum sogenannten »Pickle Juice«. Frances Tiafoe berichtete 2019 nach einem epischen Melbourne-Match, er habe den Sud »wie Limonade« getrunken – mit entsprechendem Gesichtsausdruck. »Es schmeckte schrecklich«, fügte er hinzu. Geholfen hat es trotzdem, immerhin gewann er das Match.

Die »Pickle Juice Theory«

Gurkensud gilt nicht als vorbeugendes Mittel und ersetzt weder Training noch eine angepasste Flüssigkeits- und Elektrolytversorgung. Seine Anwendung zielt stattdessen auf akute Situationen ab, in denen Muskelkrämpfe plötzlich auftreten und den Bewegungsablauf einschränken. Eine Notlösung, wenn der Körper im entscheidenden Moment blockiert.

Dass der Sud neben Essig auch Natrium, Kalium, Magnesium und Calcium enthält, spielt dabei nur eine Nebenrolle. Für den Elektrolytausgleich sind die Mengen laut Forscher:innen schlicht zu gering. Der Effekt liegt also nicht im Mineralhaushalt, sondern sitzt im Nervensystem. Der stark saure Geschmack des Gurkensafts aktiviert im Mundraum einen Reflex, der über die Nervenbahnen Signale aussendet und die überaktive Muskelanspannung dämpfen kann. Dieser Mechanismus setzt nahezu unmittelbar ein – deutlich schneller, als es durch die Aufnahme von Flüssigkeit oder Elektrolyten erklärbar wäre.

Aber auch diese Methode hat Grenzen. Personen mit Bluthochdruck oder eingeschränkter Nierenfunktion wird aufgrund des hohen Salzgehalts zur Zurückhaltung geraten. Zudem lassen sich Muskelkrämpfe nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren: Durchblutungsstörungen, Medikamente, Flüssigkeitsmangel oder altersbedingte Veränderungen der Nervenfunktion können ebenso eine Rolle spielen. In Alcaraz’ Fall war jedoch der Gurkensud genau das richtige Mittel. Um ein Ziel zu erreichen, muss man eben nicht nur in den sauren Apfel beißen, sondern manchmal zu noch saurerem Gurkenwasser greifen.


Célin Röser
Célin Röser
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