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© Shutterstock/Kzenon/Symbolbild

Kultur am Tisch: Was Chinas Kuàizi von Japans Hashi und Koreas Jeotgarak unterscheidet

Asien
Tischkultur

Essstäbchen sind in vielen Teilen Asiens das bevorzugte Besteck. Form, Material und Verwendung unterscheiden sich in vielen Ländern deutlich und das sagt viel über Esskultur und Geschichte aus.

Vor rund 5.000 Jahren erfanden Menschen in China zwei Holzstäbe, um heiße Speisen aus dem Feuer zu fischen. Heute benutzen mehr als 1,5 Milliarden Menschen täglich Essstäbchen. Trotzdem ist kaum einem westlichen Gast bewusst, dass das Paar neben seinem Teller in Tokio einer völlig anderen Logik folgt als jenes in Peking oder Seoul. Die Unterschiede sind kein Zufall.

China: Lang, stumpf, vielseitig

Die chinesischen Stäbchen – auf Mandarin Kuàizi – sind die längsten: zwischen 25 und 30 Zentimeter. Chinesische Mahlzeiten sind Gemeinschaftserlebnisse, zahlreiche Gerichte stehen in der Mitte des Tisches, oft auf einem Drehteller. Man muss weit greifen und die langen, an der Spitze abgerundeten Stäbe erlauben das.

Das Material variiert stark: Bambus, Holz, Plastik – bisweilen auch Jade, Elfenbein oder Silber. Die breite Spannweite lässt sich auf die Größe des Landes zurückführen. In einem Land mit so unterschiedlichen regionalen Küchen entwickelten sich auch die Stäbchen regional verschieden. Nur die stumpfe Spitze bleibt immer gleich, denn sie erlaubt, auch große Stücke zu greifen.

Japan: kurz und spitz

Die japanischen Hashi sind die kürzesten der drei – meist zwischen 20 und 24 Zentimeter. Sie enden in einer feinen Spitze, denn die japanische Küche verlangt Präzision. In Japan essen die Menschen einzeln – jede Portion ist auf die Person zugeschnitten. Lange Reichweite ist unnötig. Lackiertes Holz, eingravierte Muster, traditionelle Handwerkskunst: Stäbchen gelten in Japan als Prestigeobjekte. Sie werden zum Teil auch in aufwendig verzierten Holzkästchen verschenkt. Bestimmte Farben haben auch eine kulturelle Bedeutung: Schwarz oder Rot steht für Beerdigungen, Weiß gilt als Farbe des Todes.

Japan entwickelte auch spezielle Stäbchentypen für die Küche. Die sogenannten Ryōribashi sind bis zu 30 Zentimeter lang und dienen ausschließlich dem Kochen. Für das Frittieren nimmt man Metallstäbchen mit Bambusgriffen, weil Bambusspitzen im heißen Öl verfärben.

Korea: Metall, flach, königlich

Korea geht einen eigenen Weg: Hier bestehen die Essstäbchen – Jeotgarak – traditionell aus Metall. Edelstahl ist heute am weitesten verbreitet, in festlichen Zusammenhängen kommt auch das aufwendig gegossene Bangjja-Bronze zum Einsatz. Diese Eigenheit hat historische Wurzeln. Am Hofe der Joseon-Dynastie speiste der König mit silbernen Stäbchen – weil Silber bei Giftstoffen die Farbe wechselt. So wurden die Stäbchen zur Leibwache am Esstisch.

Koreanische Stäbchen sind außerdem flach und rechteckig, diese Form gibt beim Greifen einen festen Halt. In der Länge liegen sie zwischen 18 und 22 Zentimetern. Da Metall glatt ist und leicht rutscht, haben koreanische Stäbchen an der Spitze eine aufgeraute Oberfläche. Wer sie zum ersten Mal benutzt, merkt den Unterschied zu Holz sofort.

Ein weiterer Unterschied: Koreaner benutzen beim Essen gleichzeitig einen Löffel. Reis wird mit dem Löffel gegessen, nicht mit den Stäbchen. Das erklärt, warum die Stäbchen insgesamt kürzer und kompakter gebaut sind.

Was man nie tun sollte

So verschieden die Stäbchen, so verschieden die Regeln. In Japan ist es ein schweres Fauxpas, die Stäbchen senkrecht in den Reis zu stecken: Das erinnert an Räucherstäbchen bei Begräbnissen. Mit den Stäbchen auf Tischgenossen zu zeigen, gilt in Japan als unhöflich – in China ist es üblich.

Gemeinsam ist allen drei Kulturen: Man reicht Speisen nicht direkt von Stäbchen zu Stäbchen. Auch das ist ein Begräbnisritual, es symolisiert die Übergabe von Knochen nach einer Einäscherung.

China produziert jährlich rund 80 Milliarden Einweg-Stäbchen aus Holz oder Bambus. Es wächst zunehmend das Bewusstsein dafür, dass das ein ökologisches Problem ist. Viele Restaurants kehren zu wiederverwendbaren Paaren zurück, Bambus gilt als nachhaltigste Wahl unter den natürlichen Materialien.


Miriam Al Kafur
Digital Redakteurin
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