Weil das echte «Chez Donati» renoviert wird, entstand am Barfüsserplatz ein Provisorium – oberhalb der «Brötlibar», die noch immer für unkomplizierte Snacks sorgt. Hier geht es gediegen zu. Weiss eingedeckte Tische, uniformierte Kellner. Dass jemand auch nur eine Minute lang unbeobachtet herumsässe, wäre unvorstellbar. Stammgäste werden auch schon mal per Handschlag begrüsst, auf Weinempfehlungen muss keiner warten. Wir starten mit Rosé von Ferrari, mit feinem Bürli, gutem Olivenöl. Auf der Karte herrscht Klassik vor. Gazpacho mit San-Marzano-Tomaten, Parmaschinken mit Melone, Dorade für zwei Personen. Unser Vitello tonnato ist tadellos gewürzt, die Sauce reicht locker, um das Brot hineinzutunken. Seppie e piselli gehen dann schon fast als kreativer Höhenflug durch: Die Mischung aus feingeschnittenen und akkurat gegarten Sepia-Streifen und Erbsen ist gekonnt gewürzt und der Inbegriff eines sommerlichen Italo-Gerichtes. Vom angefragten Vermentino rät der Maître nicht ab, empfiehlt aber eine apulische Assemblage aus Fiano und Chardonnay von Pietrabianca, während am Nachbartisch, unbeschadet der milden Aussentemperaturen, eine Flasche kräftigen Rotweines geöffnet wird. Recht so, warum mit Amarone und Vino Nobile auf den Winter warten? Die Karte ist eh beachtlich sortiert, auch im Offenausschank ist von Lageders Pinot Grigio bis zum Barbaresco von Prunotto einiges zu haben. Höhepunkt des Donati-Spektakels ist aber der Dessertwagen, von dem man sich vorlegen lassen kann. Wir probieren Erdbeeren und Tiramisu, erste aromatisch, zweites recht süss abgeschmeckt. So wie es früher immer üblich war.