Das »Lubin« gibt’s an dieser Adresse schon länger. Doch als 2024 die ursprünglich aus Usbekistan stammende Fischhändlerfamilie Chassidov die Adresse übernahm, blieb nichts, wie es war. Zum kleinen maritimen Imperium des weitläufigen Clans zählen u. a. das »Fischvierterl« am Naschmarkt oder das »Gutfleisch« am Sonnbergmarkt. Kulinarisches Flaggschiff ist aber zweifellos das »Lubin« in der ruhigen Hainburger Straße – deren einziges Lokal abseits eines Marktes. Das in Blautönen gehaltene Interieur geriete jeder Yacht-Marina zur Zierde. Wichtiger ist aber das, was Küchenchef Anto Matic´ fabriziert – einst Schüler bei Markus Mraz und Reinhard Gerer und lange bei den Barbaros in Diensten. Erst Alici auf knusprigem Tramezzini-Toast mit Schmorpaprika und Chili. Dann Calamari-Ringe von zarter Konsistenz als Salat mit Tomaten und Meeresspargel. Größere Runden werden damit belohnt, größere Tiere wie Petersfisch oder Steinbutt im Ganzen ordern zu können. Das meiste Getier stammt aus Kroatien. Und wer sich über die nächste Großlieferung von Rungis express vorerkundigt, kann hier auch erleben, wie ein 100-Kilo-Thunfisch auf der Terrasse zerlegt wird, gefolgt von frischem Tuna-Tatar und geflämmtem Toro-Sashimi. Auch 110-Kilo-Schwertfische wurden hier schon gesichtet. Derlei gibt’s gerade in keinem anderen Fischlokal Wiens. Auf der Weinkarte: einerseits gepflegte Flaschen aus Österreich und Kroatien. Anderseits vieles von Gaja, die Topweine der Antinoris und ein paar namhafte Bordeaux. Ein Kuriosum zum Schluss: Weil das Gros der Reservierungen für 19 Uhr, 18 Uhr oder gar noch früher erfolgt, wird als Anreiz für späteren Genuss ab 20 Uhr ein »Genussrabatt« von zehn Prozent gewährt.