Selbstdisziplin, ade! Genusssünde, hallo! – so lautet das Credo zu den elf Gängen, die während eines kurzweiligen Abends im »Restaurant Mohn« im niedersächsischen Hohnhorst serviert werden: Der geflämmte, im Kern glasige Ostseezander zergeht auf der Zunge und harmoniert perfekt mit dem satten Nussbutterschaum. Der herb-säuerliche Frischekick eines Brombeersorbets mit Joghurtschaum wird durch süßliches Waldmeistergel sanft abgerundet. Das warme Mohnbrot, das von einer verführerischen Feigenblattcreme begleitet wird, scheint vom Kalorienteufel persönlich in seiner Ofenhölle gebacken worden zu sein. Es ist nicht alles perfekt gelungen, aber das Schöne ist, dass es das auch gar nicht muss: Gastgeberin Laura Überschär und Küchenchef Joris Hogervorst haben ihr Gourmetrestaurant erst im September eröffnet. Da beeindrucken die eingangs erwähnten Highlights gleich doppelt. Das Paar möchte sich nicht nur auf dem anspruchsvollen Terrain des Fine-Dining behaupten, sondern diesem Konzept auch Leichtigkeit verleihen – ganz wie in den Niederlanden, wo sie mehrere Stationen in der Spitzengastronomie durchlaufen haben. Der Service im »Mohn« ist entsprechend locker, herzlich und aufmerksam. Das reduzierte Fachwerkflair des Lokals kommt ohne Deko aus. Nur die Küche selbst wird in naher Zukunft nicht ohne Zierde bleiben: Was hier in geschmacklicher Vollendung auf die Teller kommt, dürfte den Juroren der Gourmetführer nicht entgehen. Lediglich die Weinkarte lässt an Qualität vermissen, das Angebot wird jedoch durch eine alkoholfreie Begleitung aus Saft- und Tee-
kreationen ergänzt.