Danny Benedettini kocht mit einer bemerkenswerten Klarheit, die überrascht. Seine Küche kennt keine Schnörkel, keine überflüssigen Komponenten, sondern nur die konsequente Konzentration auf das Wesentliche. Antonio Bragato eröffnete das »Il Calice« bereits im Jahr 2001, konzipiert als großzügiges Restaurant mit Weinhandlung. Nach einer Unterbrechung übernahm er 2016 gemeinsam mit seinem Sohn Louis, der als Sommelier arbeitet, erneut die Leitung. Die Weinkarte mit stattlichen 750 Positionen zählt zweifelsfrei zur Berliner Spitze. Küchenchef Benedettini aus der Romagna setzt auf Produkt und Handwerk statt auf modische Effekte. Seine Teller fokussieren sich auf zwei, maximal drei Komponenten. Das zeigt sich bereits bei den Antipasti wie Crudo di Ricciola oder handgeschnittenem Rinderfilet-Tatar mit Bärlauch, bei hausgemachter Pasta
wie Cappelletti mit Ragù alla Bolognese oder Tagliatelle al Burro mit 36 Monate gereiftem Parmigiano. Mittags bietet das »Il Calice« ausgezeichnete italienische Küche mit einem Zwei-Gänge-Menü ab 25 Euro, abends wird die Auswahl deutlich umfangreicher. Die Hauptgerichte reichen von La Nostra Milanese, panko-paniertes Schnitzel vom toskanischen Freilandschwein, über gegrillte Taube mit Dolce-Forte-Sauce bis zur Tagliata di Entrecôte vom Holzkohlegrill. Besonders erwähnenswert: Die moderaten Preise erlauben es, mehrere Gänge zu probieren. Und genau so ist das Konzept gedacht. Benedettini führt die Tradition des Hauses konsequent fort: sorgfältige Produzentenauswahl, handwerkliche Qualität, zeitgemäße Interpretation italienischer Klassik, die ziemlich überzeugt.