Ganz Berlin scheint der klassischen französischen Küche zu verfallen, wie die zahlreichen Neueröffnungen in diesem Bereich zeigen. Kein Wunder, denn wer auf sich hält, kann von Austern und Co. kaum genug bekommen. Mit dem »Le Consulat« hat ein neuer Vertreter der französischen Wohlfühlküche in Charlottenburg eröffnet und verspricht auf den ersten Blick genau das, was man von einem solchen Restaurant erwartet: Die Einrichtung des großen Gastraums ist zwar betont hip-schick, aber dennoch gemütlich. Beim Lesen der Speisekarte läuft einem das Wasser im Mund zusammen: gratinierte Austern, Hähnchen-Suprême, Escargot, Jakobsmuscheln in Wermutsauce, Kartoffelpüree, Crème brulée. Leider entspricht das, was schließlich auf dem Teller landet, nicht ganz den Erwartungen, die die Speisekarte weckt. Die gratinierten Austern wirken unter ihrer Semmelbröselkruste etwas trist und lassen die erhoffte Säure und Frische vermissen. Glücklicherweise bietet die Karte auch rohe Austern an. Die Escargots à la bourguignonne, also Weinbergschnecken klassisch gratiniert, sind solide. Das Hähnchen-Suprême überzeugt in der Qualität. Die Jakobsmuscheln sind dank des Wermutaromas vielversprechend, scheitern jedoch an einer unglücklichen Textur. Die Crème brulée hingegen ist herausragend.
Insgesamt entsteht der Eindruck, dass im »Le Consulat« zweifellos Potenzial für gute französische Küche vorhanden ist, auch wenn sich dieses bisher noch nicht voll entfaltet hat. Um die Hemmschwelle zu senken, bietet das Lokal tagsüber einen preiswerten Mittagstisch an, auch in vegetarischer Variante, für 16 bis 19 Euro. Der Service ist zuvorkommend und dennoch lässig, das Ambiente geschmackvoll – die Botanik-Tapeten sind ein echter Hingucker.