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© Dima Kapralov/Unsplash

Klar im Inneren, Stark im Außen: Ein Leitfaden in Sachen weiblicher Führungskompetenz

Gedanken
Mentaltraining

Warum weibliche Kompetenzen in der Führung kraftvoll, klar und längst überfällig sind.

»Ich will nicht zu hart wirken.«, »Ich will niemandem zu nahe treten.«, »Ich will, dass man mich (trotzdem) mag.«, »Ich will nicht zu bossy rüberkommen.«

Ich höre diese Sätze sehr oft. Von klugen, erfolgreichen Frauen in Führungsrollen oder in verantwortungsvollen Positionen. Frauen, die führen wollen und können. Und trotzdem zögern, klar und souverän aufzutreten. Weil sie nicht zu hart erscheinen wollen. Nicht unweiblich. Nicht zu direkt. Nicht zu arrogant. Weil sie Angst haben, dass ihre Freundlichkeit sie angreifbar macht. Und das tut sie manchmal auch. Und zwar genau dann, wenn die (innere) Klarheit fehlt.

Sie sind nicht allein. Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group zeigt: Über 60 Prozent der weiblichen Führungskräfte fühlen sich regelmäßig hin- und hergerissen. Zwischen Empathie und Durchsetzung. Zwischen Souveränität und Freundlichkeit. Fast die Hälfte hat Sorge, als zu direkt wahrgenommen zu werden. Paradoxerweise gilt genau das in der männlich geprägten Businesswelt als Stärke. Dementsprechend kennen diese innere Zerrissenheit kaum. Sie führen. Ohne sich permanent zu hinterfragen. Frauen dagegen führen und denken gleichzeitig: Bin ich zu fordernd? Zu nett? Zu direkt? Kommt das jetzt falsch rüber? Dementsprechend führen viele mit angezogener Handbremse. Und die ist meistens selbst eingebaut.

Nett. Freundlich. Empathisch. Und jetzt?

Viele Frauen glauben, ihre Freundlichkeit schützt sie. Doch wenn Grenzen fehlen, wird Freundlichkeit schnell zur Einladung, über die Grenzen zu gehen. Wer sich immer wieder anpasst, wird irgendwann übersehen. Wer alles möglich macht, wird irgendwann ausgenutzt. Nicht, weil andere böse sind. Sondern weil Unklarheit Raum dazu bietet. Für Erwartungen. Für Grenzüberschreitungen. Und für jede Menge Missverständnisse. Gerade erfolgreiche Frau mit 40, 45, 50 oder 55 – mitten im Leben – fallen immer wieder auf alte Muster und Prägungen rein, sind sie doch tief verankert. Wir hören unser ganzes Leben: Sei nicht so laut. Nicht so direkt. Mach es allen recht. Sei freundlich, lieb und nett.

Und dann? Dann kommt der Spagat

Zwischen wirken wollen und sich kleinhalten. Zwischen Klarheit und Rücksicht. Zwischen Haltung und Harmonie. Zwischen stark sein und gemocht werden wollen. Viele Frauen versuchen, sich irgendwo dazwischen einzupendeln. Nicht zu freundlich. Nicht zu hart. Nicht zu emotional. Aber bitte auch nicht kühl. Nicht zu weich. Aber bitte auch nicht wie ein Mann.

Das Ergebnis? Ein Spagat. Ein ständiges Nachjustieren. Und am Ende oft ein Gefühl von: Ich fühle mich nicht richtig wohl. Es kostet mich so viel Energie. Und: Ich wirke nicht so, wie ich eigentlich bin, oder ich kann mich nicht so zeigen, wie ich eigentlich bin. Denn wer dauernd zwischen Rollen hin und her wechselt, wirkt nicht klar, sondern angepasst. Das spürt auch das Gegenüber. Und stellt sich (berechtigt!) die Frage: Wofür steht sie denn eigentlich?

Führung beginnt im Inneren. Immer!

Wenn du klar bist, wirst du klar kommunizieren und auftreten. Wenn du zweifelst, sendest du widersprüchliche Signale. Wenn du bei dir bist, wirst du wirksam und authentisch. Wenn du weißt, wofür du stehst, brauchst du dich nicht zu erklären. Denn dann kannst du klar und authentisch führen. Und wenn du deine Grenzen kennst, kannst du sie auch klar setzen. Nicht mit Härte, sondern mit Haltung. Diese innere Haltung braucht es aber. Um erfolgreich nach außen wirken zu können. Freundlich sein heißt nicht, alles mitzumachen. Empathisch sein heißt nicht, alles durchgehen lassen. Emotional sein heißt nicht, irrational handeln.

Aber: Wenn du deine Klarheit nicht zeigst, wird sie auch nicht gesehen. Und wer deine Grenzen nicht kennt, wird sie überschreiten. Immer und immer wieder! Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil kein Widerstand kommt. Und weil du hier noch ein Lernfeld hast.

Es geht nicht um »entweder ... oder«

Es geht nicht darum, entweder weich oder stark zu sein. Es geht um eine neue Definition von Führung. Eine, die weibliche Kompetenzen nicht belächelt, sondern als Stärke wahrnimmt und begreift. Kompetenzen wie Empathie. Intuition. Emotionale Intelligenz. All das sind keine Soft Skills, sondern Leadership-Qualitäten – die absolut zukunftsfähig und notwendig sind. Die es braucht. Jetzt mehr denn je. Aber: Diese Fähigkeiten funktionieren nur, wenn sie getragen sind von Klarheit, von innerer Haltung und von Entscheidungskraft. Von einem Ja zu sich selbst.

Und ja, es braucht Mut

Mut, freundlich zu bleiben, auch wenn es unbequem wird. Mut, Grenzen zu setzen, auch wenn es andere irritiert. Mut, klar zu sein, ohne kalt zu wirken oder dabei unfreundlich zu sein. Mut, sich nicht kleiner zu machen, nur um zu gefallen. Mut, standzuhalten und Dinge auszuhalten. Ohne direkt in den Harmoniemodus zu verfallen. Kann man das Lernen? Die Antwort ist ein klares Ja!

Erschienen in
Falstaff Happy Life Magazin 2/2025

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Michaela Hocek
Autor
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