Katharina Graner, Geschäftsführerin des »Freigut Thallern«
© Freigut Thallern
von redaktion
19. Dezember 2022
PROFI: Was bedeutet Ihnen die Rebsorte St. Laurent bzw. wofür steht St. Laurent für Sie?
Katharina Graner: St. Laurent ist ein österreichisches Juwel. Im Weingarten sowie im Keller schwer zu bewirtschaften, bedarf es schon ein wenig an Idealismus, um diese Rebsorte zu kultivieren. Wir am »Freigut Thallern« haben uns ganz bewusst für diese autochthone Sorte entschieden. In der Thermenregion können wir den St. Laurent beste Bedingungen bieten. In der Region gibt es viel Knowhow, von dem auch wir profitieren können. Wir empfinden St. Laurent als eine wunderbare Bereicherung der österreichischen Weinlandschaft.
Wie sehen Sie die Rebsorte St. Laurent im Vergleich zu anderen?
St. Laurent ist für mich die »österreichische« Antwort auf Pinot Noir. Obwohl seine genaue Herkunft ungewiss ist, mutmaßt man, dass er aus Frankreich über Deutschland nach Österreich kam. Topologisch als auch geografisch gleicht die Thermenregion der Burgund, auch hier lassen sich Parallelen ziehen. Die feine Tanninstruktur und Eleganz erinnert an Pinot Noir, als Besonderheit bringt der St. Laurent jedoch kräftige Aromen nach dunklen Beeren und Weichseln mit.
Im Zeitraum von 1999 bis 2020 ist die Anbaufläche stetig zugenommen. Ein Zeichen, dass die Rebsorte St. Laurent immer beliebter wird? Welche Gründe könnten dahinterstecken?
Ich denke, dass ist dem Trend zu autochtonen Sorten geschuldet. Jede Region versucht so ihre Besonderheiten zu finden, ihren USP. Sommeliers sind immer auf der Suche nach Neuigkeiten bzw. Unbekannten für ihre Weinkarten. Zusätzlich nimmt unser Wissen um die spezifischen Bedürfnisse dieser Sorte von Jahr zu Jahr. Insbesondere in der Thermenregion wird jährlich viel Wissen rund um den St. Laurent generiert, davon profitieren wir alle. Es wird sozusagen einfacher, sich dem St. Laurent zu stellen.
Merken Sie, dass es in Bezug auf St. Laurent falsche Vorurteile bei Ihren Gästen oder auch Kolleg:innen gibt?
In unserer Gebietsvinothek bemerken wir oft, dass die Rebsorte einigen Kund:innen nicht geläufig ist. Vor allem Gäste aus dem Ausland haben noch nie von der Rebsorte gehört. Hier gibt es definitiv Aufholbedarf.
Welche Vorzüge hat die Rebsorte St. Laurent für Sie?
Obwohl der St. Laurent im Weingarten nicht immer einfach zu handhaben ist, stellt er für uns eine überaus interessante Sorte da. Vor allem sein Potential zur langen Lagerfähigkeit macht in für uns attraktiv, aktuell können wir unseren Kund:innen sogar noch Jahrgang 2013 in unserer Gebietsvinothek anbieten.
I’m a St. Laurent lover because…
… it’s the way we drink Burgundy in Ausria.

© Freigut Thallern
Sehen Sie im Moment bestimmte Trends bei Ihren Gästen oder aber auch bei Ihren Kolleg:innen?
Gebietstypische Sorte, Neues kennenlernen, leichte Weine mit wenig Alkohol und gereifte Jahrgänge.
Welches Lokal muss man Ihrer Meinung nach besuchen, wenn es um das Thema St. Laurent geht?
Das Restaurant »Steirereck« in Wien, weil Chefsommelier Rene Antrag vor allem die Thermenregion wie seine Westentasche kennt.
Wie sehen Sie die Akzeptanz St. Laurent über die Ländergrenzen hinaus?
Ich denke, da ist Luft nach oben. Mit einem engagierten Sommelier an der Front ist vor allem im Restaurantbereich einiges zu bewegen. Nachdem die Sorte nicht all zu bekannt ist, muss jedoch aktiv angeboten und verkauft werden.
Warum lieben Sie Ihren Beruf? Was begeistert Sie immer wieder?
Die Weinbranche bietet abwechslungsreiche Betätigungsfelder. Mich hat es in den Weintourismus verschlagen. Ich schaffe gerne Gesamterlebnisse für meine Gäste. Sie sollen hier bei uns am »Freigut Thallern« zur Ruhe kommen, genießen und sich mit allen Sinnen auf den Wein einlassen können. Sie sollen eine gute Zeit hier verleben und die Region kennenlernen. Der Wein ist hierfür unser bester Botschafter und Vermittler.
Hat der Beruf des Sommeliers die Akzeptanz, die Sie sich wünschen?
Ich gehe mit meinem Partner gerne gut Essen. Besonders Wert legen wir auf eine qualitativ hochwertige Weinkarte. Aufgrund unseres beruflichen Backgrounds stehen wir auch im engen Austausch mit einigen Sommeliers. Ich habe den Eindruck, dass der Beruf des Sommeliers in den letzten Jahren zunehmend mehr Wertschätzung bekommen hat. Ich weiß von Gästen die Restaurants wegen dem Sommelier besuchen und nicht wegen dem/der Köch:in.
Was muss sich in der Branche ändern, damit wir mehr junge Menschen für den Beruf des Sommeliers begeistern können?
Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten, Bezahlung. Betrifft die gesamte Gastrobranche. Die Ausbildungskosten für Sommeliers sind relativ hoch, eventuell könnte man auch da den Hebel ansetzen.
Mit der Bitte um Ihre Top 3 St. Laurent!
- St. Laurent Holzspur, Johanneshof Reinisch, Tattendorf
- St. Laurent Ried Satzing, Johannes Gebeshuber, Gumpoldskirchen
- St. Laurent »Alte Reben«, Philipp Grassl, Göttelsbrunn
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