Geheimtipp: Für Metz sind Rebsorten wie der Rote Veltliner eine willkommene Abwechslung bei Empfehlungen. © Döllerer

Geheimtipp: Für Metz sind Rebsorten wie der Rote Veltliner eine willkommene Abwechslung bei Empfehlungen.

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Sträflich unterschätzt: Der Rote Veltliner

Der Rote Veltliner ist eine der traditionsreichsten Weißweinsorten Niederösterreichs. Über die Vorzüge der außergewöhnlichen Rebsorte, der eine gewisse Diva-Attitüde unterstellt wird.

von redaktion
18. November 2022

Obwohl es der Name nahelegt, besteht keinerlei Verbindung zwischen dem Roten Veltliner und dem Grünen Veltliner. Das Aromaspektrum ist breit gefächert. Es reicht von animierenden fri­schen Kräutern über vollreife Steinobst­ Noten bis hin zu den mediterranen und exotischen Aromen von Mandarinen, Orangen und Südfrüchten. Die Sorte ist überaus ertragsreich (Massenträger). Wird keine Ertragsregulierung durch­ geführt, so geraten die Weine dünn und ausdruckslos. Hingegen ist der Rote Veltliner bei entsprechender weingärtnerischer Pflege und Vini­ fizierung eine Rarität. Trotz der stetig rückgehenden Anbaufläche, die nur 190,56 Hektar umfasst, werden positive Stimmen immer lauter. Im Interview mit Somme­lière Michèle Metz.

»I’m a Roter Veltliner lover because … this underrated grape produces wines with a fruit driven character by representing the terroir in a very unique way.«
Michèle Metz, Verkauf und Kundenbetreuung Enoteca & Weinbar in den Döllerers Genusswelten & Weinhaus

Sommelieruniun: Wofür steht die Rebsorte Roter Veltliner für Sie?
Michèle Metz: Ich liebe diese Rebsorte, da man mit dieser die Gäste überraschen kann und nahezu jeden abholt. Die Rebsorte besticht mit ihren leicht tropischen An­klängen und ist dennoch meist elegant und vielschichtig. Sie ist insbesondere in der Speisenbegleitung noch immer ein absoluter Geheimtipp. Eine großartige autochthone Rebsorte aus Österreich mit Frucht und Charakter, passend zu klassischen Gerichten, als auch leicht pikant – damit kann man punkten.

Wie sehen Sie die Rebsorte Roter Veltliner im Vergleich zu anderen?
Der Rote Veltliner ist zum einen universell extrem gut einsetzbar und bei den Gästen sehr beliebt, die diese Sorte bereits kennen. Dennoch ist der Anbau in Österreich rückläufig und der Bekanntheitsgrad eher gering. Das bedeutet, dass es jemanden braucht, der dem Gast diesen Wein empfiehlt. In Zeiten des steigenden Fachkräftemangels leider auch ein schweres Thema. Riesling, Grüner Veltliner, Muskateller, Sauvignon Blanc und Co. aus Österreich sind bekannt und eher die Selbstläufer im Restaurant, jene können aber insbesondere in der Speisen­begleitung gerne auch mal anecken.

Merken Sie, dass rund um die Rebsorte Roter Veltliner falsche Vorurteile bestehen?
Viele Gäste halten die Rebsorte noch immer für einen Rotwein, nur aufgrund des Namens. Der Rote Veltliner kann geniale Weine hervor­ bringen, ist jedoch eine ziemliche Diva und benötigt dementsprechend mehr Aufmerksam­keit, Feingefühl und Know­how des Winzers/der Winzerin. Weinbauer:innen überlegen im Vorfeld, ob sie das Risiko auf sich nehmen sollten oder doch lieber mit den klassischen Rebsorten, welche sich vermeintlich leichter verkaufen, den leichten Weg gehen.

Welche Vorzüge hat die Rebsorte Roter Veltliner für Sie?
Man kann mit der Rebsorte überraschen, sie hat auch in schwierigen Jahren noch ein gutes Säuregerüst bei stets ansprechender Frucht­aromatik und ist extrem vielseitig einsetzbar, dazu stammt sie aus Österreich und ist recht unbekannt, was sowohl beim einheimischen als auch externen Gast richtig gut ankommt.

Wie sehr setzt der Gast auf Empfehlungen und lässt sich für Neues begeistern?
Es fällt auf, dass der Gast für eine Empfehlung dankbarer ist denn je. Eine entspannte und kompetente Begleitung durch den Abend ist Gold wert. Wenn dem Gast, ohne ihn zu be­lehren, neue Geschmäcker, Stilrichtungen und Macharten offenbart werden, dann läuft alles richtig. Dadurch kann man vor dem Gast von autochthonen Rebsorten über Na­turweine bis hin zu außergewöhnlichen Kombinationen mit einer riesigen Spielwiese auffahren und begeistern.

»Es gibt wohl kaum einen anderen Beruf, in dem kein Tag wie der andere ist und man mit Leidenschaft und Enthusiasmus bei seinem Gegenüber etwas bewegen kann und stets ein direktes Feedback bekommt. Man kann stets seinen Horizont erweitern und ist in der ganzen Welt einsetzbar.«
Michèle Metz, Verkauf und Kundenbetreuung Enoteca & Weinbar in den Döllerers Genusswelten & Weinhaus

Welches Lokal muss man Ihrer Meinung nach besuchen, wenn es um das Thema Roter Veltliner geht?
Das »Winterstellgut« in Annaberg ist defini­tiv ein heißer Tipp. Michael Obermüller, als Restaurantleiter und Sommelier, ist stets auf der Suche nach alten österreichischen Rebsorten und schenkt sogar Weine aus dem Bergland aus.

Als gebürtige Deutsche: Wie sehen Sie die Akzeptanz des Roten Veltliner über die Grenzen von Österreich hinaus?
Die Akzeptanz ist in dem Sinne gering, da die Rebsorte noch immer recht unbekannt ist, vor allem über die Grenzen hinaus. Ich konnte jedoch im Restaurant bisher immer mit eben solchen Weinen punkten.

Sie arbeiten mit jungen Sommeliers – was sind Ihre Beweggründe für die Förderung des Nachwuchses?
Mich hat damals Florian Auer, Restaurant­ leiter im »Naturhotel Waldklause«, an die Hand genommen, mir ohne Druck einen Einstieg in die Welt der Weine ermöglicht und doch stets gefördert. Genauso jemanden braucht es manchmal, um die Leidenschaft bei einem jungen Menschen für diesen Beruf zu entfachen. Ich versuche genau dies und zeitgleich auch die Jugend am Boden zu halten, mit ihrem Wissen nicht zu belehren, sondern dem Gast eine gemeinsame Reise anzubieten.

Die Beeren des Roten Veltliners sind grüngelb bis fleischrot gefärbt, dickschalig und ungleich reifend. © ÖWM/WSNA
Die Beeren des Roten Veltliners sind grüngelb bis fleischrot gefärbt, dickschalig und ungleich reifend.
© ÖWM/WSNA

Porträt Roter Veltliner

  • Autochthon: Ja
  • Ursprung: Die Abstammung ist unbekannt. Der Rote Veltliner ist die Stammsorte der Veltliner-Gruppe und kommt in zahlreichen Spielarten vor (Weißroter, Brauner, Silberweißer Veltliner, Gelbling). Die autochthone Rebsorte nimmt eine besondere Stellung innerhalb der Veltliner-Gruppe als natürlicher Kreuzungspartner bei Neuburger, Zierfandler und Rotgipfler ein.
  • Hauptanbaugebiete in Österreich: Verbreitung beschränkt sich auf wenige Weinbaugebiete in Niederösterreich: Wagram, Kamptal und Kremstal, vereinzelt im Weinviertel und in Wien und mit nur 0,6 ha im Burgenland.
  • Rebfläche: 190,56 ha
  • Aromen: Feinwürzige Aromen, insbesondere Orange, Mandarine, Zitrone (Schale), Apfel (reif), Birne (reif), Biskuits, Mandel, Haselnuss.
  • Säure: Kräftige, belebende Säurestruktur
  • Alkohol: 11,5 – 14,0 %-Vol
  • Intensität: Helles Grüngelb
  • Pairing: Der Rote Veltliner besticht durch seine etwas verspieltere Art, ist vielseitig und ausdrucksstark und passt daher je nach Extrakt zu Fisch, Spargel, hellem Fleisch, sowie zu Speisen mit Kräuterwürze und dezenter Exotik. Rote Veltliner können auch wunderbar reifen – Gebackenes freut sich ebenso wie, je nach Ausbau und Struktur, Weichkäse.
  • Serviertemperatur: 8 – 10 Grad

Erschienen in

Falstaff Profi Magazin

Sept./Okt. 2022

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