»Alles für den Gast«-Messeleiter Michael Reich
© RX Austria Germany
Michael Reich: »Man kann nicht einfach nur auf dem Barhocker sitzen und erwarten, dass einem die Bude eingerannt wird«
Der Leiter der »Alles für den Gast« verrät im PROFI-Interview, auf welche Highlights sich die Besucher freuen dürfen, warum der Schwerpunkt »Großküchentechnik« gewählt wurde, wie die Stimmung in der Branche ist, was der angekündigte Rückzug der RX Global aus Österreich für die Zukunft der »Alles für den Gast« bedeutet und welchen Tipp er Ausstellern gibt, damit ihr Messeauftritt ein Erfolg wird.
von Alexander Schöpf
09. November 2023
PROFI: Der diesjährige Schwerpunkt lautet »Großküchentechnik«. Wie wird dieses Thema vor Ort konkret umgesetzt – sprich worauf können sich die Besucher freuen?
Michael Reich: Ich muss vorausschicken, dass wir nicht nur diesen einen, sondern insgesamt elf Themenschwerpunkte und Highlights haben. Aber das Thema Großküchentechnik ist das, was heuer neu ist bei der »Alles für den Gast«. Viele der Aussteller, wie etwa Gastro Total, sind Rückkehrer und für diese haben wir – gemeinsam mit Partnern wie Rational oder Welbilt, die in der Vergangenheit ebenfalls schon Aussteller waren – ein gemeinschaftliches Konzept entwickelt. Dieses Konzept sieht vor, dass wir als »Fachüberbegrifflichkeit« den Großküchentechnik-Kompetenzbereich gewählt haben. Wir bündeln also die Kernthemen – sprich alles, was in den Bereich Systemgastronomie und Gemeinschaftsverpflegung fällt – in einer Halle und unterstützen dies mit Entertainmentelementen. Das Entertainment findet in Form einer Masterclass-Bühne, mit bekannten Persönlichkeiten aus der Szene, statt. Das gibt es zum ersten Mal in der Geschichte der »Alles für den Gast«. Das Ziel ist es, dadurch Attraktivität und Erlebbarkeit – etwa indem die Küchengeräte live eingesetzt werden, indem gebrutztelt und gebraten wird – zu erzeugen. Das ist es, was eine Messe per se ausmacht. Dadurch ist es uns nicht nur gelungen, Aussteller für die Messe zurückzugewinnen, sondern auch neue Unternehmen für die »Alles für den Gast« zu begeistern. Das hat dazu geführt, dass wir ausgebucht sind. Wir haben sogar mehr Anfragen, als wir Flächen zur Verfügung stellen können.
Ist es das, was die Messe der Zukunft auszeichnet: dass die Besucher mehr involviert werden und dass Dinge gezeigt werden, die bei einer digitalen oder interaktiven Messe nicht möglich wären?
Absolut! Wir haben schon letztes Jahr mit der »Getränkewelt« begonnen, die Getränkeindustrie in einem Bereich zu bündeln, um den Kernfokus auf nationale und internationale Firmen zu legen und ergänzend dazu ein Rahmenprogramm mit Masterclasses anzubieten. Dadurch haben wird die Möglichkeit das Thema dem Fachpublikum noch näher zu bringen, da es die Produkte schmecken, spüren und riechen kann. Ergänzend dazu gibt es beispielsweise die Kooperation mit »Kalk & Kegel«, wo wir vor Ort österreichische Winzer und Top-Sommeliers präsentieren. Dadurch können wir mehr Vielfalt und Entertainment bieten.
Sie haben eingangs schon angesprochen, dass es neben der Großküchentechnik natürlich auch andere Schwerpunkte und Highlights gibt. Welche sind Ihrer Meinung nach besonders erwähnenswert?
Ich tue mich ehrlicherweise schwer, etwas besonders herauszustreichen, weil ich für jedes Highlight brenne und auf alle gespannt bin. Was aber auf jeden Fall erwähnenswert ist: Wir zeichnen heuer das erste Mal mit dem »RX Female Award« Vorreiterinnen und herausragende weibliche Persönlichkeiten aus. Darüber hinaus haben wir erstmals eine Kooperation mit dem Busche Verlag, wo wir die »Top50 Hoteliers Österreich« ehren. Diesen Award hat es bis dato zwar in Deutschland, aber nicht in Österreich gegeben. Somit handelt es sich um eine Premiere. Ebenfalls erwähnenswert ist die »Biowelt« von Bio Austria und Biogast, wo sich tolle Firmen aus dem Bio-Bereich und der veganen Szene präsentieren.

Fixer Bestandteil ist natürlich die »Gastro Circle«-Bühne, wo wir Themen und Probleme, die die Branche betreffen, diskutieren und behandeln. Zudem haben wir heuer erstmals probiert, auch Köchinnen und Köche zur »Gastro Circle«-Bühne zu holen, um auch dort das Programm noch runder zu gestalten. Der »GastroHackathon« ist mit Unterstützung der Österreich Werbung zum »Tourism Technology Festival« geworden. Das wird vermutlich der größte Tourismus-Hackathon in Europa werden. Dadurch können wir die junge Zielgruppe ansprechen. Der Nachwuchs ist sowieso ein großes Thema in der Branche, da wir diesbezüglich sowohl in der Gastronomie als auch in der Hotellerie einen Mangel haben. Deshalb veranstalten wir auch den Jungbarkeeper:innen-Wettbewerb. Wir richten darüber hinaus die »Austrian Coffee Championships«, die Staatsmeisterschaften der Baristi in vier Kategorien, aus. In der Start-up-Area sind 19 junge Unternehmer:innen und Gründer:innen am Start. Wie Sie also sehen, tut sich sehr viel.
2023 ist das Jahr in der das Thema Künstliche Intelligenz (KI) in den Fokus der breiten Öffentlichkeit gerückt ist. Ist das ein Thema, das auch auf der »Alles für den Gast« behandelt wird und wie stark ist es Ihrer Meinung nach in der Branche schon angekommen?
Ich glaube schon, dass es ein zentrales Thema ist. Ob es in der Branche bereits so angekommen ist, wie in anderen Branchen, glaube ich jedoch nicht. Aber es wird definitiv ein riesengroßes Thema für die Zukunft werden. Wir behandeln es im Zuge von zwei Talks, in denen es um Roboter, Chatbots, Automatisierung und die Zukunft der Gastronomie geht.
Die Corona-Pandemie war eine umwälzende Zeit für die Messe-Branche. War es schwierig, die Aussteller zu überzeugen, wieder an einer physischen Messe teilzunehmen?
Nein, wie bereits vorhin erwähnt, sind wir komplett ausgebucht. Wir sind bei über 670 Austellern und die Anfragen wären sogar deutlich mehr gewesen. Der persönliche Kontakt ist das Um und Auf in unserer Branche. Ich merke auch, dass die Branche total positiv gestimmt ist. Für die Gastmesse haben sich durch COVID auch extrem positive Effekte ergeben. Es ist zum Beispiel zu einer Durchmischung in den Hallen gekommen und es wurde Platz für neue Aussteller aus den diversesten Bereichen frei. Das tut der »Alles für den Gast« absolut gut.
Abgesehen von COVID sind die Zeiten für Gastronomie und Tourismus nicht die einfachsten. Inflation, Fachkräftemangel, das veränderte Konsumverhalten der Menschen – um nur die drängendsten Probleme zu nennen – sorgen dafür, dass in vielen Bereichen kein Stein auf dem anderen bleibt. Wie geht die »Alles für den Gast« auf diese Herausforderungen ein?
Wir sehen es beispielsweise bei den Themen Fachkräfte- und Nachwuchsmangel als unsere Aufgabe und unseren Auftrag eine Plattform und eine Bühne zu bieten, um die Attraktivität der Branche zu zeigen. Wir gehen natürlich auch auf das Thema Inflation ein. Wir können in den Talks beispielsweise neue Berechnungsmodelle aufzeigen. Ich kann nicht komplett für die gesamte Branche und alle Betriebe sprechen, aber auch wenn die Zeiten auf der einen Seite herausfordernd sind, haben wir auf der anderen Seite Rekordzahlen, was Übernachtungen, Auslastung in Restaurants usw. betrifft. Ähnlich verhält es sich auch bei unserem Ticketverkauf. Daher bin ich absolut positiv gestimmt.
Die kommende »Alles für den Gast« ist die zweite, die unter Ihrer Ägide stattfindet. Wie fällt Ihr bisheriges Fazit aus?
Ich habe wahnsinnig viel gelernt. Ich wurde auch als Person sehr gefordert, was sehr positiv gemeint ist. Mein Chef, Andreas Ott, ist eine ausgezeichnete Führungskraft, die mir meinen Freiraum lässt und es mir ermöglicht, meine Ideen, meinen Input und meine Erfahrungswerte komplett miteinzubringen. So konnte ich – nach der neuen Getränkewelt im letzten Jahr – dieses Jahr den neuen Großküchen-Kompetenzbereich inklusive Kochbühne und viele weitere Highlights umsetzen. Ich denke, da sieht man wirklich meine persönliche Handschrift und die möchte ich natürlich auch für die Zukunft weiter ausbauen. Es gibt so viele Themen auf meiner Gedankenliste 2024, die wir bisher noch zu wenig beleuchtet haben. Mir wird also sicher auch in Zukunft nicht fad.
Apropos Zukunft: RX Global hat vergangene Woche bekanntgegeben, dass über einen Ausstieg aus dem österreichischen Markt nachgedacht wird. Was bedeutet das für die »Alles für den Gast«?
RX Global hat weltweit seine Geschäftsaktivitäten evaluiert und prüft derzeit die Optionen, sich aus dem österreichischen Markt zurückzuziehen. Dieser Prozess kann mehrere Monate dauern. Für die Durchführung unserer Messen wie der »Alles für den Gast« hat dies keine Auswirkungen. Die Messen werden wie geplant stattfinden, mit all der Professionalität, der Leidenschaft und den Möglichkeiten, die unsere Kund:innen von uns erwarten. Das gilt selbstverständlich auch für die Gastmesse 2024, mit deren Planungen wir bereits begonnen haben.
Auf was freuen sie sich bei der »Alles für den Gast 2023« ganz besonders?
Ich freue mich auf Begegnungen mit Ausstellern, mit Kolleg:innen, mit Besucher:innen, mit Persönlichkeiten aus der Szene und aus der Branche. Ich freue mich auf volle Hallen. Ich freue mich auf ein tolles Feedback aller Beteiligten. Ich freue mich auf die Großküchentechnik, da ich dort wahnsinnig viel Herzblut reingelegt habeUnd ich freue mich über den neuen Weg, den wir derzeit mit der Messe gehen. Das heuer ist die 53. Edition und bis dato hat es bei der »Alles für den Gast« beispielsweise noch nie Koch-Masterclasses gegeben. Das ist also auch für uns ein absolutes Lernfeld. Wir sind gespannt, wie es vom Publikum angenommen wird. Die Auswertung der Besucher- und Ausstellerbefragung wird zeigen, ob wir richtig liegen. Ich bin diesbezüglich sehr zuversichtlich, da wir jetzt schon die ersten Anfragen für 2024 haben, was natürlich extrem positiv ist.
Sie waren in der Vergangenheit selbst Aussteller auf der »Alles für den Gast«: Was ist abschließend Ihr persönlicher Tipp an andere Aussteller, um ihren Messeauftritt unvergesslich zu gestalten?
Eine gute Vorbereitung und für sich Ziele zu definieren, die man auf der Messe erreichen möchte. Ich denke, dass es auch wichtig ist, am Stand aktiv zu agieren und nicht einfach nur auf dem Barhocker zu sitzen und zu erwarten, dass einem die Bude eingerannt wird. Wir bieten mit der Messe eine Plattform, die die Aussteller dann aktiv nutzen müssen. Dazu gehört auch, dass man sich überlegt, wie man die Besucher:innen am besten ansprechen kann. Zudem ist die »Alles für den Gast« eine gute Möglichkeit, um sich mit anderen Unternehmern, Dienstleistern oder Akteuren der Branche zu vernetzen. Einer der wichtigsten Punkte, der meiner Meinung nach stark unterschätzt wird, ist die Nacharbeit im Anschluss an eine Messe. Da bleibt sehr oft sehr viel Potenzial liegen.
Die »Alles für den Gast« findet heuer vom 11. bis zum 15. November statt. Die Besucher:innen dürfen sich auf neue Themenwelten, die spannendsten Brands aus allen Bereichen des Tourismus und ganz viel Wissensaustausch auf drei Bühnen freuen. Alles Wissenswerte zur »Alles für den Gast« finden Sie HIER.
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