Das »Sujet des Jahres« lieferten die Hubers aus dem »Wirtshaus im Demutsgraben« – mit dem Wirt als Seelsorger.
© bar
Fest der Wirtshauskultur Niederösterreich: Bühne frei für neue Ideen!
Wie viel Innovation steckt im Gasthaus? Beim jährlichen Branchentreffen in der Wachau zeigten die niederösterreichischen Gastronomen, wie Wirtshauskultur heute funktioniert. Falstaff PROFI war für Sie vor Ort.
von Brigitte Radl
21. April 2026
Der Termin an einem Montag, an dem viele Gasthäuser geschlossen haben, war bewusst gewählt – und der Empfang auf Schloss Luberegg in der Wachau entsprechend gut besucht. Rund 200 Wirte, allesamt Mitglieder des »Vereins für Wirtshauskultur Niederösterreich«, kamen zum jährlichen Branchentreffen zusammen. Dazu Gäste aus Tourismus, Wirtschaft und Medien – auch Falstaff PROFI war vor Ort.
Zwischen Tradition und Anspruch
Gleich zu Beginn positionierte der neue Obmann Hartmuth Rameder das Berufsbild klar: Das Wirtshaus sei »Ort der gelebten Demokratie im Kleinen«, das Handwerk selbst »eines der herausforderndsten«. Eine Einordnung, die im Saal auf Zustimmung traf. Auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner strich die Rolle der Wirtshauskultur für den Tourismus hervor – und fand dafür eine bewusst zugespitzte Formulierung: »Das gelingt, weil wir euch haben. Weil ihr Superstars seid!«

Dass sich der Verein gleichzeitig modernisiert und neu aufstellt, wurde ebenfalls deutlich: Rebranding, neue Website und ein stärkerer Fokus auf digitale Sichtbarkeit sind Teil des laufenden Markenprozesses. »Auch der digitale Auftritt jedes einzelnen Betriebes ist entscheidend«, betonte Michael Tuscher, Geschäftsführer der Niederösterreich Werbung – und leitete damit direkt zu einem neuen Programmpunkt über.
Sonderpreise: Bühne für kreative Ansätze
Erstmals wurden zwei Sonderauszeichnungen vergeben: für das »Social Media Video des Jahres« und das »Sujet des Jahres«. Die Entscheidung lag nach Vorauswahl durch eine Fachjury beim Publikum – per Applaus, weil das WLAN bei rund 400 Besuchern streikte.
Das Video der Familie Hag vom »StadtWirtshaus Hopferl« setzte sich klar durch: Monika Hag inszeniert sich darin in den »vielen Rollen der Wirtin« – von der Wahrsagerin über die Psychologin bis zur Zauberin. Ein Beispiel dafür, wie vielseitig sich Wirtshauskommunikation heute erzählen lässt.
Beim Sujet überzeugte das »Wirtshaus im Demutsgraben« der Familie Huber mit einem augenzwinkernden Zugang: Der Wirt als zum Himmel blickender Seelsorger am Gasthaustisch, dazu der Claim »Ich habe gesündigt. Es war köstlich.«

Regionale Küche als Visitenkarte
Was danach folgte, war weniger Programmpunkt als Leistungsschau. Die Betriebe selbst lieferten den stärksten Beweis für das, was Wirtshauskultur heute leisten kann: Der Austro-Germ-Bun mit Pilzfüllung und Rhabarber-Kimchi (»Hotel-Restaurant zur Post«, Melk) zerging auf der Zunge, das Saiblingstartar mit Zitrone-Minze-Aufguss überzeugt durch geschmackliche Tiefe (»Landgasthaus Böhm«, Weinzierl) und mit dem Schwammerlbeuscherl mit Grießknödel (»Gasthaus Nährer«, Rassing) gab’s auch eine vegetarische Hauptspeise zu verkosten.
Der Eindruck des Abends: Wirtshauskultur versteht sich längst nicht mehr nur über Tradition, sondern über die Fähigkeit, diese innovativ und kreativ weiterzuentwickeln – auf dem Teller ebenso wie in der Kommunikation. Zum Abschluss gab es für Falstaff PROFI dann noch Marillenknödel-Gelato »by Stölner« für den Heimweg.
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