Vorzeigeprojekt in der Natur von »GlamPro«: das »Garden Village« in Bled, Slowenien.
© GlamPro
Mobile Homes: Vom Waldbaden und Sternezählen
Die Parahotellerie boomt. Drei Worte, die man ohne Wenn und Aber aussprechen kann. PROFI hat sich einen Teilbereich vorgenommen – Tiny Houses, Mobile Homes, Glamping. Welche Projekte hier gerade für Furore sorgen und wann Sie nachziehen sollten.
von Nicola Afchar-Negad
19. November 2022
Das große Glück ist manchmal ganz klein. Bis zu 37 m groß, um das amerikanische Baugesetz zu bemühen. Diese Zahl stellt Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer Prodinger Consulting, PROFI zur Verfügung. Denn auch wenn in den letzten Jahren vermehrt über die Mikrohäuser gesprochen wird, so ganz genau wissen nur wenige, wie sich die unterschiedlichen Beherbergungsformen unterscheiden. Okay, Chalets sind meist größer und werden oft nach einer gewissen Zeit zum Zweitwohnsitz umgewidmet. Genau das macht sie bei Kommunen teils etwas unbeliebt. Bei Tiny Houses kommt dieser Verdacht schon seltener auf, wobei sie komplett ausgestattet daherkommen. Schlafzimmer, Küche, Badezimmer, Relax-Area – es fehlt an nichts. »Tiny Houses sind vor allem im Tourismus gefragt und als Attraktion im Kommen«, zweifelt Reisenzahn keine Sekunde. Und weiter: »Insbesondere Hotelgruppen mit einem vertieften Know-how im Bereich ›meditatives Glamping‹ suchen etwa in Österreich nach Projektmöglichkeiten. Es gibt eine enorme Bandbreite an Vorhaben, die derzeit umgesetzt wird.«
»Es lässt sich klar erkennen, dass sich die Lücke zwischen alternativen Unterbringungsformen und Hotellerie schließt.«
Thomas Reisenzahn, Tourismusberater

© EuroParks
Hype im Mobile Homes & Glamping-Einheiten
Tatsächlich braucht es nicht viel, um eine Liste zu erstellen. So rüsten die »EuroParcs« (rund 600.000 Gäste pro Jahr!) nach und nach um. Am Standort »EuroParcs Pressegger See« gingen diesen Sommer erst 48 neue Mobile Homes in die Vermietung. Die »MH Residenz«, die die Generalvertretung für »Adria Mobilheime« in Österreich inne hat, kann gleich mehrere Neueröffnungen verkünden. Im Mai: das »Glamping Village Kötschach« und im September die Thermen-Chalets der »Therme Lutzmannsburg«. Oder denken Sie an »Falkensteiner« – womit verbinden Sie diese Marke? Mit Camping? Vielleicht bald schon, denn noch heuer plant das Unternehmen eine eigene Camping-Marke zu launchen. Alexandra Geyer, Head of PR & Public Affairs: »Wir betreiben bereits seit längerem drei Campingplätze und wollen diese noch weiter ausbauen. Gerade haben wir den ›Falkensteiner Premium Campingplatz Pila‹ in der Pipeline. Er soll im Juli 2023 neu eröffnen – mit 250 Stellplätzen und 180 Mobile Homes bzw. Glamping-Einheiten.« Geyer spricht von einem regelrechten Hype um das Thema.
Wald & Spa
Tourismusberater Reisenzahn kombiniert sogar die Worte »rosig« und »Zeiten«, was man in Sachen Hotellerie nun eher schon länger nicht mehr gehört hat. Er sieht einen »anhaltenden Boom«. »Es lässt sich klar erkennen, dass sich die Lücke zwischen alternativen Unterbringungsformen und Hotellerie schließt. Generell liegen individuelle Unterkunftstypen mit Erlebniswert und Privatsphäre im Trend.« Ein eigens entwickeltes Projekt: Wald-Spa & Chalets in Faistenau, »Hotel Fischerwirt«. Nur ein paar Schritte hinter dem Hauptgebäude warten Waldchalets auf die Gäste – eine Erweiterung, die ankommt. Wohnen und saunieren mitten im Wald – dieses Konzept ist fraglos aufgegangen! Bezüglich der Kosten ist Reisenzahn ganz offen: »Die Preisspanne reicht von 600.000 Euro für Chalet-Häuser bis zu 80.000 für ein einfaches Tiny House. Einzelne Varianten sind stark von Einrichtung und Ausführung abhängig. Langlebigkeit, Winterfestigkeit oder Ganzjahresnutzung sorgen für Preisunterschiede.«
Auch Erschließungskosten sollte man nicht außer Acht lassen – eine professionelle Projektplanung ist hier nicht verkehrt. Geyer von »Falkensteiner« ergänzt das Thema Isolierung, »um die Häuser ressourcenschonend betreiben zu können.« Letzteres geht auch bei Zelten, das bestätigt Jon Brecelj, Chief Marketing Officer von »GlamPro«. Das in Slowenien beheimatete Unternehmen setzt Glamping-Projekte von Österreich bis Japan um und der Slogan »We are the story makers« sagt alles. »Wenn wir die Resorts entwerfen, dann immer auch gleich die Geschichte des Resorts. Die Unterkünfte sind hier nur ein Teil des großen Ganzen.«
»Wenn wir die Resorts entwerfen, dann immer auch die Geschichte. Die Unterkünfte sind nur ein Teil des großen Ganzen.«
Jon Brecelj, Chief Marketing Officer »GlamPro«

© Hotel Fischerwirt
Badezimmer ist ein Muss
Brecelj spricht davon, wie magisch es ist, im Zelt zu sein, wenn es draußen schneit und erwähnt ein Resort in Japan, bei dem es ums Sterneschauen geht. Die Zelte sind jeweils in Clustern arrangiert, die die Form eines Sternbilds ergeben. »Die Beleuchtung folgt dieser Idee.« Aktuell arbeitet das Team zum Beispiel auch an einem Wellness-Resort in luftiger Höhe. »Man wird vom Schlafzimmer aus den Mount Fuji sehen«, ist der Glamping-Maniac (so bezeichnen sich die GlamPros selbst) begeistert. Ab circa zehn Einheiten mache ein Projekt Sinn, so der Experte. Ein eigenes Badezimmer ist heute Standard. Die Aufbauzeit des von »GlamPro« entwickelten »Adria Sa- fari Zelts« sei minimal. Die Zelte werden in der Fabrik gebaut, kommen im Container auf die Baustelle. »Man kann dadurch mehrere Zelte an einem Tag aufbauen«, so Brecelj. Und die Kehrseite des Trends? Bei Chaletdörfern wird mittlerweile oft von einer Verhüttelung der Landschaft gesprochen, von einer Kunstwelt, davon, dass es schlichtweg schon zu viel geworden ist. Die Expert:innen, mit denen PROFI gesprochen hat, erwähnen alle unabhängig voneinander, dass sich die Projekte in die Umwelt einfügen müssen, mit ihr gar verschmelzen sollten. Man kennt das z. B. aus Wüstenregionen, in denen die sandfarbenen Zelte tatsächlich zumindest optisch kaum ins Auge stechen. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Hoteliers – und Story-Makers – auch in Mitteleuropa hier ein paar Extragedanken machen.

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