Manuel Rubey © Lensecape
Serie »Am Wörthersee«: April-Scherz entpuppt sich als PR-Stunt der »Tourismusregion Wörthersee«
Roland Sint hatte genug von immergleichen »Werbesujets, TV-Spots und Social Media-Filmchen« und setzte stattdessen auf das Who-is-Who der österreichischen Schauspiel-Garde, einen Plot mit allen Zutaten, die eine internationale Erfolgsserie ausmachen und einen spektakulären Trailer in Kino-Qualität. Das Ergebnis: ein viraler Hit.
von Alexander Schöpf
15. April 2024
In der Karibik Österreichs, dem Wörthersee, bringt ein rachsüchtiger Geologe die Urlaubsfassade mit gezielten Explosionen zum Bröckeln. Wenn die ansässigen Tourismus-Clans es nicht schaffen, seinen perfiden Plan zu durchkreuzen, verlieren sie ihr Leben – oder was noch verheerender wäre – ihren gesamten Reichtum. Das ist, kurz umrissen, der Plot der vermeintlichen Serie »Am Wörthersee«, deren Trailer am 1. April veröffentlicht wurde. Mit dabei: das Who-is-Who der österreichischen Schauspiel-Garde, wie Manuel Rubey, Reinhard Nowak, Julian Waldner, Sarah Jung oder Michael Pink.
Das Veröffentlichungsdatum des Clips legt nahe, dass es sich um einen April-Scherz handelt, doch in Wirklichkeit steckt weitaus mehr dahinter: »Am Wörthersee« ist nämlich ein PR-Stunt der Tourismusregion »Wörthersee-Rosental«, wie Roland Sint – Geschäftsführer der Tourismusregion – am heutigen Montag im Rahmen des »Tourismus Forum« in Velden verraten hat. Und dieser Stunt hat sich definitiv ausgezahlt: Das Video wurde in den ersten 14 Tagen alleine auf YouTube über 1,6 Millionen Mal angesehen. Darüber hinaus sorgte er auch auf Instagram, Facebook, TikTok und Co. für Furore.
Die Idee, einen Trailer in »Netflix«-Qualität für eine Serie zu produzieren, die es gar nicht gibt, entstand, weil Roland Sint im Marketing für die Region Wörthersee-Rosental neue Wege bestreiten wollte. Der Touristiker forderte eine Idee sprichwörtlich out-of-the-box: »Ich hatte keine Lust auf schon wieder Werbesujets, TV-Spots und Social-Media-Filmchen mit immer den gleichen, austauschbaren Schönwetterbildern.«
Die Innsbrucker Film-Produzenten Stefan Ager und Andreas Gumpenberger von »Lensecape« hatten daraufhin die Idee einer Serie für einen internationalen Streamer – auch vor dem Hintergrund, dass der Wörthersee mit »Ein Schloss am Wörthersee« bereits Seriengeschichte geschrieben hat. Die Tatsache, dass eine Tourismus-Region nicht einfach eine »Netflix«-Serie produzieren kann, führte schließlich zu der bisher nie dagewesenen Idee, einen Trailer für eine Serie zu produzieren, die es gar nicht gibt. »Mit allem, was dazu gehört: Ein Spitzen-Cast, eine Crew mit den Besten der Branche, Filmplakat, Social-Media-Kampagne, Pressearbeit, Besprechungen von Film-Kritikern«, erklärt Stefan Ager. »Das volle Programm eben.«
Mehr als nur ein Trailer
Mit der Idee, dass der Clip ein reiner PR-Stunt bleibt, will sich Roland Sint aber nicht zufrieden geben: »Ich habe von Anfang an gesagt: Ich will nicht nur einen Trailer – ich will die Serie.« Und das könnte ein durchaus realistisches Szenario werden. »Als die Szenen für den Trailer unter absoluter Geheimhaltung im September 2023 am Wörthersee gedreht wurden, entstand eine ganz besondere Dynamik, da lag etwas in der Luft«, erzählt Regisseur Patrick R. Neubäck. »Julian Waldner und Manuel Rubey kamen auf mich zu und sagten: Das ist so groß, was hier gerade passiert – da kann wirklich eine Serie draus werden.«
Daraufhin wurde nicht nur von den Innsbrucker Produktionsfirmen »Lensecape« und »Eutopiafilm« der Trailer produziert und gemeinsam mit der Münchner Agentur »Hansmann PR« eine Marketingstrategie rund um den Trailer entwickelt, sondern auch eine Filmbibel für eine Miniserie mit sechs Folgen à 45 Minuten geschrieben. Dafür hat sich Patrick R. Neubäck mit Kim Strobl, die schon mehrere Drehbücher für internationale Streamer geschrieben hat, vielversprechende Unterstützung geholt. Bereits seit Anfang des Jahres ist Co-Produzent Bernhard Holzhammer (Eutopiafilm) mit verschiedenen Streamern im Gespräch und alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck daran, dass die Serie »Am Wörthersee« Wirklichkeit wird. Dazu trägt auch die enorme Community bei, die das Projekt seit der Premiere des Trailers verfolgt. »Die Menschen wollen ›Am Wörthersee‹ sehen«, ist Roland Sint überzeugt. Bestätigung erhält er von Manuel Rubey: »Die Macher:innen von ›Am Wörthersee‹ machen beinahe alles anders, wie man das sonst kennt. Diese Chuzpe öffnet vielleicht sogar ungeahnte Möglichkeiten.«
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