Geballte Expertise am Podium: Melanie Scholze-Simmel (CEO Wine Wallet), Andreas Maurer (Bio-Landwirt) und Karl Royer (CEO hektar.com) (v.l.n.r.)
© hektar.com/LeSteve
Zukunft am Land: Drei Denkanstöße für die Gastro vom »BURNING HEN Festival«
Wie gelingt die Übergabe des Familienbetriebs? Was kann KI im Tourismus? Und wie können Produzenten ihre Marke sichtbar machen? Beim »BURNING HEN Festival« in Schladming wurden diese Fragen praxisnah mit Experten diskutiert.
von Brigitte Radl
14. Oktober 2025
Zum dritten Mal wurde die Hohenhaus Tenne in Schladming zum Treffpunkt für Menschen, die das Land verändern wollen: Beim »BURNING HEN Festival« kamen rund 900 Besucher aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammen – so viele wie nie zuvor. Am größten Business-Festival fürs Land sprachen Unternehmer, Touristiker, Landwirte und Kreative über aktuelle Herausforderungen und brennende Zukunftsthemen. Am Podium teilten 30 Experten ihre Erfahrungen und gaben wertvolle Einblicke in die Praxis.
Betriebsübergabe mit Julia Zotter
Wie viel Veränderung verträgt Tradition? Diese Frage stellte sich Julia Zotter, Nachfolgerin der bekannten steirischen Schokoladen-Dynastie. In ihrem Talk sprach sie offen über Verantwortung, Erwartungshaltungen – und den Mut, Altbewährtes neu zu denken. »Eine Übergabe ist schon irgendwie ein lustiges Konzept«, so Zotter. »Viele verstehen es als Aufgabe, vielleicht auch als Aufgabe der eigenen Träume zugunsten der Tradition. Aber ein Familienunternehmen ist ja kein glühendes Stück Kohle, das einem zugeworfen wird, sondern eines, das man mitbefeuert hat und nun selbst tragen darf, um Neues zu entfachen.« Ein Impuls, der in vielen Betrieben am Land aktuell ist – vom Wirtshaus über die Pension bis zur Bäckerei. Die Botschaft: Nachfolge ist kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung.

KI im Tourismus & Vermarktung mit Storytelling
Wie digitale Innovation und Künstliche Intelligenz den Tourismus verändern, erklärte Stefan Kreppel, Abteilungsleiter für Digitalisierung, Innovation und Strategie bei der »Österreich Werbung«. Seine Key-Message an alle Tourismusbetriebe: »Künstliche Intelligenz revolutioniert das Reiseerlebnis – aber nur, wenn wir als Branche bereit sind, uns agil zu organisieren, bewusst zu entscheiden und das nötige Know-how aufzubauen, um ihre Ergebnisse richtig einordnen zu können.« Für Hoteliers und Gastronomen bedeutet das: KI ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das zum Wettbewerbsvorteil werden kann. Ob für Gästekommunikation, Preismanagement oder Datenanalyse – wer sie strategisch nutzt, gewinnt Zeit für das Wesentliche: die persönliche Gastgeberrolle.
Auch Melanie Scholze-Simmel machte in ihrem Deep Dive über Direktvermarktung deutlich, wie wichtig authentische Kommunikation mit persönlichem Touch für regionale Betriebe ist: »Wer sein Produkt mit Leidenschaft füllt und ehrlich darüber erzählt, wie es entsteht, schafft Vertrauen«, so die CEO von »Wine Wallet«. Transparenz und gutes Storytelling sind für sie die Schlüssel: Erst, wenn die Kunden die Geschichte hinter dem Produkt kennen, entsteht eine emotionale Beziehung. Gerade in Zeiten der digitalen Content-Flut ein hochrelevantes Thema, das Gastro und Hotellerie gleichermaßen betrifft.

Grillhendl & Paula Bründl am Herd
Das »BURNING HEN Festival« ist nicht nur für spannende Inhalte, sondern mittlerweile auch für seine Kulinarik bekannt. Neben dem legendären, fünf Meter hohen Hendlgrill im Zielstadion der Planai präsentierten am neuen Marktplatz regionale Produzenten ihre Spezialitäten. Und noch eine Novität: Die Pinzgauer Köchin Paula Bründl stand live am Herd – und nahm währenddessen gleich eine Folge ihres Podcasts »Servus Küche« auf. Zum Ende des Festivals steht fest: Auch nächstes Jahr wird wieder diskutiert, genetzwerkt und gegrillt – am 10. Oktober 2026. Save the date!
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