Katerkillen auf Schottisch: die Story des »Morning Glory Fizz«
Bekannt für seine belebenden Eigenschaften, ist er der ideale Drink nach einer langen Nacht. Doch wo hat der »Morning Glory Fizz« eigentlich seine Wurzeln, was macht ihn zum perfekten Katerkiller und wie bereitet man ihn richtig zu?
Als Anti-Kater-Drink ist der »Morning Glory Fizz« nahezu unschlagbar. Die Säure des Zitronensafts hilft, den Magen zu beruhigen und die Verdauung anzukurbeln, während das Eiweiß eine nährende Komponente hinzufügt. Der Alkoholgehalt des Scotch Whisky ist gerade ausreichend, um die Nachwirkungen der letzten Nacht zu mildern, ohne den Kater zu verlängern. Und das sprudelnde Soda sorgt dafür, dass man sich frisch und belebt fühlt. So zumindest die Theorie, die zweifelsfrei noch aus einer Zeit stammt, in der ein Cocktail am Morgen noch kein verwundertes Stirnrunzeln hervorgerufen hat. Aber hey, »My Home is my Castle« und mit einem Kater schlägt man sich ja ohnehin meist in den eigenen vier Wänden herum – und was dort passiert, bleibt jedem selbst überlassen.
Morning Glory, mal ganz nüchtern betrachtet
Stellt sich nur die Frage, was das eigentlich genau ist, dieser »Morning Glory Fizz« (die englische Übersetzung sparen wir uns jetzt an dieser Stelle) und wer auf die Idee kam, sich mit einem gespritzten Sour gegen die üblen Nachwehen des letzten Abends zu stemmen. Der »Morning Glory Fizz« wurde in den 1880er-Jahren erstmals in den diversen Cocktailbüchern erwähnt, so etwa in dem Werk »How To Mix Drinks« eines gewissen Mr. Winter, oder aber im »Bartenders Manual« von Harry Johnson sowie bei Jerry Thomas, dem Vater der modernen Mixologie. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich der Morning Glory Fizz jedoch immer wieder an neue Geschmäcker und Trends angepasst. In den 1920er-Jahren, während der Prohibitionszeit in den USA, wurde der Absinth oft durch andere Liköre ersetzt, da er schwer erhältlich war. Später, in den 1960er-Jahren, wurden Versionen mit weniger Eiweiß populär, da man leichtere Cocktails bevorzugte. In der modernen Cocktailkultur erleben jedoch viele klassische Rezepte, einschließlich der traditionellen Version des »Morning Glory Fizz«, eine Renaissance. Kein Wunder, denn mit seiner lebhaften Kombination aus sprudelndem Wasser, einer säuerlichen Note und einem Hauch von Anis ist er der perfekte Mix aus Erfrischung und Eleganz. Sein wahres Geheimnis liegt jedoch in seiner ausgeklügelten Balance. Der Drink besteht (je nachdem, welchem Autor man folgt) traditionell aus Scotch Whisky, Zitronensaft (oder einer Kombination mit Limettensaft), Zucker, einem Eiweiß, Absinth und einem Schuss Soda. Das Eiweiß sorgt für eine seidige Textur und eine schaumige Krone, während der Absinth mit seinem anisartigen Aroma dem Cocktail eine besondere Tiefe verleiht. Das sprudelnde Soda rundet das Ganze mit einer erfrischenden Leichtigkeit ab.
Am Ende ist es aber egal, ob man diesen Klassiker als morgendliche Rettung nach einer wilden Nacht oder als stilvollen Start in den Abend (was er heute viel eher ist) genießt – der Morning Glory Fizz zählt als zeitlose Kreation zu den ganz großen Errungenschaften in der Geschichte der Mixologie.
Der »Morning Glory Fizz»
- 6cl Scotch Whisky
- 3 cl Zitronensaft
- 2 cl Zuckersirup
- 3 Dashes Absinth
- 1 Eiweiß
- Soda
Zubereitung:
Alle Zutaten, bis auf Sodawasser, im Shaker auf Eiswürfeln lange und intensiv shaken. In ein vorgekühltes Glas abseihen und mit einem Schuss Soda toppen.
Tipp:
Variationsmöglichkeiten bieten sich beispielsweise bei der Wahl des Whiskys (rauchig, nicht rauchtig, Bourbon oder würziger Rye...) sowie vor allem bei der Säure. So kann der Einsatz von 1,5 cl Zitronensaft und 1,5 cl Limettensaft dem Drink einen feinen Twist verleihen.