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© Bäckerei Felzl

Trauer um Christina Ostermayer (1965 – 2023)

Nachruf
Wien

Die legendäre Leiterin des »Do & Co« im Haas-Haus und spätere Chefin der Bäckereikette Felzl starb am 31. März nach langer Krankheit.

1990 eröffnete das »Do & Co« im damals neuen Haas-Haus am Wiener Stephansplatz, und von Beginn an war Christina Ostermayer Aushängeschild, Empfangskomitee, Kommandantin und gute Seele des Betriebs in einer Person. Sie kannte alle Stammgäste und deren kulinarische Wünsche und Vorlieben, sie wusste, wer wann Geburtstag, Hochzeitstag oder ein anderes Jubiläum zu feiern hatte, kurz: Mehr als 25 Jahre lang war Christina Ostermayer »Do & Co«.

Leidenschaft für Gastronomie

Ihre Leidenschaft für die Gastronomie war ihr in die Wiege gelegt worden – die Eltern hatten ein Gasthaus im heimatlichen Feldkirchen nahe des Ossiacher Sees in Kärnten. Dort stand sie bereits als Dreijährige mit ihrer Großmutter in der Küche, um Reindlinge und weitere Köstlichkeiten zu fabrizieren. Ihr Weg war schon damals vorbestimmt.

Nach der Tourismusschule in Klessheim ging sie nach Wien, absolvierte eine Sommelier-Ausbildung und startete danach im Kaffeehaus im zunächst umstrittenen, von Hans Hollein geplanten Neubau des Haas-Hauses. Dort entdeckte sie Attila Dogudan und engagierte sie für sein Vorzeige-Restaurant »Do & Co«. Immer weitere Aufgaben kamen hinzu: das mediterrane Restaurant »Aioli« im dritten Stock, das neue »Do & Co« in der Albertina, der Demel und manches mehr.

Neustart

Nach mehr als 25 Jahren und unendlich vielen Überstunden im »Do & Co«-Imperium wagte Christina Ostermayer schließlich einen radikalen Neustart. Nicht mehr Top-Gastronomie, sondern eine Backstube, nicht mehr Angestellte, sondern Unternehmerin. Gemeinsam mit ihrem Partner und Lebensmenschen Peter Petrich übernahm sie die zum Verkauf stehende Wiener Bäckerei-Kette Felzl und baute sie sukzessive aus: Es kamen Filialen hinzu, sie feilte permanent am Angebot und der Qualität der Produkte, rückte Werte wie Nachhaltigkeit, Regionalität und Originalität noch weiter in den Mittelpunkt. Dem Felzl-Baguette wurde attestiert, das beste außerhalb Frankreichs zu sein – ein Lob, das die Bäckerin aus Leidenschaft mit Stolz erfüllte.

So erfolgreich Christina Ostermayers berufliche Karriere verlief, so schwierig gestaltete sich ihr Privatleben. Massive gesundheitliche Probleme begleiteten sie viele Jahre lang, vor zwei Jahren verlor sie ihren Lebenspartner an eine schwere Krankheit. Noch am Krankenbett gaben sie sich das Ja-Wort. Sein geliebter Hund war bis zuletzt Christina Ostermayers treuer Begleiter.

Am 31. März 2023 folgte Christina Ostermayer ihrem geliebten Peter nach. Ganz die vorausschauende Unternehmerin, die sie war, regelte sie noch rechtzeitig die Zukunft ihres Betriebes, um für ihre Mitarbeiter keine Unsicherheit entstehen zu lassen.

Christina Ostermayer wusste Zeit ihres Lebens, was wann zu tun ist. Und sie machte nie eine große Sache daraus, sie machte einfach. Sie wird sehr fehlen.

Martin Kubesch
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