Die Reise eines Edelsteins – »Von Köck« im Gespräch über Verantwortung und Handwerk
Im Gespräch geben Felix und Nattaya Köck Einblick in thailändische Familienbetriebe und zeigen, wie Edelsteine mit Handarbeit, Verantwortung und gelebter Nachhaltigkeit entstehen.
FALSTAFF: Herr Köck, mit dem »Lifecycle of a Gem« zeigen Sie, wie die kostbarsten Wunder der Natur aus fernen Ländern in die Schmuckschatulle gelangen. Wie kam es zu dieser Dokumentation?
Felix Köck: Die Idee begleitet uns schon seit vielen Jahren. Viele sehen nur den funkelnden Stein, nicht aber die Menschen dahinter. Wir wollten dieses Unsichtbare sichtbar machen: das Handwerk, die Kultur, die Hände, die ein Juwel zu dem machen, was es ist. Kaum ein Juwelier setzt sich dieser Mühe aus – für uns wurde es dadurch fast ein Markenzeichen. Im Sommer 2025 starteten wir schließlich in Thailand. Wir reisen drei- bis viermal pro Jahr nach Asien und möchten nach und nach den Lebenszyklus von Farbedelsteinen in unterschiedlichen Ländern dokumentieren.
FALSTAFF: Sie reisen seit über zehn Jahren regelmäßig nach Chanthaburi. Was unterscheidet Ihre Begegnungen mit lokalen Familienbetrieben von klassischen Einkaufsreisen europäischer Juweliere?
Felix Köck: Der klassische Weg ist simpel: Juweliere kaufen fertige Ware und legen sie in die Auslage. Wir wollten mehr. Deshalb gründeten wir ein Atelier, verdoppelten unser Team und verarbeiten jedes Stück in Wien. Wir kaufen nicht anonym auf Messen, sondern direkt an der Quelle. Wer dort ist, bekommt Qualität – und Geschichten, die man sonst nie erfahren würde.
FALSTAFF: Wie schwierig ist es, in einer politisch teilweise instabilen Region im Osten Thailands, Vertrauen aufzubauen – und vor allem: über so viele Jahre zu halten?
Felix Köck: Während unserer Dreharbeiten stand die Grenzregion zu Kambodscha tatsächlich im Kriegszustand. Dank unserer guten Kontakte blieb alles erstaunlich ruhig. Einzig die Drohne mussten wir am Boden lassen. Abgesehen davon haben wir nichts von Spannung gespürt. Vertrauen aufzubauen ist in Thailand oft leichter als in Europa: Es gibt weniger Formalismen – dafür zählt das Wort. Unehrlichkeit spricht sich schnell herum. Wir haben dort ausschließlich gute Erfahrungen gemacht.
FALSTAFF: Der Kontakt zu Schürfern, Schleifern und kleinen Werkstätten ist für Sie zentral. Wie definieren Sie »soziale Nachhaltigkeit«?
Felix Köck: Für viele Menschen dort ist der Edelsteinhandel die wichtigste Einnahmequelle. Viele arbeiten daheim, oft Frauen, die so Familie und Beruf vereinen können. Uns ist wichtig zu sehen, dass die Wertschöpfung in den Ortschaften ankommt. Wenn wir vor Ort sind und erleben, wie dieses Geld Gemeinschaften stärkt, dann bedeutet Nachhaltigkeit plötzlich etwas sehr Konkretes.
FALSTAFF: Wie unterscheiden sich die Arbeitsrealitäten in den thailändischen Heimwerkstätten von den Vorstellungen europäischer Kund:innen?
Felix Köck: Viele stellen sich große Hallen vor – die Realität ist oft ein kleiner Raum im Haus. Doch was zählt, sind Auge, Hand, Ohr und Erfahrung. Planungssicherheit gibt es kaum. Dafür eine beeindruckende Präzision, die man nicht aus Maschinen, sondern aus Können gewinnt.
FALSTAFF: Sie besuchen bei jeder Reise den Edelsteinmarkt in Chanthaburi. Woran erkennen Sie einen fairen Deal?
Felix Köck: Erfahrung ist hier alles. Wir beschäftigen uns täglich mit Angebot und Nachfrage. Meine Ausbildung zum GIA-Gemologen hilft natürlich, aber am Ende zählt das Gefühl für den Stein: Hält er, was der Markt verspricht? Ein Mix aus Fachwissen, Marktkenntnis und Intuition führt zu guten Entscheidungen.
FALSTAFF: Sie sprechen von einer persönlichen Handschrift, die jedes Stück Ihrer Kollektion trägt. Welche Rolle spielt Ihre Frau Nattaya als Designerin?
Felix Köck: Ich stehe für das Know-how bei den Edelsteinen, Nattaya für die Form und das Design. Sie leitet unser Designteam mit sicherem Gespür und einer unverkennbaren Handschrift, und gemeinsam mit unseren Goldschmieden verwandelt sie jede Idee in ein einzigartiges Schmuckstück.
FALSTAFF: Wie reagieren Kund:innen, wenn sie erfahren, wie viel Handarbeit und Verantwortung hinter jedem Stein stehen?
Felix Köck: Mit großer Wertschätzung. Das war einer der Gründe, warum wir die Dokumentation überhaupt begannen. Viele wissen nicht, wie viel Handwerk in einem unbehandelten Spinell steckt – einem Stein, der gerade erst seinen Weg in die breitere Öffentlichkeit findet. Wir möchten unsere Kund:innen mit auf diese Reise nehmen.
Weitere Informationen finden Sie online unter vonkoeck.com.